ÖVP-Wertediskussion - Lust an der Nachhaltigkeit - Wissenschafter und Experten diskutierten beim "Unkonvent" der Politischen Akademie der ÖVP über Gerechtigkeit & Nachhaltigkeit

Philosoph Schulak warnt vor Zwang zum Verzicht

Wien (OTS) - Im Rahmen der dritten Veranstaltung des "Unkonvent"
der Politischen Akademie standen gestern Abend die Werte Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt der Diskussion. Moderiert von Dr. Gisela HOPFMUELLER-HLAVAC diskutierten der Philosoph Eugen-Maria SCHULAK, Umwelt-Expertin Johanna MANG, Unternehmer Hans STAUD, Biologin Brigitte ÖMER und Nachhaltigkeitsexperte Udo SIMONIS.

Nachhaltigkeits-Guru Simonis lobt Österreich

Der deutsche Nachhaltigkeitsexperte Udo Simonis vom Wissenschaftszentrum Berlin hob zwei Strategien zur Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes hervor: Auf der einen Seite gehe es darum, effizienter zu werden und besser mit Ressourcen umzugehen. Auf der anderen Seite könne ein gutes Leben auch ein bescheidenes Leben sein. Er betont den ganzheitlichen Charakter des Nachhaltigkeitskonzeptes. Werde es nur auf die einzelnen Politikbereiche angewendet, dann werde es in Sachen Nachhaltigkeit keinen Fortschritt geben. Simonis verwies darauf, dass die Nachhaltigkeit nicht in allen Ländern so weit oben auf der Tagesordnung stehe, wie das in Österreich der Fall ist. Er hob dabei besonders den Nachhaltigkeitsrat, wissenschaftliche Materialstromanalysen und den Stellenwert erneuerbarer Energieträger hervor.

Mang: Gerechtigkeit ist ökologisch

Die Umwelt-Konsulentin und vormalige WWF-Expertin Johanna Mang betonte dabei die globale Dimension von Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. "Wir überlassen der nächsten Generation nicht mehr viel, das ist ungerecht", kritisierte sie. Nachhaltigkeit ohne soziale Gerechtigkeit sei menschenfeindlich. Gerechtigkeit, die nicht ökologisch nachhaltig sei, könne nicht funktionieren, sagte die Umweltexpertin. In vielen Entwicklungsländern herrsche das Modell der "nachholenden Entwicklung." Diese Länder dürften nicht die gleichen Fehler machten wie die industrialisierte Welt, sondern sollten sofort eine ressourcenschonende Entwicklung einleiten, forderte Mang.

Schulak: Hedonismus rentiert sich nicht

Der Philosoph Eugen-Maria Schulak setzte sich mit der persönlichen Dimension der beiden Werte auseinander. Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit seien nicht notwendiger Weise Gegenteil eines lustvollen, egoistischen Lebens. "Lust muss kultiviert werden, sonst kommt sie nicht zu Stande. Reiner Hedonismus rentiert sich auf Dauer nicht. Das Leben scheitert, wenn der Lust nicht kultiviert nachgegangen wird", sagte er. Menschen, die Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit nicht einmal versuchten, seien "nicht die Bösen, sondern die Dummen, weil sie hinsichtlich ihrer Vorteilsmaximierung die falsche Strategie haben", argumentierte der Philosoph. Seine Schlussfolgerung: Nachhaltigkeit als politisches Programm kann nur dann verständlich sein, wenn dem Adressaten klar wird, dass er sich mit bestimmten Verhaltensweisen um die eigene Lust bringt. Es sei jedenfalls leichter, sich selbst als andere zu ändern. Wolle man andere zum Verzicht zwingen, dann könne dies nur in einer Diktatur enden, warnte der Wiener Philosoph.

Staud`s nachhaltige Marmeladen-Produktion

Der Wiener Marmeladen-Hersteller Hans Staud betonte bei der ÖVP-Wertediskussion die Bedeutung einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Nachvollziehbarkeit "vom Saatgut bis zum Tisch" für seine Produkte. "Wir sind ein Klein- und Mittelbetrieb, und wir haben behalten, was unsere Väter und Vorfahren Gutes gemacht haben. Das ist bei großen Industrien abhanden gekommen", erklärte der Unternehmer die Nachhaltigkeitsstrategie seiner Ottakringer Traditionsfirma.

Hoffnungsträger Wirtschaft

Die Biologin Brigitte Ömer vom "Austria Research Center" Seibersdorf verwies auf die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit als Leitbilder. "Wir müssen uns sehr anstrengen, Nachhaltigkeit ist kein Thema für den Sonntag", sagte sie. Ihre große Hoffnung für mehr Nachhaltigkeit ist die Wirtschaft. Sie bestimme unseren Ressourcenverbrauch, von ihr gehe sozialer Wohlstand aus, argumentierte Ömer. Wichtig sei ein Strukturwandel in Richtung nachhaltiger Wirtschaft. Dafür müssten auch die Bedürfnisse hinterfragt werden, die mit einem Produkt verbunden seien, forderte sie. Zum Thema "Verzicht" sagte die Biologin, es dürfe keine Entwicklung in Richtung Ökodiktatur geben. Ömer: "Es geht um simple Substitution, es geht darum, statt Orangensaft den Marillensaft aus der Wachau zu trinken. Wir haben im Alltag soviel Entscheidungsmöglichkeiten für Nachhaltigkeit."

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