Wiener Geschichtsblätter: Über Peter Lorre und Leo Glückselig

Wien (OTS) - Österreichische Emigrantenschicksale im Kunst- und Kulturbereich sind wesentliches Thema der jüngst erschienenen Ausgabe der Wiener Geschichtsblätter. Barbara Schleicher begibt sich unter dem Titel "Für zwei Mörder wie Hitler und mich ist in Deutschland kein Platz" auf Spurensuche nach dem Schauspieler Peter Lorre, Rainer Hering beschäftigt sich anhand des Lebenslaufes des Wiener Graphikers Leo Glückselig mit Emigrantenschicksalen in New York.

Peter Lorre: Karriere zwischen Berlin und Hollywood

Peter Lorre , der eigentlich Laszlo Löwenstein hieß, wurde am 26. Juni 1904 im slowakisch-ungarischen Rosenberg geboren. Kriegsbedingt wechselte die Familie des öfteren ihren Wohnmittelpunkt, bis man sich kurz nach 1918 endgültig in Wien niederließ. Lorre, der von früh an Schauspieler werden wollte, absolvierte zuerst eine Bank-Ausbildung, bis er von Wilhelm Moreno, dem Begründer des Psychodramas, "entdeckt" wurde. Moreno war es auch, der Löwenstein zu seinem Künstlernamen "Lorre" verhalf, indem der beim Substantiv "Rolle" die Buchstaben "R" und "L" vertauschte. Der eigentliche Durchbruch als Bühnendarsteller gelang Lorre 1928 in Berlin. Berühmt wurde Lorre durch den Fritz Lang Film "M. Eine Stadt sucht einen Mörder", bei dem er einen Kindermörder mimte. "M" (1931), der Langs erster Tonfilm war, wird bis heute als gelungenes Stimmungsgemälde der gesellschaftlichen Situation zu Beginn der 30er Jahre in Berlin angesehen. Im Februar 1933 reiste Lorre mitsamt seiner Frau nach Wien, wo er auf ein Telegramm des UFA-Direktors, das ihn dringend zu einem Gesprächstermin mit Joseph Goebbels einlud, antwortete: "Für zwei Mörder wie Hitler und mich ist in Deutschland kein Platz". 1934 reiste Lorre weiter in die USA, wo er, im Unterschied zu vielen anderen geflüchteten Künstlern, sofort mit seiner Arbeit fortsetzen konnte. Lorre spielte in diversen berühmten ("Casablanca", "The man, who knew too much"), wie mittelmäßigen Filmen mit. 1950 kehrt er nach Deutschland zurück, wo er mit seinem anspruchsvollen Film "Der Verlorene" trotz positiver Kritiken Schiffbruch erlitt. 1952 kehrte Lorre in die USA zurück, wo er noch in weiteren Filmen mitwirkte. Am 23. März 1964 wurde Lorre, der sich zuletzt völlig von der Öffentlichkeit zurück gezogen hatte, tot in seinem Appartement aufgefunden.

Glückselig: "Gottlob kein Held gewesen"

Der letztes Jahr verstorbene Graphiker Leo Glückselig wurde am 5. Mai 1914 in Wien geboren. Aus gutbürgerlichem Hause stammend wollte er von früh an Graphiker werden. Auf elterlichem Wunsch studierte er zuerst Architektur. Seine Abschlussarbeit fiel in die "Anschluss"-Tage vom März 1938 hinein. Das November-Pogrom erlebte er als Gefangener in der Brigittenau, 1939 konnte er mit seinem Bruder in die USA emigrieren, seine Familie folgte ihm später nach. Von Schuldgefühlen geplagt meldete er sich freiwillig bei der US-Army und gelangte 1944 nach Europa zurück. In den USA arbeitete er sehr erfolgreich als freiberuflicher Graphiker in New York. Wesentlicher Mittelpunkt wurde hier der vom bayrischen Schriftsteller Oskar Maria Graf (1894-1967) ins Leben gerufene Stammtisch deutschsprachiger Emigranten, dem er sich bis zu seinem Tod im Juni 2003 sehr zugehörig empfand.

Weitere Themen der aktuellen Ausgabe der Wiener Geschichtsblätter beschäftigen sich mit "Anton Gräffer, Johann Nepomuk Hoechle und einer verschollenen Zeichnung von Beethovens Begräbnisfeier" (Rita Steblin) und einem Vortrag von Lorenz Mikoletzky "...Du Capua der Geister".
(Schluss) hch

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