Khomeini-Nachfolger im NEWS-Exklusivinterview

Montazeri: "Die Menschen wollen das Ende der Unterdrückung"

Wien (OTS) - NEWS traf den einst als Khomeini-Nachfolger vorgesehenen ranghöchsten Kleriker des Iran, Großajatollah Hossein Ali Montazeri, in seinem Haus in Qom. Schon vor Veröffentlichung sorgte dieses Interview im Iran für Aufsehen: Die iranische reform-orientierte Zeitung "Yas-e-Nou" berichtete schon am Sonntag darüber, dass in "einem österreichischen Magazin" ein Interview mit Montazeri erscheinen wird.

Montazeri, der 1989 wegen Kritik an Menschenrechtsverletzungen als Nachfolger von Ayatollah Khomeini durch Ayatollah Ali Chamenei ersetzt wurde, ist ein Dorn im Auge der herrschenden Theologen. Im Interview mit NEWS übt Montazeri scharfe Kritik am Wächterrat. Dieser überschreite seine Kompetenzen im Streit mit den reform-orientierten Parlamentariern: "Im Gesetz ist nur von Wahlaufsicht die Rede, nicht von derart schwerwiegenden Eingriffen. ... Um freie Wahlen zu garantieren, sollte der Wächterrat, dessen Mitglieder von Imam Khomeini bestellt worden waren, das Innenministerium in seinen Wahlvorbereitungen kontrollieren. Eine Auswahl der Kandidaten war niemals vorgesehen."

Montazeri bezweifelt, dass die am 20. Februar stattfindenden Wahlen unter den derzeitigen Bedingungen legitim sind: "Wahlen sind nur dann legitim, wenn es dem Volk frei steht, seine Repräsentanten selbst zu wählen. Die Menschen kennen die Kandidaten ihres Wahlkreises besser als ein paar Mitglieder des Wächterrates, die in Teheran wohnen und über die Kandidaten eines anderen Wahlkreises entscheiden sollen."

Montazeri zeigt sich im Gespräch verbittert über das Ergebnis der islamischen Revolution, die sich am 11. Februar zum 25. mal jährt:
"Wenn ich heute, 25 Jahre nach der Revolution, zurückdenke, dann muss ich sagen, dass die Versprechungen, die wir damals dem Volk gemacht haben, nicht erfüllt wurden. ... Die Menschen wollten nicht einen Despoten - den Schah - durch den nächsten ersetzen. Sie wollten das Ende der Unterdrückung. Diese gibt es noch immer. Deshalb ist das Volk enttäuscht. Die Menschen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können. Niemand darf mehr über dem Gesetz stehen."

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