OVS075: Experten sehen enormes Potenzial für E-Finance in Österreich

Kostendruck zwingt Finanzbranche zum Outsourcing - "Enormes Potenzial" durch Osterweiterung Wien (OTS) - E-Finance, die Finanztransaktion über elektronische Plattformen, befindet sich in Österreich noch im Tiefschlaf. "Da sind wir hier zu Lande leider spät dran. Beim Wertpapierhandel hat E-Finance erst einen Marktanteil von einem Prozent", erklärte Erich Obersteiner, Vorstand der Wiener Börse AG, bei einem Event der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstag, Abend in Wien.

"Vor wenigen Jahren hätte ich noch mehr Bewegung in der Bankenszene sowie eine um fünf bis zehn Prozent günstigere Kostenstruktur vorausgesagt. Der Start mitten im Platzen der Blase in der New Economy war allerdings äußerst ungünstig", so Obersteiner. Nun zeichne sich aber eine stärkere Dynamik ab. Er sei überzeugt von einem "tief gehenden Paradigmenwechsel im Finanzbereich", die Vernetzung habe das Konsumentenverhalten bereits "massiv verändert". Seine Prognose: In zehn Jahren würden bereits mehr als 50 Prozent der Finanztransaktionen über E-Finance abgewickelt.

Als "absolute Chance" für die Finanzbranche sieht Obersteiner die anstehende Osterweiterung: "Im Osten sind über 20 Jahre hinweg hohe Wachstumsraten erzielbar, und dieses Wachstum werden wir importieren. Österreich wird massiv davon profitieren." Die Erweiterungsländer stellten zwar ein Drittel der künftigen EU-Bevölkerung, aber nur ein Prozent der Finanzassets. "Wer früh dabei ist, wird massiv profitieren", so Obersteiner.

"Bratislava und Co. bieten sich zwar wegen der Personalkosten an, ich sehe das Geschäft aber nicht nach Osteuropa abwandern", ergänzte Werner K. Steiber, Vorstand der ecetra Central Internet Service AG, der E-Finance-Tochter der Erste Bank. Wenn die Arbeitsplatzbestimmungen adaptiert würden, könnte Österreich durchaus mithalten.

Während vor einigen Jahren das Outsourcing gerade im Bankenbereich als Tabu-Thema gegolten habe, seien wegen des anhaltenden Kostendrucks immer mehr Institute bereit, Outsourcing-Geschäftsmodelle in Betracht zu ziehen, so Steiber weiter. International sei im Gegensatz zu Österreich noch kein Ende der Konsolidierung in Sicht. Beim Thema Outsourcing gehe es aber nicht nur um den IT-Bereich, sondern um die Auslagerung der Prozesse. "Das wird den Banken in zwei bis drei Jahren noch Kopfzerbrechen bescheren. Da wird man sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen", ist Steiber überzeugt.

Ähnlich sieht dies auch Obersteiner. Outsourcing betreffe zwar nicht das Kerngeschäft, der Trend gehe aber zu Shared Services, also die Auslagerung von bestimmten Diensten. "Hier ist die kritische Masse in einem kleinen Land wie Österreich kaum erreichbar. Durch die Auslagerung werden auch kleine Anbieter nicht von den Kosten erdrückt."

"Beim Outsourcing geht es zwar um Kosten, aber auch um Kapitalmarkt-Know-how. An mancher Software wurde zehn Jahre entwickelt, so Roland Meier, Vorstand der Teletrader Software AG. Vom ersten Kontoauszugsdrucker bis zur Möglichkeit zum Trading von zurzeit rund 330.000 Wertpapieren, 35.000 Anleihen und 11.000 Fonds sei es ein langer Weg gewesen, stellte Meier fest.

Durch diese Flut an Anlagemöglichkeiten sei der Bedarf an quantitativer wie qualitativer Selektion gewachsen. Berater hätten ebenso Aufholbedarf bei Basiswissen wie bei Vergleichsinstrumenten. Es sei diesbezüglich bereits ein Trend zu Schulungen und Seminaren bemerkbar. Durch die Möglichkeiten des Internets wachse aber auch der Bedarf an Information bei den Privatanlegern massiv: "Die großen deutschen Info-Portale verzeichnen 130 Mio. Page-Impressions im Monat." Die "gebrannten Kinder" erhielten dadurch eine bestimmte Mündigkeit, man müsse allerdings auch zur Eigenbewertung erziehen. Als große Herausforderung und Perspektive für die Zukunft sieht Meier deshalb, die Entscheidungsgrundlagen für die Anleger nachvollziehbarer und "vielleicht auch objektiver" zu gestalten.

"Was den Informationsbereich bei E-Finance betrifft sind wir schon topp, alle informieren sich im Netz", erklärte Georg Zachhuber, Vorstand der Bronner Online AG und verantwortlich für derStandard.at. Neben Kursinformationen und Unternehmensmitteilungen diene auch die Wirtschaftsberichterstattung zur Abrundung der eigenen Entscheidung.

Außerdem erwartet Zachhuber eine Verlagerung des Fokus bei Kommunikation und Werbung durch die Finanzinstitutionen. In den USA habe das Internet als Werbemedium eine vergleichsweise starke Bedeutung, die Finanzindustrie zähle zu den Hauptkunden der Onlinemedien. Dieser Trend werde auch auf Österreich überschwappen, ist sich Zachhuber sicher.

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