Pröll: Neueste Forschungen belegen - Klimawandel in Österreich markant

Erste Ergebnisse des 2002 gestarteten Forschungsprojektes StartClim vorgestellt

Wien (OTS) Extreme Wetterereignisse haben in den Sommermonaten 2002 und 2003 zu Überschwemmungen und Dürren geführt. Die Forschungsergebnisse der österreichischen Klimaforschungsinitiative "AustroClim" belegen, dass sich das Klima in Österreich verändert. Neben der Forcierung der Klimaforschung ist es daher wichtig, konsequent an der Umsetzung der österreichischen Klimastrategie weiter zu arbeiten. Im heurigen Jahr 2004 stellen Klimaschutzmaßnahmen einen klaren Schwerpunkt in der Ressortarbeit dar. Dies erklärte Umweltminister Josef Pröll im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer, der wissenschaftlichen Leiterin von StartClim, Helga Kromp-Kolb, und dem Geschäftsführer des Umweltbundesamtes, Georg Rebernig.****

Klimaforschung ist eine wichtige Basis für politische Entscheidungen. Es geht dabei vor allem um die Erforschung der Risiken, die mit dem Klimawandel Hand in Hand gehen. Wir müssen Bedrohungspotenziale und die ökologischen, finanziellen und sozialen Folgen wetterbedingter Katastrophen besser abschätzen können und auf Basis wissenschaftlich fundierter Entscheidungsgrundlagen entsprechende Schutzmaßnahmen optimieren und Anpassungsmaßnahmen in verschiedenen Sektoren initiieren, führte Pröll weiter aus.

Um Österreichs Klimaforschung zu forcieren, haben Umweltministerium, Umweltbundesamt, Wirtschaftsministerium, Wissenschaftsministerium sowie Nationalbank und Hagelversicherung im Jahr 2002 nach der Flutkatastrophe gemeinsam 500.000 Euro als Startfinanzierung für Start-Clim 2003 - das erste Projekt der Klimaforschungsinitiative AustroClim bereitgestellt. Inzwischen wurde in das Projekt durch die Dürreereignisse des letzten Sommers erweitert und auch die Finanzierung weitergeführt.

Darüber hinaus wird ein langfristiges Forschungsprogramm "proVision" installiert, das vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung bereits empfohlen wurde, kündigte Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer an. Dieses Programm hat die Säulen Nachhaltigkeit, globaler Wandel/Klimawandel sowie sozioökonomische und politische Rahmenbedingungen. Damit kann das Themenfeld Klimawandel mittelfristig auf eine breitere finanzielle Basis gestellt werden.

Parallel zur Klimaforschung geht es auch um konkrete Maßnahmen für die Erhaltung unserer kostbaren Natur und von sauberer Luft. Dazu wird derzeit bereits eine Reihe von Initiativen umgesetzt, andere sind in Ausarbeitung:

  • In der Umweltförderung im Inland besteht ein klarer Schwerpunkt im Bereich Klimaschutz;
  • das JI/CDM-Programm für den Ankauf von Emissionsreduktionen aus Klimaschutzprojekten im Ausland hat bereits gestartet;
  • das Ökostromgesetz und die Einspeiseregelungen für Strom aus erneuerbaren Energien sind ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaziele;
  • die Deponieverordnung, mit der eine maßgebliche Reduktion der Methanemissionen aus der Abfallwirtschaft erzielt wird, wird seit Beginn des heurigen Jahres umgesetzt;
  • das Road-Pricing für LKW gilt ebenfalls seit Beginn des heurigen Jahres;
  • die Anhebung der Energieabgaben und die Einführung der Kohleabgabe Anfang 2004 wird ebenfalls zu mehr Energieeffizienz beitragen;
  • das Emissionshandelssystem für Industrie- und Energieerzeugungsanlagen ist in intensiven Verhandlungen:
  • die Reformierung der Wohnbauförderungssysteme der Länder, die zu einer stärkeren Berücksichtigung von Energieeinsparungen und erneuerbaren Energien führt, ist ebenfalls bereits in konkreten Verhandlungen und
  • die Beimischung von Biokraftstoffen ist im Rahmen der Umsetzung des mit der OMV und dem ÖAMTC vereinbarten 5-Punkte-Programms für umweltfreundlichen Verkehr ebenfalls Thema von konkreten Gesprächen.

Ein wichtiger Punkt ist aber auch die Bewusstseinsbildung. Klimaschutzmaßnahmen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie nicht nur in Gesetzen und Verordnungen festgeschrieben werden, sondern wenn die Menschen bereit sind, Klimaschutzziele auch zu leben. Jeder Einzelne kann und muss einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, im täglichen Leben, beim Einkaufen, beim Autofahren, beim Heizen, bei der Urlaubsplanung oder beim Wohnbau. Wenn das gelingt, dann werden wir erfolgreich sein, appellierte Pröll an das hohe Umweltbewusstsein der Österreicherinnen und Österreicher.

