Hauptverband weist Verunsicherungskampagne der Pharmig zurück

Probst: "Nicht jedes neue Medikament bringt einen Nutzen für die Patienten, aber fette Gewinne für die Pharmaindustrie"

Wien (OTS) - Als "völlig haltlos und in höchstem Masse schädlich" bezeichnet der für das Arzneimittelwesen zuständige Geschäftsführer im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Josef Probst, die heute seitens der Pharmig-Geschäftsführung getroffene Aussage, wonach sich Österreich bei neu zugelassenen Arzneimitteln fast auf der Stufe eines Entwicklungslandes befinde. Probst: "Diese Aussage diene nur der Verunsicherung von Patienten und entspreche in keinster Weise der Realität." Im vergangenen Jahr hat die Pharmawirtschaft
insgesamt 441 Arzneimittel-Anträge zur Aufnahme in das Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes gestellt, mehr als die Hälfte davon - exakt 229 - wurden tatsächlich in das Heilmittelverzeichnis aufgenommen und können daher auf Kosten der Krankenversicherungen in öffentlichen Apotheken oder Hausapotheken abgegeben werden.
Für den Geschäftsführer des Hauptverbandes steht damit außer Zweifel, dass den Patienten in Österreich auch in Zukunft Medikamente nach dem neuesten Stand der Medizin zur Verfügung gestellt werden. Probst: "Die soziale Krankenversicherung ist Anwalt von 8 Millionen Versicherten. Und diese haben ein Recht darauf, dass sie im Krankheitsfall mit den besten auf dem Markt befindlichen Medikamenten versorgt werden." Was den Terminus "Innovatives Medikament" betrifft gibt es zwischen dem Hauptverband als Anwalt der Versicherten und der Pharmig als Vereinigung der pharmazeutischen Unternehmen aber durchaus unterschiedliche Auffassungen. Probst: "Für die soziale Krankenversicherung ist ein Medikament dann innovativ, wenn es dem Patienten in der therapeutischen Wirkung oder Nebenwirkung hilft. Für die Pharmawirtschaft ist ein Medikament dann innovativ, wenn es neu ist." In vielen Fällen handelt es sich dabei aber lediglich um reine Marketing-Innovationen, die der Pharmawirtschaft zwar fette Gewinne, den Patienten aber keinen Nutzen bringen.
Als völlig aus der Luft gegriffen bezeichnet Probst auch den Vorwurf der Pharmig, wonach die gesetzliche Frist von 180 Tagen für die Zulassung eines neuen Medikamentes regelmässig um das Doppelte überschritten würde. Probst: "Im Regelfall dauert die Zulassung eines neuen Medikamentes zwischen 80 und 90 Tagen. Seit es das neue Zulassungsverfahren (seit 1. Oktober 2002, Anm.) gibt, wurde in keinem einzigen Fall die gesetzliche Zulassungsfrist überschritten". Wäre dies der Fall, könnte die Pharmawirtschaft ja einen Säumnisantrag stellen. Doch das ist, so Probst, seit 1. Oktober 2002 noch nie passiert.
Von den insgesamt 4.720 lieferbaren Arzneispezialitäten (Stand Ende 2002) sind 3.013 im Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes angeführt und werden auf Kosten der Krankenkassen abgegeben. Der Rest ist bewilligungspflichtig. Diese bewilligungspflichtigen Arzneimittel machen zwar nur 5 % aller ärztlichen Verordnungen aus, der Anteil an den Arzneimittelkosten der Krankenkassen liegt mit fast 20 % aber unverhältnismäßig hoch.
Das bisherige Erstattungssystem für frei verschreibbare und bewilligungspflichtige Arzneimittel wird mit Hilfe eines neuen "Boxensystems" neu geregelt. Zunächst kommen alle neuen Arzneimittel, die von den sozialen Krankenversicherungsträgern bei Verschreibung in der freien Praxis erstattet werden, in die so genannte "red box". Dabei soll durch die Preiskommission im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) sichergestellt werden, dass die Preise dieser neuen Mittel nicht über dem EU-Durchschnitt liegen. In der "yellow box" werden in der Folge die Kriterien für deren Bewilligung festgeschrieben. Bei Preis-würdigkeit erfolgt schließlich eine Aufnahme von bewilligungspflichtigen Medikamenten in die "green box" und diese werden damit frei verschreibbar. Zusätzliche Marktmechanismen
sollen die Preiswürdigkeit der Arzneimittel in der "green box" nachhaltig sichern.
Für verschreibende Ärzte und Patienten soll dieses neue Erstattungsmodell künftig mehr Klarheit und Sicherheit bringen. Probst: "Unser Ziel ist, dass die Einholung der kassenärztlichen Bewilligung nicht mehr durch den Patienten erfolgt, sondern durch den verschreibenden Arzt."

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