FP-Strache: Denkmalschutz und Stadtbildpflege in Wien unter jeder Kritik

Architektonischer Anschlag auf das Arsenal zeigt wieder einmal Handlungsbedarf beim § 69 der Bauordnung

Wien, 21.01.04 (fpd) - Fehlende Sensibilität und eklatanter Mangel an Kulturbewusstsein im Umgang mit Baudenkmälern haben in der Nachkriegszeit Tradition in Wien. Vom Barockjuwel Rauchfangkehrer-Kirche in Wieden über das legendäre Hauptgebäude der Nordbahnhofes im Wien-Leopoldstadt spannt sich ein weiter Bogen unwiederbringlich zerstörter Kulturgüter, kritisierte heute der Landesobmann-Stv. der Wiener Freiheitlichen LAbg. Heinz Christian Strache in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Stadtrat a.D. Walter Prinz, dem Klubobmann der Landstraßer Freiheitlichen Dietrich Kops und dem Sprecher der "Initiative Arsenal" DI Werner Grieshofer.

Auch andere wertvolle Baudenkmäler seien entweder abgerissen worden oder befinden sich in einem erschütternden Zustand:

  • Das Schloß Neugebäude siecht dahin
  • Die Sophiensäle sind noch immer eine Schutthalde
  • Die Meierei im Stadtpark ist nur noch rudimentär vorhanden
  • Der Kaipalast (K 47) ist heute ein Schandfleck
  • Teile der Rinderhalle in St. Marx wurde ohne Genehmigung abgerissen
  • Das alte Haashaus am Stephansplatz wurde in den 50ern abgerissen
  • Das neue Steffl in der Kärntner Straße ist ein störender Glasblock
  • Der Vorgänger des Steyr-Gebäudes am Opernring ist ebenfalls dahin

Alles in allem wurde in den letzten Jahrzehnten eine Spur der Zerstörung durch das historische Stadtbild Wiens gezogen, kritisierte Strache. Nun drohe ein neuer Anschlag: Im historischen Gebäudekomplex Arsenal soll nach den bereits völlig unpassenden Bauwerken der Post, die dem Gesamtensemble schweren Schaden zugefügt haben, ein weiterer Riesenbau hineingeklotzt werden, warnte Strache.

SPÖ-Landstraße will § 69-Genehmigung durchdrücken

Entgegen den gültigen Bebauungsbestimmungen einen weiteren Baublock zu platzieren, sei ein weiterer Schritt, eines der imposantesten Bauwerke der Monarchie zu ruinieren. Beim Arsenal bestehe die akute Gefahr, dass in einer der nächsten Sitzungen des Bauausschusses der Freibrief von der SPÖ für diese Zerstörungsaktion erfolgt, machte Klubobmann Kops aufmerksam.

Der Schlüssel dazu sei der ominöse § 69 der Wiener Bauordnung, ein Privilegienparagraph für Mächtige mit guten Beziehungen zur Wiener SPÖ. Hier müsse der Hebel angesetzt werden. Dieser Gummiparagraf, der dem kleinen Mann meist verwehrt bleibt, sei neu zu formulieren. Dabei müsse eine genaue Definition, was "unwesentlich" ist, erfolgen und transparente Verfahrensabhandlungen gewährleistet werden.

So wie jetzt, dass Bauausschüsse mit zum Teil überforderten oder gleichgültigen Teilnehmern im Hinterzimmer über städtebauliche Großprojekte Genehmigungen erteilen, könne es nicht weitergehen, hielt Prinz in diesem Zusammenhang fest.

Wenn nämlich Stadtbilderhaltung auf dieser Ebene entschieden werde, erhebe sich die Frage, wozu es Denkmalamt und Denkmalschutzgesetze gebe? Hier habe sich in den letzten Jahren ein Netzwerk aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung ausgebreitet, das Gesetz Gesetz sein lässt und das Wiener Stadtbild am laufenden Band irreparabel verunstaltet, so Strache.

Freiheitliche werden rechtliche Schritte einleiten

Sollte sich der Bauausschuss des 3. Bezirks nicht der Tragweite einer derartigen Genehmigung bewusst werden und die Zustimmung für diesen Antrag zur Verschandelung des Arsenals geben, stehe fest, dass die Wiener Freiheitlichen alle verfügbaren rechtlichen Mittel ausschöpfen werden, um diesen Anschlag zu verhindern, erklärte Strache.

An diesem Punkt sei an den sinnlosen Abbruch der Rauchfangkehrer-Kirche in der Wiedner Hauptstraße im Jahr 1965 erinnert. Damals meinte Architekt Prof. Achleitner, "man sollte ein Denkmal für die unbekannten Demolierer, die seit 1945 Wien zerstören und verschandeln, setzen". Dieser Satz sei aus heutiger Sicht leider immer noch hochaktuell, müsste allerdings auf "bekannte" Demolierer abgewandelt werden, meinten Strache und Prinz abschließend. (Schluß)am

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