"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Diktat aus München" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 23.01.2004

Wien (OTS) - Die wichtigen Entscheidungen fallen in der Konzernzentrale in München. Deutlicher hätte Dieter Rampl, Generaldirektor der HypoVereinsbank (HVB), nicht ausdrücken können, was lange dementiert worden ist: Die BankAustria, die aus Fusionen von Zentralsparkasse, Länderbank und Creditanstalt hervorgegangene größte österreichische Bank, ist längst nur noch eine Auslandsfiliale der Münchner HVB.
Der Anlass der Machtdemonstration des deutschen Konzernchefs ist irrelevant: Ob die Schoellerbank (wie vom BankAustria-Vorstand beabsichtigt) an die Kredietbank Luxembourg verkauft wird oder nicht (wie das Rampl mit dem starken Spruch aus der Machtzentrale München verfüt hat), macht für den Bankplatz Wien keinen Unterschied. Etwas anders sieht es schon mit der vorzeitigen Ablöse von BankAustria-General Karl Samstag aus. Der war erst vor zehn Monaten an die Spitze gekommen, sein Vertrag läuft bis Anfang 2005. Nun findet man in der Konzernzentrale in München, dass bereits jetzt der optimale Zeitpunkt für eine Wachablöse gekommen ist. Samstag darf unfreiwillig ein Jahr lang um die volle Gage spazieren gehen - es sei ihm gegönnt, weil er sich für die Bank jahrzehntelang erfolgreich "zerrissen" hat. Offenbar hat er aber das aus München verordnete Sparprogramm jetzt nicht energisch genug durchgezogen.
Die Österreich-Tochter der HVB wird damit immer deutlicher zur Melkkuh: Zuerst hat der Börsegang der BankAustria reichlich Geld in die leeren Konzernkassen gespült, nun soll durch massiven Personalabbau jenes Geld verdient werden, das die deutsche Mutterbank in den letzten Jahren in den Sand gesetzt hat.
Würden Börsegang und Sparprogramm einzig und allein der Stärkung der BankAustria und dem Ausbau ihrer hoffentlich ertragreichen Ostaktivitäten zugute kommen, wäre wenig dagegen einzuwenden. So aber soll offenbar die immer noch marode HVB finanziell herausgeputzt werden - möglicherweise für eine Fusion mit der Commerzbank. "Wir brauchen eine vernünftige Lösung in Deutschland", hat Konzernchef Rampl vor zwei Tagen beim Weltwirtschaftsforum in Davos gesagt.
Wo sind die Zeiten, da sich die Creditanstalt noch als "monetäre Visitenkarte Österreichs" bezeichnen durfte? Die BankAustria ist trotz ihres alpenländisch klingenden Namens bestenfalls der monetäre Aufputz ihrer Münchner Mutter. Seit HVB-Chef Rampl demonstrativ mit starken Worten und ebensolcher Tat durchgegriffen hat, weiß das die ganze Welt.
Die Frage, ob es der Bank und auch dem Finanzplatz Wien nicht besser bekommen wäre, hätte sie ihre Selbstständigkeit bewahrt, ist damit zur Genüge beantwortet. Als zentraleuropäische Regionalbank wäre sie ohne den Mühlstein der HVB-Probleme um den Hals wahrscheinlicher sogar erfolgreicher agieren können. Und die wichtigen Entscheidungen könnten weiter in Wien fallen statt per Diktat aus München.

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