"Oberstes Ziel sind 13 Prozent Rendite" - DER STANDARD-Interview mit BA-CA-Chef Erich Hampel

von Michael Moravec - Ausgabe vom 29.1.2004

Wien (OTS) - Seit Wochenbeginn ist Erich Hampel Chef der Bank Austria Creditanstalt. Michael Moravec sprach mit ihm über Ziele und Ausrichtung von Österreichs größtem Geldinstitut und den überraschenden Wechsel an der Spitze.

Standard: Herr Generaldirektor, Sie haben mit einem neuen Fünfjahresvertrag Karl Samstag an der Spitze der Bank Austria Creditanstalt ersetzt. Wie soll die BA-CA in fünf Jahren aussehen?

Hampel: Mein Vertrag läuft nur bis März 2005. Ich gehe davon aus, dass der Tradition des Hauses entsprechend sechs bis acht Monate vor Ablauf diskutiert wird, wie es weitergeht. Aber natürlich habe ich Pläne, die über dieses Datum hinausgehen. Klares Ziel in den nächsten Jahren ist es, die Nummer eins in Osteuropa zu werden und die Position in Österreich intensiv auszubauen. Oberstes Ziel ist dabei das Versprechen, dass wir unseren Aktionären gegeben haben: bis 2006 eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent zu erreichen.

Standard: Welche Maßnahmen sind dafür notwendig?

Hampel: Wir müssen unser Wachstum in Osteuropa beschleunigen und damit die Erlöse verbessern und natürlich auch Synergien heben. Bisher haben wir unsere Osttöchter wie Beteiligungen geführt. Diesen Ansatz werden wir aufgeben. Die Verschränkung muss enger werden, einzelne Abteilungen und vor allem die Produktentwicklung müssen zentral zusammengeführt werden - beispielsweise wickeln wir in Tschechien den Kreditkartenbereich für zwei andere Länder ab.

Standard: Benötigen Sie für den großen Ostmarkt einen Partner? Aus München werden Ideen kolportiert, eine weitere Bank in eine Ostholding aufzunehmen, da die Bank Austria zu klein sei.

Hampel: Nein, wir benötigen keinen Partner. Die Möglichkeit, jemanden hereinzunehmen, gibt es, aber nichts ist aktuell. Wir werden organisch wachsen und nach Akquisitionen Ausschau halten.

Standard: Die Ertragskraft der BA-CA im Inland ist - wie auch bei Konkurrenzunternehmen - eher bescheiden. Die vielen Fusionen in den vergangenen Jahren haben in Österreich zumindest am Filialsektor zu keiner merkbaren Veränderung geführt. In Österreich kommen nach wie vor im Schnitt rund 1500 Einwohner auf eine Bankfiliale, während Studien meinen, zumindest 3000 Kunden wären betriebswirtschaftlich notwendig.

Hampel: Die Fusionen in unserem Bereich - also Zentralsparkasse und Länderbank zu Bank Austria, dann Bank Austria mit der Creditanstalt -haben gut funktioniert. Alle Synergien sind gehoben, unser Filialnetz wurde von 700 auf 400 reduziert. Dennoch können wir nicht stehen bleiben. Dass der geplante Personalabbau von 11.400 auf 10.000 jetzt so viel Wirbel macht, verwundert mich. Das ist doch alles schon seit Sommer bekannt. Und zu den Verhandlungen um das Dienstrecht: Viele Dinge da (automatische Gehaltsvorrückungen, Quasipragmatisierungen, Anm. d. Red.) gehören einfach nicht mehr ins 21. Jahrhundert.

Standard: Ist auch eine Expansion in Österreich noch denkbar? Dem Vernehmen nach hat es Gespräche zwischen HypoVereinsbank und Bayerischer Landesbank über die Minderheit an der Bawag gegeben.

Hampel: Die Frage stellt sich nicht. Wir investieren unsere Mittel in die Ostexpansion.

Standard: Wie definieren Sie nach den Ereignissen um die Schoellerbank - München warf Wien vor, bei Verkaufsverhandlungen vorgeprescht zu sein - das Verhältnis der Bank Austria zur Mutter HypoVereinsbank?

Hampel: Das Verhältnis zur HVB ist klar. Die strategischen Richtlinien - wir nennen es "Leitplanken" - kommen aus München. Innerhalb dieser Grenzen bewegen wir uns als Kompetenzzentrum.

Standard: Wann wurden Sie gefragt, ob Sie Chef der Bank-Austria-Gruppe werden wollen?

Hampel: Das ging alles sehr schnell. Gerhard Randa hat mit mir Ende Dezember, Anfang Jänner erstmals darüber gesprochen.

ZUR PERSON:

Dr. Erich Hampel, am 25. Februar 1951 in Wien geboren, begann seine Karriere nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften im Jahr 1975 bei der Citibank. 1977 trat er in die P.S.K. ein.
Am 1. Februar 1996 löste er den langjährigen Gouverneur Kurt Nößlinger als Chef ab. Im Mai 1997 wechselte er an die Spitze der CA. Seit der BA-CA-Fusion war Hampel Vorstandsmitglied, seit Montag ist er Generaldirektor der Bank-Austria-Gruppe.

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