Life Sciences: Österreichische Forscher vor den Vorhang!

Wien (OTS) - Novartis Preis 2003 verliehen - Auszeichnungen für Medizin, Biologie und Chemie überreicht - Festvortrag von niederländischem Experten: Wie die Wissenschaft den SARS-Erreger identifizierte.

Von den ursächlichen Mechanismen, die hinter Lebererkrankungen stecken, zu immunologischen Abläufen, welche zur Atherosklerose beitragen - bis hin zur Ribonukleinsäure (RNA), die als Erbsubstanz oft im Schatten der DNA (Desoxyribonukleinsäure) steht:

Die österreichischen Spitzenforscher

  • Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Medizinischen Universitätsklinik in Graz)
  • Univ.-Doz. Dr. Norbert Leitinger vom Institut für Gefäßbiologie und Thromboseforschung der Universität Wien
  • Univ.-Prof. Dr. Ronald Micura (Institut für Organische Chemie der Universität Innsbruck)

erhielten am Freitag (30. Jänner) am Novartis Forschungsinstitut (NFI) Wien den Novartis Preis 2003. Es handelt sich dabei um eine der traditions- und prestigereichsten Auszeichnungen für österreichische Wissenschafter auf dem Gebiet der "Life Sciences".

Jagd nach dem SARS-Erreger

In seinem Festvortrag schilderte der niederländische Experte Univ.-Prof. Dr. Albert Osterhaus vom Erasmus Medical Center in Rotterdam, wie er und seine Mitarbeiter als Teil eines von der WHO beauftragten internationalen Teams im Frühjahr 2003 ein Corona-Virus als Ursache für das vor kurzem wieder aufgetauchte Severe acute respiratory syndrome (SARS, Schweres akutes Atemwegssyndrom, Übers.) identifizierten.

Osterhaus: "Den Erregernachweis haben wir nach den klassischen Postulaten für einen solchen Nachweis von Robert Koch (1843 bis 1910, Anm.), aber unter Verwendung der modernsten Methoden, durchgeführt." Dafür werden seit den Zeiten der "Mikrobenjäger" verlangt:

  • Mikroskopischer Nachweis im Probenmaterial von Patienten.
  • Kultivierung des Krankheitserregers im Labor.
  • Infektion von geeigneten Versuchstieren. Bei ihnen müssen ähnliche Symptome wie bei den Patienten nachzuweisen sein.

Der niederländische Experte: "Wir haben klinische Proben und Proben nach Autopsien von 436 SARS-Patienten aus sechs Ländern auf Corona- und andere Viren untersucht. Dann haben wir vier Makaken-Affen mit dem Corona-Virus infiziert und entsprechende Gewebeuntersuchungen vorgenommen." Das Ergebnis war eindeutig. Das auch unter dem Elektronenmikroskop sichtbare Virus, das bei den Affen ähnliche Krankheitserscheinungen wie beim Menschen verursachte, ruft die Erkrankung beim Menschen hervor.

Galle-Transportsysteme der Leberzellen

Univ.-Prof. Dr. Michael Trauner (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie an der Universität in Graz) wurde für Arbeiten zur Aufklärung zentraler Funktionen der Leber mit dem Novartis Preis 2003 für Medizin ausgezeichnet.

Der Hintergrund: Akute und chronische Leberentzündungen (Hepatitis), Fettleber, Leberzirrhose - in vielen Fällen sind an diesen Krankheitsbildern Störungen hepatobiliärer Transportsysteme ("Galletransporter") für Gallensäuren, den Gallenfarbstoff Bilirubin, Cholesterin, Medikamente, Umwelttoxine bzw. andere Stoffe beteiligt. Hier spielen spezielle Transportproteine eine wichtige Rolle.

Der Fachmann: "Störungen können zum Beispiel zur Gelbsucht führen, sie stecken aber auch hinter angeborenen oder erworbenen Stoffwechselleiden, tragen zur Atherosklerose bei oder rufen unerwünschte Arzneimittelreaktionen hervor."

Der Wissenschafter konnte unter anderem nachweisen, dass toxische Substanzen und Entzündungsbotenstoffe zu einer starken Reduktion der zelleigenen Produktion von Gallensäuren- und Bilirubin-Transportproteinen führt. Das ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung einer Gelbsucht. Die Forschungen haben auch bereits zu neuen Ansätzen für die Entwicklung von Therapien geführt.

Immunologie, freie Radikale und Atherosklerose

Den Novartis Preis 2003 für Biologie erhielt Univ.-Doz. Dr. Norbert Leitinger vom Institut für Gefäßbiologie und Thromboseforschung der Universität Wien. Er erforscht jene immunologischen und entzündlichen Abläufe, die in Gefäßwänden an der Atherosklerose beteiligt sind.

