Waneck: Dialyse-Enquete: Dialyse muss menschlicher werden

Rund 3.200 Menschen in Österreich betroffen

Wien, (BMGF/STS) – „Die Dialysesituation in Ostösterreich muss menschlicher werden“, forderte heute FP-Gesundheitsstaatssekretär Univ. Prof. Dr. Reinhart Waneck anlässlich der von ihm initiierten Dialyse- Enquete in Wien. „Es ist unmenschlich, dass im ostösterreichischen Raum bis zu vier Schichten bei der Dialyse gefahren werden müssen.“ ****

„Darüber hinaus ist im größten Ballungsraum Österreichs – Wien, Niederösterreich und nördliches Burgenland – ausserspitalische Dialyse nicht zugelassen, obwohl diesbezügliche Einrichtungen bereits bestehen“, so Waneck, was unverständlich sei, funktioniere doch im restlichen Österreich die extramurale Versorgung klaglos. Für Patienten brächten dislozierte Dialyseeinrichtungen wesentliche Erleichterungen, so Waneck, der darauf hinwies, dass eine Dialyse auf durchschnittlich vier bis fünf Stunden komme. Mit Fahrt- und Wartezeit sei es somit die Regel, dass ein schwerkranker Dialysepatient in der vierten Schicht nicht vor fünf Uhr Früh nach hause komme. Dies sei für Patienten unzumutbar, betonte Waneck.

Die Lebensführung eines Dialysepatienten sei nach wie vor äußerst eingeschränkt, so Waneck. Drei mal wöchentliche Dialyse-Termine, oft zu sehr ungewöhnlichen Zeiten - etwa die dritte oder vierte Schicht in Wiener Behandlungseinrichtungen - strenge Diät und strikte Einhaltung der Flüssigkeitsmenge, neben durchschnittlich 8 Medikamenten täglich, belasten Patienten extrem. „Hier ist es unsere Aufgabe den Patienten zu helfen“, forderte Waneck.

Die überwiegende Mehrzahl der Patienten wünsche eine flexiblere Behandlung vor Ort, damit sie zumindest ein halbwegs geregeltes Leben führen könnten, so Waneck. Dies gehöre zu den Grundrechten eines Patienten. Ein möglicher Ansatz sei, eine einheitliche kostendeckende Finanzierung in ganz Österreich, unabhängig ob im Spital oder im extramuralen Bereich. „Krankenkassen und Spitalsträger sind zum Handeln aufgefordert, um Dialysepatienten endlich ihr Leben zu erleichtern“, betonte Waneck.

Die Aktivitäten und der Einsatz des Staatssekretariates für Gesundheit im Bereich der Dialyse begannen praktisch mit dem Amtsantritt Wanecks im Jahr 2000. „Diese Thema hat für mich eine hohe Wertigkeit, wie die Anliegen von Patienten- und Selbsthilfegruppen insgesamt. Besonders die Verbesserung der Situation für Hämodialyse- Patienten in Ostösterreich war und ist ein großes Ziel“, so Waneck. Die Verhandlungen dazu, so Waneck, verliefen bisher sehr mühsam, doch hoffe er, dass mittelfristig akzeptable Lösungen erzielt werden könnten.

Das Problem bei Nierenerkrankungen sei die Unspezifität der Symptome. Viele Patienten würden vorerst nichts von ihren Problemen bemerken. Dies führe dazu, dass Nierenerkrankungen erst in einem späten Stadium entdeckt und mit Verzögerung therapiert würden. „Dies bedeutet Dialyse für etwa 3.200 Menschen in Österreich“, so Waneck. Etwa die gleiche Zahl werde inzwischen durch ein Nierentransplantat rehabilitiert. „Jährlich müssen etwa 1.100 neue Patienten in ein Dialyseprogramm integriert werden“, so Waneck. Die Anzahl der Patienten in chronischer Dialysebehandlung steige jährlich um etwa sechs Prozent, das mittlere Patientenalter liege bei 62 Jahren, was zum Teil auf die bessere medizinische Versorgungsqualität der Grundkrankheit zurückzuführen sei.

„Wir verfügen über heute in Österreich über 60 Dialyse und Transplantationseinrichtungen“, berichtete Waneck. „2002 wurden 960 Hämodialyse- und 73 Peritonealdialyse- Patienten dem Register gemeldet; damit blieb die Anzahl der neuen Patienten seit 1999 in etwa gleich, jeweils etwas mehr als 1.000 Patienten jährlich. Die Prävalenz veränderte sich von 1993 mit 2.265 Dialyse- Patientinnen und Patienten bis 2002 mit 3.157 Patienten entscheidend, dies ist ein Zuwachs von knapp 40 Prozent“, so Waneck.

„Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes tragen wesentlich zu einem kontinuierlichen Anstieg von Nierenerkrankungen bei. Zu den Risikogruppen für Nierenschäden zählen in erster Linie Diabetiker, Bluthochdruckpatienten oder Personen, die Verwandte mit einer erblichen Nierenerkrankung haben. Diese Personengruppen sollten daher unbedingt eine regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion durchführen lassen“, so Waneck.

“Rechtzeitig behandelt können Dialyse und Transplantation in vielen Fällen verhindert oder zumindest verschoben werden, wobei die frühzeitige Überweisung an den Nephrologen für den Krankheitsverlauf von zentraler Bedeutung ist. Chronische Nierenerkrankungen werden mangels eindeutiger Symptome häufig zu spät behandelt. Der rechtzeitige Besuch beim Arzt könnte bei mehr als 500 österreichischen Patienten schwerwiegende Schäden vermeiden, bei etwa 1.000 ließe sich die Dialyse zeitlich verschieben“, verwies Waneck auf die Sinnhaftigkeit von Vorsorgeuntersuchungen. (Schluss) mg bxf

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