Das Klima ändert sich - erste Forschungsergebnisse von StartClim

Erste Forschungsergebnisse von StartClim bestätigen, dass sich Österreichs Klima verändert. Die Analyse der Temperaturreihe seit 1950 am Standort Wien Hohe Warte zeigt, dass das tägliche Temperaturmaximum der Sommertage um rund 2 °C im Vergleich zum Zeitraum 1900-1950 gestiegen ist. Die Anzahl der Tropentage (über 30 °C Tagesmaximum) wird sich mehr als verdoppeln, so das Szenario für die nächsten 25-50 Jahre. Die Frosttage (unter 0°C Tagesminimum) nehmen jedoch nicht im selben Ausmaß ab, sondern verringern sich nur um wenige Prozent. Extremverhältnisse werden also häufiger.

Aufgrund des Vergleiches der Versicherungssysteme für Katastrophenereignisse in Österreich mit denen von Deutschland, Frankreich, Schweiz, Spanien, Türkei und den USA wurden Vorschläge für die dringend notwendige Verbesserung des Risikotransfersystems (Katastrophenfonds, Versicherungen, etc.) in Österreich erarbeitet.

Die Analyse des Hochwassers 2002 und seiner Folgen erbrachte z.B. einen Vorschlag für eine einheitliche Methode der Schadenserhebung. Die so ermittelten Daten können unmittelbar für volkswirtschaftliche Analysen genutzt werden. Es wurde aufgezeigt, dass Bildungsarbeit erforderlich ist, um beim Wiederaufbau nach Katastrophen Chancen zur Risikominimierung besser zu nutzen. Weiters wurden Fortschritte in Richtung meteorologischer Prognoseverbesserungen für extreme Niederschlagsereignisse erzielt, führte Helga Kromp-Kolb aus. Weitere Ergebnisse hierzu werden von dem Projekt FloodRisk (Hochwasseranalyse 2002) gegen Ende des heurigen Jahres erwartet.

Aus den Aktivitäten in 2003 ist auch MEDEA (Meteorological Extreme event Data information system for the Eastern Alpine region), ein Informationssystem für alle Daten im Zusammenhang mit Extremwetterereignissen hervorgegangen.

Besonderes Anliegen war StartClim der Brückenschlag zwischen Wissenschaft und Bildung: Schüler und Schülerinnen konnten aktiv an der Datenerhebung mitwirken und erhielten praktischen Einblick in die Methoden der Wissenschaft. Sie öffneten ihrerseits den Forschern den Blick für die Fragen und Probleme der Öffentlichkeit.

Erforschung der Folgen von Hitze und Dürre

Die Hitze- und Dürreperiode im Sommer 2003 gab den Ausschlag, StartClim heuer einen neuen Forschungsschwerpunkt zu geben. Das Auftreten von Hitze und Dürre in Vergangenheit und Zukunft sollen analysiert und die Auswirkungen dieser Wetterextreme auf verschiedene Wirtschaftsfaktoren, wie Landwirtschaft, Gesundheit und Energiewirtschaft näher untersucht werden. Daraus sind gezielte Handlungsgrundlagen und Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln, "da in Zukunft häufiger mit extremen Wetterbedingungen zu rechnen ist", so die Klimaexpertin Helga Kromp-Kolb.

Für den Sektor Landwirtschaft sollen Methoden zur besseren Analyse der Auswirkungen von Dürre bzw. möglichen Anpassungsmaßnahmen erarbeitet werden. Von der Wasserwirtschaft ausgehend, werden die Bereiche Trinkwasser, Energieversorgung und Transport (Schifffahrt) untersucht. Im Gesundheitssektor stehen vor allem für den städtischen Bereich die Auswirkungen des letzten Sommers und notwendige Anpassungen für künftige Hitzesommer im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Betrachtungen.

Auch StartClim 2004 setzt auf die Kooperation von Bildung und Wissenschaft. Das Informations-System MEDEA wird 2004 weiter ausgebaut und soll für alle österreichischen Klimaforscherinnen und -forscher als fundierte Datengrundlage geöffnet werden.

Zusammenarbeit zahlreicher Institutionen

Die wissenschaftliche Leiterin von StartClim, Prof. Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur, koordinierte 2003 die 17 Teilprojekte der fast 20 österreichischen Institutionen, darunter ARC Seibersdorf research, BOKU (Univ. f. Bodenkultur), IIASA (International Institut for Applied Systems Analysis), IFF (Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung), Karl-Franzens-Universität Graz, Umweltbundesamt, Universität Wien, WiFo (Österr. Institut f. Wirtschaftsforschung), ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) - insgesamt 50 österreichische Forscherinnen und Forschern. Die administrative Projektkoordination lag beim Umweltbundesamt. "Das Umweltbundesamt dient als wichtige Schnittstelle zwischen Klimaforschung, Politik und Verwaltung. Damit spielt das Umweltbundesamt eine Schlüsselrolle, denn insbesondere die Klimafolgenpolitik und die notwendigen Anpassungsstrategien müssen auf einer fachlich fundierten Grundlage basieren" so Geschäftsführer Georg Rebernig. Die bewährte Kooperation soll in StartClim 2004 fortgesetzt werden.

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