"Wir bringen keine Menschenopfer" - DER STANDARD-Interview mit CA-BA Zentralbetriebsratschefin Hedwig Fuhrmann

von Renate Graber - Ausgabe vom 29.1.2004

Wien (OTS) - Die Zentralbetriebsratschefin der Bank Austria Creditanstalt, Hedwig Fuhrmann, nimmt den Personalabbauplan des neuen Vorstands nicht hin. Den Grund für ihre Kampfeslust beschreibt sie im Gespräch mit Renate Graber.

der Standard: Auf Ihre Mitarbeiter warten harte Zeiten: Der neue Vorstand will 1400 Leute abbauen, Sie sind dagegen. Gefährdet man nicht die Bank, wenn man sich gegen Rationalsierungen wehrt?

Fuhrmann: Es ist nicht automatisch eine Gefährdung, wenn man etwas, was jemand von einem will, nicht tut. Wenn da und dort Rationalisierungen und Synergien drin sind, spricht nichts dagegen, die zu heben. Aber der Mitarbeiterabbau, der uns via Medien ausgerichtet wurde, ist nicht machbar, das wären ja noch einmal 13 Prozent Leute weniger. Wir haben seit dem Zusammengehen mit der CA vor sechs Jahren mehr als 4500 Leute abgebaut, unsere Mannschaft ist an ihrer Belastungsgrenze angelangt.

Standard: Sie sehen null Verhandlungsspielraum?

Fuhrmann: Wir haben weder Plan noch Konzept des Vorstands auf dem Tisch, und daran ist nicht die Post schuld. Zuerst brauchen wir Konzepte, dann wird sich zeigen, ob und wo Ressourcen frei werden, Umschichtungen möglich sind. Wir können ja nicht Leute auf die Straße setzen.

Standard: Sie fürchten Kündigungen?

Fuhrmann: Betriebsbedingte Kündigungen schließen wir definitiv aus. Zu Menschenopfern sind wir nicht bereit.

Standard: Sie wehren sich gegen ein flexibleres Dienstrecht. Haben Sie sich in Privilegiendenken einbetoniert, sind Definitivum und automatische Gehaltssprünge alle zwei Jahre nicht anachronistisch?

Fuhrmann: Aber nein, im Übrigen haben wir ja schon sehr viel modernisiert, flexibilisiert und umgesetzt. Sparkassen- und Bankenkollektivvertrag sind in etwa gleichwertig, trotz Definitivum und Biennien. Bleiben wir doch bei den Fakten: Die BA-CA ist die Perle des HVB-Konzerns und wir wollen natürlich weiterhin ambitioniert und erfolgreich sein. Wenn man uns lässt, stimmt das Ergebnis und - gleichsam als "wichtiges Nebenprodukt" - bekommt der Eigentümer seine Rendite und Dividende.

Standard: Im Vorstand bringt man Ihren Kampfesmut mit den Betriebsratswahlen im Herbst zusammen.

Fuhrmann: Dafür ist das Thema viel zu wichtig. Ich würde nie den Vergleich ziehen, dass der Vorstand an seine Vertragsverlängerung 2005 denkt.

ZUR PERSON:

Hedwig Fuhrmann, 50, ist seit 1994 Chefin des Zentralbetriebsrats der BA-CA.

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