Kuntzl: Muttersprachliche Informationskampagne auf Bundesebene gefordert

Enorme Benachteiligung von "Zweiter Generation" im Bildungssystem

Wien (SK) "Bildungs- und Arbeitschancen der 'Zweiten Generation' in Österreich lebender Menschen mit türkischem oder ex-jugoslawischem Hintergrund werden durch das österreichische Bildungssystem beeinträchtigt." SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl sprach am Donnerstag von der Gefahr der "ethnischen Segmentierung" an österreichischen Schulen. Gegenüber dem Pressedienst der SPÖ erhob Kuntzl die Forderung nach einer bundesweiten Informationskampagne und unterstützte damit den Vorstoß des SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer. "Für Familien mit nicht-deutscher Muttersprache müssen die Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme am Bildungssystem auch aktiv forciert werden." ****

Gemäß einer Studie des Wiener Integrationsfonds betrage das Verhältnis von SchülerInnen türkischer Staatsbürgerschaft in Sonderschulen und der AHS "den unglaublichen Wert von 60:40". Der Vergleichswert bei österreichischen StaatsbürgerInnen entspreche mit 6:96 einem gänzlich anderem Bild. "Hier werden Kindern, die in Österreich aufgewachsen sind, schon im vorschulischen und schulischen Alter entscheidende Lebenschancen verwehrt." 49 Prozent jener AHS-SchülerInnen mit türkischer Staatsbürgerschaft die im 9. Schuljahr noch am Unterricht teilnahmen, haben im 10. Schuljahr die Schule schon verlassen. Wohingegen lediglich zehn Prozent der österreichischen SchülerInnen in diese "Drop-Out-Rate" fallen. Dies ergab eine exemplarische Stichprobe im Rahmen der erwähnten Studie und lässt eindeutige Rückschlüsse über "die tägliche Realität an Österreichs Schulen" zu.

Eine bundesweite Informationskampagne über das vorhandene Angebot an Kindergärten und die positiven Aspekte für den Spracherwerb in der jeweiligen Muttersprache, die schon im vorschulischen Alter der Kinder die Familien erreichen sollte, könne das Bewusstsein und den Informationsstand der Eltern verbessern. Kuntzl forderte die schwarz-blaue Regierung auf, nicht untätig in dieser Frage "die Hände in den Schoß zu legen". "Wir wissen aus internationalen Studien, dass der Besuch eines Kindergartens die Wahrscheinlichkeit eines höheren Schulabschlusses erheblich beeinflusst." Deshalb sei eine Sensibilisierung schon in dieser Altersgruppe anzusiedeln. Das Argument "Kindergärten fallen in die Zuständigkeit der Länder", ließ Kuntzl nicht gelten: "Es kann doch in solch einer entscheidenden Frage die Wichtigkeit einer Etablierung eines bundesweiten Standards nicht von der Hand gewiesen werden", so Kuntzl abschließend. (Schluss) cs/mp

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