Kinderfreunde präsentieren Kinderstudie 2004: Jedes 4. Kind lebt in Armut

Jedes fünfte Kind findet, dass Hunde in Österreich besser behandelt werden als Kinder

Wien (SK) "Was gut ist für Kinder ist auch gut für Erwachsene, deswegen muss schon Kindern genügend Spielraum und Mitbestimmungsrecht eingeräumt werden. Nur, wenn Kinder ernst genommen werden, sind sie auch als Erwachsene bereit sich einzubringen", betonte Waltraud Witowetz-Müller, Bundesvorsitzende der österreichischen Kinderfreunde am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, in der die Kinderfreunde ihre aktuelle Kinderstudie 2004 präsentierten. Die Studie wartet mit zum Teil besorgniserregenden Ergebnissen auf, die stark daran zweifeln lassen, so Witowetz-Müller, dass Österreich nach den Plänen Bundeskanzlers Schüssel bis zum Jahr 2010 zum kinder- und familienfreundlichsten Land werden wird. "Die Studie zeigt ganz deutlich, dass es einen Rückschritt in der Entwicklung gibt, bedingt vor allem durch die Einsparungen im Bildungsbereich", kritisierte die Vorsitzende der Kinderfreunde. Witowetz-Müller: "Jedes vierte Kinde lebt in Armut, noch vor zehn Jahren war es 'nur' jedes fünfte Kind." ****

In der Studie, in der die Kinder auch zu ihren Ängsten befragt wurden, domminiert besonders die Angst vor schlechten Noten, was sich wiederum in der Frage "Vorsätze für das neue Jahr" manifestiert, in der Kinder an erster Stelle angeben, mehr lernen zu wollen. "Dies zeigt uns schon unter welchem Leistungdruck sich junge Menschen und Kinder befinden", so Witowetz-Müller, die darauf hinwies, dass die Maßnahmen der Regierung kontraproduktiv seien. Zu wenige Arbeits- und Lehrlingsplätze, zu hohe Klassenschülerzahlen sowie eine Stundenreduktion im Lehrplan haben den Druck auf die Kindern eindeutig erhöht und sprechen eine mehr als deutliche Sprache, kritisierte Witowetz-Müller: "Österreichweit werden jährlich mehr als 100 Millionen Euro für Nachhilfe ausgegeben."

Erschreckend ist vor allem die Tatsache, dass jedes fünfte Kind findet, dass Hunde in Österreich besser behandelt werden als Kinder und, dass Kinder von Erwachsenen eher als störend empfunden werden, so Witowetz-Müller. "Dies sagt ja schon viel über das Selbstwertgefühl von Kindern aus. Hier ist die Politik gefordert einen Nachdenkprozeß über den Stellenwert unserer Kinder in der Gesellschaft zu führen", so die Kinderfreunde-Vorsitzende.

Für die Studie der österreichischen Kinderfreunde wurden mehr als 1.000 Kinder zu ihrer Rolle in der Gesellschaft, ihren Ängsten, Wünschen und Befindlichkeiten befragt. "Als größte Familienorganisation in Österreich ist es uns wichtig, die Anliegen und Bedürfnisse von Kindern jährlich abzufragen. Nur wenn wir diese unmittelbaren Rückmeldungen haben, ist es uns möglich, für Kinder optimale Forderungen auszuarbeiten und Verbesserungen für ihre Lebenssituation zu erwirken", erklärte Witowetz-Müller.

Die Studie zeigt, dass vor allem die Beziehung zu ihren Eltern ein Thema ist, das die Kinder bewegt und für sie vorrangig ist. Nach wie vor erleben Kinder ihre Eltern in einer sehr klassischen Rollenaufteilung und vermissen dabei ihre Väter massiv. Mehr als ein Drittel der Kinder in Österreich wünscht sich, dass es mehr Zeit mit seinem Vater verbringen kann und dass dieser weniger arbeiten muss.

Nicht vergessen sollte man vor allem auch die Wichtigkeit der Väter als Identifikationsfigur und Vorbild. "Nur, wenn Kinder ihre Väter in einer gerechten Rollenverteilung erleben, werden sie auch als Erwachsene nach demselben Muster handeln", so die Vorsitzende der Kinderfreunde, die einen Vaterschutzmonat forderte, der den Vätern die Chance gibt bei vollem Lohnausgleich ein Monat nach der Geburt des Kindes zu Hause zu bleiben. Vorstellbar wäre, so Witowetz-Müller, dass sich die Wirtschaft und der Staat die Kosten dafür teilen. "Aber auch individuelle Karenzmodelle und eine Teilzeitregelung für alle Eltern, sind ein wichtiger Schritt um Kindern und Eltern ein funktionierendes Familienleben zu ermöglichen", betonte die Kinderfreundevorsitzende.

"Österreich wird hier von seinen Kindern aufgefordert, zu reagieren und Position zu beziehen. Bundeskanzler Schüssel hat angekündigt, Österreich zu einem kinderfreundlichen Land zu machen. Wir haben mit Österreichs Kindern eine Reihe von Lösungen anzubieten, um Österreich zu einem Land werden zu lassen, wo Kinderlärm nicht störender als Hundegebell ist", unterstrich Witowetz-Müller abschließend. (Schluss) rr

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