GLOBAL 2000: Fischlers Bio-Aktionsplan ohne GVO-Verbot obsolet

GVO-Verbot, solange "Koexistenzfrage" nicht EU-weit geregelt - EU-Erweiterungsphase erfordert dringend Lösung bei GVO - BILD

Brüssel/Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 fordert die Aufnahme eines Verbots von Gentech-Nutzpflanzen in den EU-Aktionsplan zur Förderung des Biolandbaus, solange die Frage eines Nebeneinanders von Gentech-Landwirtschaft und GVO-freier Landwirtschaft ungelöst ist. Im Bio-Aktionsplan der EU muss zudem eine EU-weite Nulltoleranz für die Kontamination von Saatgut mit GVO verankert werden. "Die EU steuert in die nächste EU-Erweiterungsphase, ohne das zentrale Problem der Landwirtschaftspolitik geklärt zu haben. Denn ohne eine EU-weite Regelung der sogenannten Koexistenzfrage gibt es keine Zukunft für die Bio-Landwirtschaft. Das ist völlig verantwortungslos gegenüber den Bäuerinnen und Bauern, die Landwirtschaft ohne Gentechnik betreiben wollen. Für die Biolandwirte bedeutet dies sogar das Aus", warnt GLOBAL 2000-Agrarexpertin Iris Strutzmann im Rahmen einer Protest-Aktion von GLOBAL 2000 und Friends of the Earth Europe in Brüssel. Dort findet derzeit ein Hearing zum Bio-Aktionsplan der EU statt, der die biologische Landwirtschaft und die Vermarktung von Bioprodukten fördern soll. Es ist nicht vorstellbar, wie zum Beispiel in Polen mit einer sehr kleinstrukturierten Landwirtschaft eine dauerhafte Koexistenz mit Genpflanzen möglich sein soll.

"EU-Kommissar Franz Fischler hat die heiße Gentech-Kartoffel zurück in die Hände der Mitgliedstaaten gelegt. Sich jetzt mit dem Bio-Aktionsplan in Szene zu setzen, ohne EU-weite Lösungen zur Koexistenzfrage anzubieten, ist unglaubwürdig und bietet der Biolandwirtschaft keine Zukunft", so Strutzmann weiter. Erfahrungen aus der Vergangenheit belegen, dass sich bei nationalen Lösungen immer wieder die schwächste Umweltgesetzgebung durchsetzt. "Es ist absolut fahrlässig, beim jetzigen Wissensstand den Anbau von GVO anzustreben. Wie wenig über die Umweltgefahren von gentechnisch veränderten Pflanzen bekannt ist, zeigt folgende Entwicklung. Ging man im Jahr 1999 bei Raps von einem ausreichenden Schutzabstand von 100 Metern aus, so zeigen heute Feldversuche, dass eine Auskreuzung auch noch in 26 Kilometern Entfernung möglich ist. Zwischen dieser Erkenntnis liegen gerade einmal vier Jahre, wie viel Kilometer es in Zukunft sind, kann niemand mit Sicherheit sagen", so Strutzmann. Österreich gilt in der EU als Vorreiter des Biolandbaus und ist damit besonders gefährdet. Elf Prozent der Nutzfläche werden biologisch bewirtschaftet, Tendenz leicht steigend. Östereich hat bereits 2001 einen Null-Grenzwert für Saatgut für GVO zum Schutz des Biolandbaus festgelegt. "Dieser Schritt muss nun auch EU-weit vollzogen werden. Denn ohne Gentech-freies Saatgut kann es keine Biolandwirtschaft geben", so Stutzmann. "Prinzipiell begrüßt GLOBAL 2000 die Initiative für einen EU-weiten Aktionsplan für die Biolandwirtschaft, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ohne eine Regelung der existenziellen Gentech-Frage ist ein Bio-Aktionsplan jedoch nicht nachhaltig", so Strutzmann abschließend.

Ein Bild von der Aktion ist bei GLOBAL 2000 erhältlich.

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