ÖGJ-Eder zur Lehrlingsausbildung: Taten statt Appelle

Alarmsignale nicht weiter ignorieren, Ausbildungsfonds gründen

Wien (ÖGJ/ÖGB). Minister Martin Bartensteins Appell an die UnternehmerInnen, an den Fachkräftebedarf von morgen zu denken und entsprechend mehr Lehrlinge aufzunehmen, klinge zwar schön, sei aber offensichtlich wenig effizient, sagt der Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Jürgen Eder: "Appelliert wurde in den vergangenen Jahren genug, jetzt sind endlich Maßnahmen gefragt:" Denn die Zahl der Lehrstellen Suchenden steigt permanent-per Ende Jänner fehlten bereits 12.300 Lehrstellen. Von Jahr zu Jahr gibt es weniger Lehrlinge in Österreich, aber all diese Alarmsignale wurden ignoriert. "Da die Wirtschaft offensichtlich nicht dazu zu bewegen ist, freiwillig mehr Lehrlinge auszubilden, brauchen wir einen Ausbildungsfonds. Die Lehrlingsverweigerer von heute müssen die Ausbildung der Fachkräfte von morgen mitfinanzieren", fordert Eder.++++

Bartenstein habe den Westen als Beispiel für erfolgreiche Berufsausbildung dargestellt. "Dem 'Vorarlberger Modell' verweigert aber die Wirtschaft die freiwillige Umsetzung auf Bundesebene. Deshalb brauchen wir eine gesetzliche Regelung, die dafür sorgt, dass ausreichend Lehrstellen angeboten werden." Von Strafen für Nicht-Ausbildner könne dabei keine Rede sein, denn die Wirtschaft würde so nur ihren eigenen Fachkräftebedarf für die nächsten Jahre finanzieren.

Die Aussagen von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl im Mittagsjournal, wonach alle Jugendlichen ein Ausbildungsangebot gefunden hätten, das auch ihren Wünschen entspricht, sind für Eder "eine Verhöhnung all jener Jugendliche, die monatelang hunderte Bewerbungen schreiben und immer noch ohne Lehrstelle dastehen."

Diese Jugendlichen brauchen dringend ein unbefristetes Auffangnetz mit mindestens 7.000 Plätzen. "Dort muss eine Ausbildung bis zur Lehrabschlussprüfung möglich sein", fordert der ÖGJ-Vorsitzende. Der Normalfall müsse zwar die Ausbildung in den Betreiben bleiben, solange die Wirtschaft dort nicht ausreichend Plätze zur Verfügung stellt, müsse die öffentliche Hand aber mit einer langfristigen Auffanglösung einspringen.

Zur Aussage des Geschäftsführers der Friseur-Kette Strasser, Peter Schaider, er würde gerne mehr Lehrlinge ausbilden als er derzeit dürfe, erklärte Eder: "Es ist vorbildlich, dass manche Unternehmen die Lehrlingshöchstzahl voll ausschöpfen, denn mehr Lehrstellen zu schaffen muss ein dringendes Anliegen der gesamten Gesellschaft sein." Dabei dürfe aber die Qualität nicht zu kurz kommen, das Verhältnis von einschlägigen Fachkräften zu Lehrlingen müsse ausgewogen bleiben. "Es kann ja nicht sein, dass ein Betrieb nur mehr aus Lehrlingen besteht", so Jürgen Eder abschließend.(fk)

ÖGB, 5. Februar 2004
Nr. 059

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