WirtschaftsBlatt-Kommentar Nöm: Manchmal ist Reden Gold

von Michaela Lexa

Wien (OTS) - "Bisher läuft alles bestens. Es gibt unsererseits
auch kein Krisenszenario" - diese Worte von Raiffeisen-Holding NÖ-Wien-General und Nöm-Eigentümervertreter Erwin Hameseder sind knapp mehr als einen Monat alt.

Auch als es beim Nöm-Partner Parmalat in Italien schon drunter und drüber ging, immer mehr dubiose Geschäfte auftauchten und Verhaftungen durchgeführt wurden, blieb der Mehrheitsaktionär der österreichischen Molkerei cool, zumindest nach aussen hin.

Mittlerweile hat sich die Situation jedoch dramatisch verschärft. Ein Krisenszenario ist bitter notwendig geworden. Dieses sieht wie folgt aus: Zuerst wurden die Milchlieferungen gestoppt. Jetzt ist die Nöm vom Vertrag mit dem italienischen Milchriesen überhaupt zurückgetreten, die Raiffeisen-Holding will den Parmalat-Anteil wieder zurückkaufen. Da wurde ebenfalls lange gewartet, denn die Nöm-Aktien der Italiener wurden - bis der Sachverhalt geklärt ist -behördlich beschlagnahmt. Ausserdem musste Hameseder eingestehen, gegenüber Parmalat offene Forderungen in Höhe "von unter einer Million Euro" zu haben.

Somit hat sich die in der Öffentlichkeit präsentierte Einstellung der Raiffeisen-Holding zum Parmalat-Debakel innerhalb weniger Wochen um 180 Grad gedreht. Zuerst wurde versucht zu kalmieren, dann folgten erste vorsichtige Massnahmen wie das Einstellen der Lieferungen, letztendlich kam es zur kompletten Auflösung des Vertrags. Dass die Verantwortlichen bei Raiffeisen und Nöm die Misere hätten erahnen müssen, ist allerdings die falsche Schlussfolgerung.

Doch einen Vorwurf müssen sich Hameseder & Co. schon gefallen lassen: Ein Problem so lange zu keinem zu machen und herunterzuspielen, bis einen belastende Beweise dazu zwingen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen und Konsequenzen zu ziehen. Als perfektes Krisenmanagement kann man dieses Verhalten nicht bezeichnen. Die Flucht nach vorne wäre in diesem Fall wohl angebrachter gewesen. Hätte man von allem Anfang an zugegeben, dass die Krise bei Parmalat natürlich auch Auswirkungen auf den Partner Nöm hat, dann wären einem nachträgliche Eingeständnisse erspart geblieben.

Denn man darf annehmen, dass sowohl die Nöm als auch die Raiffeisen-Holding bereits beim ersten Anzeichen der Misere intern begonnen haben, gegenzusteuern. Das öffentlich zu kommunizieren ist kein Fehler, sondern zeigt ein krisenerfahrenes Management.

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