DER STANDARD-Bericht "Frauen drohen höhere Prämien von 340 Millionen Euro"

Wenn gleiche Versicherungstarife für Frauen und Männern kommen - Claudia Ruff - Ausgabe vom 30.1.2004

Wien (OTS) - Geht es nach der EU, die von den Versicherungen Unisexprämien fordert, dann zahlen Frauen in einem Zeitraum von zehn bis 25 Jahren um 340 Mio. Euro mehr, zitierte der Chef der Wiener Städtischen, Günter Geyer, eine noch nicht veröffentlichte Studie des Versicherungsverbandes. Derzeit zahlen Frauen aufgrund der höheren Lebenserwartung zwar höhere Prämien in der Lebensversicherung. In der Risikoversicherung (Ablebensversicherung), der Unfallversicherung und zum Teil in der Kfz-Versicherung aber weniger als Männer.

Weil bei einer Gleichstellung nicht automatisch auch die Leistungen steigen, wird befürchtet, dass die Erhöhung den Versicherungen zusätzliche Einnahmen verschafft. Dem entgegnet der Versicherungsverband, dass sich an den Rückstellungen bzw. am Deckungsstock nichts ändert. "Man muss die Prämie erhöhen, um eine für das Risiko relevante Rückstellung bilden zu können", so die Auskunft. Die Studie kommt zum Schluss, dass die Prämienerhöhung den Versicherungen keinen zusätzlichen Gewinn bringt, denn "die Verschlechterung im Verhältnis zwischen Prämie und Versicherungsleistung wird durch eine Erhöhung der Gewinnbeteiligung kompensiert". Geyer: "Es gibt sachliche Gründe für die unterschiedlichen Prämien, und der Ausgleich muss mathematisch gefunden werden. Die Frauen haben so viele Vorteile: Sie sind schöner, attraktiver als die Männer und leben auch noch länger, da darf’s auch mehr Prämie kosten."

Etwas süffisant verwies Geyer darauf, dass die Städtische "seit Jahrzehnten mit dem Wiener Verein bereits Partnertarife aufgelegt" hat. Der Wiener Verein ist eine Begräbniskostenversicherung, die sich auch um Grabpflege und ganz generell um Bestattungsvorsorge kümmert.

Rekordwachstum

Die Wiener Städtische mauserte sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren zum größten internationalen Arbeitgeber in Osteuropa. Im Vorjahr wurde erstmals in der Geschichte ein zweistelliges Wachstum verzeichnet. Die Gesamtprämien im Konzern summierten sich auf 3,8 Mrd. Euro. Davon kommen 1,1 Mrd. Euro bereits aus den Töchtern in 13 Ländern Zentral- und Osteuropas. Die östlichen Töchter steuern bereits zehn Mio. Euro zum Ergebnis der Gruppe bei. In Österreich betrug das Ergebnis im Vorjahr 30 Mio. Euro. Im Konzern (inklusive Osteuropa) wird es bei 40 bis 45 Mio. Euro liegen. Aufgrund der guten Zahlen will Geyer die Dividende für Vorzugsaktionäre von 2,2 Euro je Aktie auf drei Euro anheben.

Ähnlich optimistisch wie 2003 ist die Städtische auch für heuer: In Österreich wird ein Ergebnis von 40 Mio. Euro erwartet, im Konzern gar 50 Mio. Euro. Osteuropa bleibt eindeutig der Wachstumsmarkt:
Heuer und nächstes Jahr werden bei den Töchtern in den Nachbarstaaten 80 Mio. Euro in Form von Kapitalerhöhungen investiert. Da sind Zukäufe noch gar nicht dabei, betonte Geyer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Sollte der Finanzminister die steuerlichen Voraussetzungen schaffen, will die Städtische 2005 oder 2006 die Vorzugsaktien in Stämme umwandeln und gleichzeitig eine Kapitalerhöhung platzieren.

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