Wirtschaftsblatt Kommentar: "Trau' niemals einer Standort-Studie" von Daniela Friedinger

Wien (OTS) - Gerade noch trugen wir die Brust vor Stolz
geschwellt, schon wird uns jählings Bescheidenheit abverlangt. Nicht auf Platz drei sind wir vorgerückt, was die Fortschritte zur Erreichung der Lissabon-Ziele innerhalb der EU-15 anbelangt. Nein, was uns die Regierung in der Vorwoche mittels Studie weis machen wollte, ist Unsinn. Der Standort Österreich hat sogar Rückschritte verbucht und das gleich bei der Hälfte der 14 für das Standortranking herangezogenen Indikatoren. Forschritte gab es nur bei Forschung und Produktivität.

Das behauptet zumindest Wifo-Experte Ewald Walterskirchen, und untermauert es ebenfalls durch eine Studie. Da werden Erinnerungen an andere Länderrankings wach und das Misstrauen gegen solche Erhebungen steigt. So hat eine Vielzahl von Studien die effektive Körperschaftssteuer (KöSt) untersucht. Die Ergebnisse könnten unterschiedlicher nicht sein. So wird von der Regierung stets der EU-Vergleich bemüht, wenn es um die Darstellung der geringen Arbeitslosigkeit geht. Innerösterreichisch steigt sie dennoch stetig an, und selbst der gute EU-Platz ist zum Teil durch Frühpensionierungen, geringe Frauenbeschäftigung und ähnliches erkauft.

In der erst dieser Tage von Wirtschaftsminister Bartenstein präsentierten Studie, wonach die Überlebenschance von Jungunternehmern in Österreich höher als anderswo sei, ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt beiseite gelassen: Die Untersuchung verschweigt, dass wegen der niedrigen Selbständigenquote die Zahl der gescheiterten Gründer in Österreich gar nicht hoch sein kann. Der Appell kann daher nur lauten: Trau niemals einer Standort-Studie. Unternehmen brauchen sie zur Überlegung, ob sich eine Investition lohnt, ohnehin nicht. Den meisten ist auch so bewusst, dass Österreich bei der Qualifikation der Arbeitskräfte, der Produktivität und trotz einiger Streiks im Vorjahr beim sozialen Frieden gute Karten hat. Auch wissen sie, dass es in Sachen High-tech Nachholbedarf gibt, dass Österreich bei den Lohnnebenkosten teuer ist. Einzig in der Politik werden Standort-Rankings gerne heran gezogen. Zum Beispiel, um die Senkung der KöSt zu argumentieren. Doch so wichtig diese Steuererleichterung zum Aufputz des Standorts sein mag auch hier stimmt der Gegenbeweis: Denn gar nicht so wenige Betriebe zahlten schon bisher keine KöSt. Sie fanden Schlupflöcher, die die plakativen Ländervergleiche auch bei der KöSt Lügen strafen.

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