Gusenbauer: "Jedes Kind in Österreich soll die gleichen Chancen erhalten"

Wien (SK) "Jedes Kind ist ein Juwel für unsere Zukunft, und
ich will nicht, dass die Rate der Analphabeten ständig zunimmt", so erläuterte SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" die Beweggründe für seinen Vorstoß in der Frage der Kindergärten. Man müsse sich die Frage stellen, wie man aus der Situation herauskommt, dass von 80.000 Kindern jährlich 12.000 Kinder funktionale Analphabeten und 4.000 tatsächliche Analphabeten seien. Gusenbauer stellte einen Dreistufenplan vor, von dessen Erfolg er überzeugt sei und sprach auch über die bildungspolitischen Vorstellungen der SPÖ in der Frage der Schulen und Universitäten. "Ich bin in der Frage deswegen so engagiert, weil sie die Kernfrage der österreichischen Zukunft ist", so Gusenbauer. ****

Für die erschreckenden Ergebnisse der Pisastudie gebe es, so der SPÖ-Vorsitzende, zwei Gründe: eine steigende Anzahl von Legasthenikern und die Tatsache, dass Kinder ohne Deutschkenntnisse in den Volksschulen große Nachteile haben. "Jedes Kind in Österreich soll die gleichen Chancen erhalten", forderte Gusenbauer.

Der Vorschlag der SPÖ sei ein Dreistufenplan mit den Maßnahmen, dass ein Kindergartenplatz für jedes Kind gesichert sein müsse, dass das letzte Kindergartenjahr als eine Art Vorschule genutzt werde, um den Sprung vom Kindergarten in die Schule zu verringern und dass es ein größeres Angebot an Ganztagsschulen geben müsse, damit auf individuelle Begabungen stärker eingegangen werden könne. "Mit diesen drei Maßnahmen kann die Situation verbessert werden", so Gusenbauer. Dieses Angebot gelte für alle Kinder in Österreich, auch für Kinder von Zuwanderern. Gusenbauer bekräftigte erneut, dass er sich eine Kindergartenpflicht erst dann vorstellen könne, wenn diese Maßnahmen keinen Erfolg zeigen würden. "Ich bin aber vom Erfolg überzeugt."

Zur Frage der Finanzierung von Kindergartenplätzen lobte Gusenbauer das Modell der Stadt Wien, wo durch soziale Staffelung mehr als ein Drittel der Kindergartenplätze gratis seien. Eine soziale Staffelung sei in allen Bundesländern wünschenswert, führte Gusenbauer aus, da sie das Problem der sozialen Hürde mildern würde.

Kritik äußerte Gusenbauer in dieser Frage auch an der Bundesregierung, die mit der Abschaffung der Kindergartenmilliarde, die Schuld daran trage, dass in Österreich 50.000 Kindergartenplätze fehlen.
Auch für die Schulen sei es wichtig, neue Konzepte zu überlegen. Der Vorschlag des SPÖ-Bildungssprechers Erwin Niederwieser für eine Grundschule ohne Noten und Sitzenbleiben, sei keine Erfindung der SPÖ, sondern habe sich in den erfolgreichen Ländern der Pisastudie bewährt. In einer möglichst stressfreien und angstfreien Umgebung sollten die Anlagen der Kinder entwickelt werden, wünschte sich der SPÖ-Vorsitzende.

Auf die Ergebnisse der Zukunftskommission habe man nicht mit einem, vielleicht zu erwartenden, oppositionellen Nein reagiert, sondern diese positiv aufgefasst. Mit der heutigen Situation und den durch das Minsterium frustrierten Lehrern und ohne Reform werde man nicht weiterkommen. "Die Bildung bestimmt den Reichtum des Landes in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren", so Gusenbauer, "deswegen bin ich auch bereit, hier zu kooperieren."

Die Emotionalisierung der Auseinandersetzung auf den Universitäten und die Fakten - Gusenbauer erläuterte hierbei, dass während seiner Studienzeit für 500 Studenten die selben Voraussetzungen gegeben waren, wie sie es heute für 6.000 Studenten sind - würden zeigen, dass bei dieser Reform irgendetwas nicht funktionieren könne. "Seit versucht wird, diese Reform umzusetzen, unabhängig ob sie verfassungswidrig ist oder nicht, wird es schlechter als besser", kritisierte Gusenbauer. Im Wahlkampf habe er versprochen, dass er die Studiengebühren, die eine Bildungsbarriere seien, abschaffen wolle, "zu diesem Wort stehe ich auch", so der SPÖ-Vorsitzende. (Forts.) js

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