Rede von BM Haupt anl. der Eröffnung der Dokumentenausstellung in Teheran

Wien/Teheran (OTS) - Anlässlich der heutigen Eröffnung der Dokumentenausstellung über die österreichischen - iranischen Beziehungen im "Institute for political and international studies" in Teheran durch BM Haupt auf österreichischer und dem stv. Aussenminister Ali Reza Moaaiery auf iranischer Seite hielt Bundesminister Haupt folgende Eröffnungsrede:

"Herr Vizeminister,
Herr Generaldirektor,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herrn,
verehrte Gäste des heutigen Abends!

Eine Brücke zu bauen ist leichter als eine Brücke zu erhalten". Beherzigt man auch diese Sentenz, so kann man getrost auf die Beziehungen zwischen dem Iran und Österreich blicken. Denn diese haben nicht nur trotz historisch wechselvoller Zeiten seit Jahrhunderten Bestand, sondern waren zumeist auch von großer gegenseitiger Achtung, Sympathie und guter Zusammenarbeit geprägt.

Die wunderschöne iranische Kunst und Kultur inspirierte viele europäische Künstler und Architekten, auf deren Werke wir Österreicher heute so stolz sind. Viele Spuren orientalischer Kunst sind in Europa und vor allem in Österreich allgegenwärtig. Genau diese Kunstwerke sind es, die von vielen Touristen aus allen Kontinenten alljährlich bestaunt werden.

Den Austausch an geistigen Errungenschaften haben der Iran und Österreich auf den verschiedensten Gebieten vorexerziert. So hat zB. der berühmte Barock-Architekt Johann Bernhard Fischer von Erlach nicht nur die Karlskirche nach persischem Muster gestaltet, sondern vieles mehr.

Die Karlskirche steht immerhin im innersten Zentrum unserer Hauptstadt und stellt einen der Prachtbauten Wiens dar. Die Karlskirche hat auch nachweislich nicht weniger als 200 Anleihen von persischen Vorbildern genommen.

Der kulturelle Austausch zwischen Österreich und dem Iran ist wohl der umfassendste zwischen zwei Ländern des Orients und des Okzidents.

In der Ausstellung, die ich heute ehrenvoller Weise eröffnen darf, finden wir historische Dokumente, Fotografien und Karten, die die Entwicklung der Beziehungen unserer beiden Länder eindrucksvoll dokumentieren. Die Austellung ist somit auch ein historischer Beweis für die Funktionstüchtigkeit der vielbesagten Brücke zwischen Österreich und dem Iran.

Das älteste Exponat stammt aus dem Jahre 1552 und ist ein Beispiel des diplomatischen Schriftverkehrs zwischen der Safawiden-Dynastie und den Habsburgern.

Aus der damaligen Bedrohung durch das sunnitische Reich der Osmanen gegenüber Österreich und Persien heraus beschlossen beide Länder zu kooperieren. Die Umsetzung scheiterte - historisch gesehen - an der Geschwindigkeit der Übermittlung von Dokumenten, diese historischen Zeitzeugen sind uns aber bis heute dennoch erhalten geblieben.
Die Zusammenarbeit beider Länder entwickelte sich außerordentlich positiv. Vor allem im 19. Jahrhundert vertiefte sich die Freundschaft, als Schah Nasroddin Wien nicht weniger als drei Mal besuchte.

Diese jahrhundertealte Freundschaft zwischen zwei Ländern mündete nicht zuletzt auch in der Gründung des Österreichischen Kulturinstitutes im Jahr 1956, welches die heutige Ausstellung gemeinsam mit dem Iranischen Dokumentenarchiv erstellt hat. Das Österreichische Kulturinstitut ist das einzige eines europäischen Landes, das seit seiner Gründung ohne Unterbrechung Sprachausbildung, Musikprogramme und wissenschaftliche Kooperation durchführen konnte. Ein neues Gebiet der Zusammenarbeit ist aber auch der Tourismus, der seinen gegenseitigen Höhepunkt sicherlich noch finden wird.

So versucht Österreich auch auf diese Weise nicht nur weitere Brücken zu bauen, sondern auch alte - bewährte Brücken zu erhalten und zu beschreiten.

Nicht nur die kulturelle Zusammenarbeit, sondern auch die politischen Kontakte gehen auf diesen alten und bewährten Brücken.

So ist Österreich auch ein Land, dessen Regierungschef und dessen Staatsoberhaupt die Islamische Republik Iran besucht haben. Im Falle unseres Herrn Bundespräsidenten ist es bereits das dritte Mal.

Schließlich entwickeln sich auch die wirtschaftlichen Daten hervorragend. Seit dem 19. Jahrhundert sind österreichische Firmen in Iran vertreten. Der Tresorhersteller Wertheim stellte bereits vor über 100 Jahren sein neuestes Produkt dem Persischen Shah Nasroddin vor. Austrian Airlines verbindet die beiden Länder seit Jahrzehnten. Die OMV ist im Bereich der Fördertechnik und Auffindung tätig, VA Tech, RHI, um nur einige zu nennen, sind seit langem im Iran aktiv. Eine Vielzahl von Kooperationen ist dabei entstanden. Diese Zusammenarbeit wird auch durch den Besuch des Herrn Bundespräsidenten Dr. Thomas Klestil auf einen neuen Höhepunkt zu steuern, da bin ich mir sicher. Nehmen wir die historische Basis, die Freundschaft und die Achtung unserer beiden Länder und die hervorragenden wirtschaftlichen Verflechtungen zum Anlass, auch auf persönlicher und kultureller Ebene ein großes Stück weiter zusammenzuwachsen.

Ich danke den Verantwortlichen des iranischen Dokumentenarchivs und gleichzeitig auch den Verantwortlichen unseres österreichischen Kulturinstitutes und darf die Ausstellung für eröffnet erklären!

Auf dass die Brücke zwischen dem Iran und Österreich noch sehr lange erhalten und gepflegt werden möge." (Schluss) bxf

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Generationen und Konsumentenschutz
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