OeNB - Tobin-Steuer:

~ Gouverneur Dr. Liebscher mahnt zur Zurückhaltung - Tobin-Steuer würde dem Finanzplatz Europa schaden ~

Wien (OTS) - Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank,
Dr. Klaus Liebscher, mahnte anlässlich der jüngst aufgeflammten Diskussionen über eine Besteuerung von Devisenmarkttransaktionen ("Tobin Tax") zur Finanzierung des EU-Budgets zu Besonnenheit und Zurückhaltung. Die Wirtschaftspolitik sei generell nicht gut beraten, derartige Überlegungen opportunistisch und unreflektiert vorzuschlagen. Eine Besteuerung von Finanzströmen ("Tobin-Steuer") würde dem eben im Aufbau befindlichen integrierten Finanzplatz Europa schaden. "Der Binnenmarkt, der Euro, die Lissabon-Strategie - all dies zielt darauf ab, einen europäischen Finanzmarkt zu schaffen, der Finanzdienstleistungen für Sparer und Kreditnehmer verbilligt. Eine Tobin-Steuer bewirkt das Gegenteil. Sie bringt Sand in das Getriebe der Finanzmärkte, schreckt Investitionen ab, beeinträchtigt das Wirtschaftswachstum und gefährdet Arbeitsplätze. Die internationalen Investoren würden aus Europa abwandern. Die Einführung einer Tobin-Steuer wäre ein Experiment mit nicht quantifizierbaren Risiken", führte der Gouverneur aus.

Im Übrigen seien die steuerlichen Einnahmenerwartungen überzogen, da sie die schädlichen Auswirkungen einer derartigen Steuer auf das Handelsvolumen und die Finanzmarktkurse unterschätzen und zu erwartende Umgehungen durch Finanzinnovationen nicht berücksichtigen.

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