"Bei der Atherosklerose kommt es zur Oxidation von Lipiden (Blutfette, Anm.). Diese oxidierten Lipide gelten als Risikofaktoren für die Entstehung der Gefäßverkalkung, da sie zur Freisetzung von entzündungsfördernden Botenstoffen führen", erklärte der Wissenschafter aus Anlass der Verleihung der Auszeichnung.

Leitinger wies unter anderem nach, dass Antikörper gegen die oxidierten Lipide an jenen Zellen binden, welche - durch die atherosklerotischen Prozesse geschädigt - programmierten Selbstmord (Apoptose) begehen. Solche von Antikörpern "markierte" Zellen können leichter aus dem Kreislauf entfernt werden.

Wie sehr Immunreaktionen mit Entzündungen und der Bildung von Sauerstoff-Radikalen zusammenhängen, zeigte der Wiener Wissenschafter mit seinem Team in einer in "Nature" publizierten Arbeit. Dabei wurde ein negativer Regulationsmechanismus entdeckt, der eine zu starke Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion mit Gram-negativen Bakterien bremst. Er funktioniert über die Blockade spezifischer Rezeptoren an der Oberfläche von Immun- und Gefäßzellen (Toll-like-Rezeptor 4, CD14). Geschieht das nicht, kann eine überschießende Reaktion des Immunsystems bis zur tödlichen Sepsis führen.

RNA in mannigfacher Gestalt

Die Ribonukleinsäure (RNA) - oft im Schatten des Erbsubstanzmoleküls DNA (Desoxyribonukleinsäure) - steht im Mittelpunkt jener wissenschaftlichen Arbeiten, für welche der Innsbrucker Wissenschafter Univ.-Prof. Dr. Ronald Micura (Institut für Organische Chemie) den Novartis Preis 2003 für Chemie bekam.

Die Ribonukleinsäure (RNA-Basenbestandteile: Adenin, Uracil, Cytosin und Guanin; DNA-Basenbestandteile hingegen: Adenin, Thymin, Cytosin und Guanin) ist wahrscheinlich eine evolutionsgeschichtlich ältere Form der Erbinformation als die DNA. In den vergangenen Jahren wurde die enorme funktionelle Bedeutung von sehr kleinen RNA Molekülen erkannt. Sie sind für das spezifische Stilllegen von Genen in den unterschiedlichsten Organismen verantwortlich.

Im Speziellen beschäftigt sich Micura mit zwei Forschungsgebieten:

  • Ribosomale Translation, also das Umsetzen der RNA-Information durch die "Proteinfabriken" der Zelle (Ribosomen) in die codierten Eiweißstoffe (Proteine).
  • Faltung der RNA (zwei- und dreidimensionales Aussehen, das die mannigfaltige Funktion dieser Nukleinsäure entscheidend bestimmt).

Micura hat beispielsweise Modelle aus künstlich hergestellten RNA-Ketten (Oligoribonukleotide) entwickelt, mit denen man die Paarungseigenschaften von Codon- und Anticodon-Komplexen untersuchen kann. Seine Arbeitsgruppe entwickelt durch künstliche Modifikationen RNA-Moleküle, die als "chemische Schalter" dienen können und deren Aussehen solche Moleküle steuerbar gemacht werden sollen. Spezielle Synthesemethoden sollen auch dabei helfen, die 3D-Struktur von RNA-Molekülen durch Röntgenstruktur-Analysen leichter bestimmbar zu machen.

Der NFI-Preis - Auszeichnung für herausragenden wissenschaftlichen Fortschritt

Der Novartis-Preis wird seit der Gründung des Wiener Forschungsinstituts im Jahre 1970 vergeben. Diese mehr als 30-jährige Tradition spiegelt die Verpflichtung seitens Novartis für herausragende wissenschaftliche Forschung wider, die zugleich auch die Grundlage für die Entdeckung und Erforschung innovativer und kompetitiver Arzneimittel darstellt. Der Novartis Preis ist gesamt mit 30.000,-- Euro dotiert und wird in den Kategorien Biologie / Biochemie, Chemie und Medizin vergeben.

Die österreichische Novartis Gruppe ist in allen Kerngeschäftsbereichen mit eigenständigen Unternehmen tätig, beschäftigt rund 3000 MitarbeiterInnen und erzielte 2002 einen Umsatz von EUR 1,254 Mrd. Der Exportanteil beträgt insgesamt 85% Prozent, wobei das Exportgeschäft insbesondere für die Bereiche Generics (Sandoz GmbH in Tirol) und Tiergesundheit eine zentrale Rolle spielt. Die jährlich in Österreich getätigten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen belaufen sich auf über EUR 130 Mio. / http://www.novartis.at

Die Novartis AG (NYSE: NVS) ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Pharma und Consumer Health. Im Jahr 2003 erzielte der Konzern einen Umsatz von USD 24,9 Milliarden und einen Reingewinn von USD 5,0 Milliarden. Der Konzern investierte rund USD 3,8 Milliarden in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 78 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 140 Ländern. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.novartis.com.

Bildnachweise: http://www.novartis.at/news/fotoarchiv

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