"Neues Volksblatt" Kommentar: "Tücken" (Von Walter Salzmann)

Ausgabe vom 23. Jänner 2004

Linz (OTS) - =

Der Österreicher ist als gutmütiger Mensch bekannt.
Als solcher geht er (wenn man ihn nicht reizt oder ärgert) Konfrontationen eher aus dem Weg und ist auch sonst um Harmonie be-müht. (Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.)
Auch in der Politik gilt: Harmonie - sprich Zusammenarbeit - kommt bei der Mehrheit der Bevölkerung besser an als Streit, ausgewogene Kräfteverteilung wird lieber gesehen als ungleiche Machtverteilung. (Auch die Vorliebe der Österreicher für die große Koalition entspringt diesem Bedürfnis.)
Parteistrategen machen sich dieses Wesensmerkmal der Österreicher gerne zu Nutze. Auch im angelaufenen Präsidentschaftswahlkampf, in dem Heinz Fischer ganz auf Ausgewogenheit, sprich "Machtbalance" setzt. Im Klartext: Wenn schon ein schwarzer Kanzler, dann auch ein roter Präsident. Eine Argumentation, die vielen verlockend erscheint, die aber ihren Haken hat. Sollte Fischer nämlich tatsächlich gewählt werden, müsste er logischerweise bei den nächsten Nationalratswahlen dazu aufrufen, nicht die SPÖ zu wählen.
Somit: Auch "Machtbalancen" haben ihre Tücken.

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