"Kovats stürzt die ÖIAG in ein Dilemma " von Leo Himmelbauer

Wien (OTS) - Perfekt inszeniert! Selbst die ÖIAG wird das neidlos ankennen: Da mehren sich gerade die Zweifel, ob Mirko Kovats ernsthaftes Interesse an einer industriellen Dauerbeziehung zur VA Tech hat. Und postwendend beantragt er eine Kapitalerhöhung. Es gibt niemand, der sich dagegen aussprechen könnte. Zu offenbar ist der Geldbedarf des grössten österreicherischen Technologiekonzerns. Den Segen für seine Aktion erbittet sich Kovats bei einer ausserordentlichen Hauptversammlung Ende Februar. Die ÖIAG wird ihn erteilen müssen. Bloss ist die Zeit schon sehr knapp, darüber nachzudenken, welchen Offenbarungseid sie dann leisten soll.

Laut Regierungsauftrag muss sich die Staatsholding bis 2006 komplett aus der VA Tech zurück ziehen. Ihren 15-Prozent-Anteil wird sie bis mindestens August 2004 behalten. Das ist ebenfalls beschlossene Sache. ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis versicherte soeben vor 500 VA Tech-Führungskräften beim Konzerntag in Vösendorf, dass der Staat mittelfristig ein stabiler Miteigentümer sei.

Es steht im freien Ermessen der ÖIAG, die Kapitalerhöhung mitzutragen. Die SPÖ wird es fordern, der Finanzminister wird es ablehnen. Eine Privatisierungsdebatte wird über das Land herein brechen, die einen zusätzlichen Reiz hat: Was passiert, wenn die Kapitalrunde wie geplant im April über die Runden geht? Die ÖIAG wäre dann verpflichtet, Millionen locker zu machen.

Noch gut in Erinnerung ist der Eiertanz, den die sie vollführte, als sich vor zwei Jahren die voestalpine eine Kapitalspritze über die Börse holte. Die Staatsholding war damals 37,8-Prozent-Aktionär des Stahlkonzerns. Dessen Vollprivatisierung war längst beschlossen. Nichts wäre leichter gewesen, als auf die Teilnahme an der Finanzierungsrunde zu verzichten. Das Management der Voest und die Finanzmärkte drängten sogar darauf. Statt die Gelegenheit beim Schopf zu packen und den Ausstieg aus der Voest zu beschleunigen, beharrte die ÖIAG nach heftigen Diskussionen auf einen Hälfte-Anteil an der Kapitalerhöhung. Die Folge: Sie kaufte im April 2002 junge Voest-Aktien zum Ausgabepreis von 32,50 ". Ums selbe Geld wurden sie bei der Privatiserung im September des Vorjahres wieder abgegeben. Was in der Kassa blieb, waren zwischenzeitlich ausbezahlte Voest-Dividenden. Aber was hat die VA Tech für die ÖIAG zu bieten ausser Verluste?

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