WKÖ: Studentenvertreter haben Reformen verschlafen

Bildungsexperte Landertshammer kritisiert Zeitpunkt und Mittel der Studentenproteste: "Attacke gegen die Universitätsautonomie grundfalsch und zu spät"

Wien (PWK043) - Unverständnis ernten die laufenden Studentenproteste an der Universität Wien auch bei Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung für Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich. "Bei Veränderungen hierzulande mögen die Uhren manchmal zwar etwas nachgehen, doch scheinen manche Studentenvertreter in Wien die Reformen der letzten Jahre komplett verschlafen zu haben."

Schon im Zuge der überaus langen Beratungen zum neuen Universitätsgesetz war jedem klar, dass es auch darum gehen musste, das Ausmaß der studentischen Mitbestimmung auf ein vernünftiges und international akzeptables Maß anzupassen. Schließlich ging es darum, die Universitäten zur Autonomie zu führen. Klar war ebenfalls, dass die eigenverantwortliche Festlegung einer den Anforderungen eines modernen Wissenschaftsbetriebs entsprechenden Organisationsstruktur ein höheres Maß an Effizienz voraussetzt, als dies bislang der Fall war. Als das Gesetz 2002 verabschiedet wurde, war von studentischen Protesten erstaunlich wenig zu hören, erinnert sich Landertshammer. "Proteste im Sommer 2002 wären zumindest verständlich gewesen, doch damals waren die Studentenvertreter anscheinend schon auf Urlaub."

Wenn nun - nach vielen Monaten - die neu gewählten Rektoren ihre Pläne zur Neuorganisation ihrer Universitäten präsentieren, benehmen sich manche Wortführer der Studentenvertretung wie Realitätsverweigerer. Wie in Zeiten des alten UOG wird hier der Rektor "aufgefordert" und ein "Ultimatum" gestellt. "Studierende mit einem anscheinend so hohen Mangel an Realitätsbezug müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass es ihnen nicht um die sachliche Auseinandersetzung, sondern um den Protest als Selbstzweck geht. Tortenwerfen ist kein Sachargument", so Landertshammer.

Wie der Bildungsexperte ausführt, wurden an vielen Universitäten schon im Vorfeld der Verabschiedung des neuen Universitätsgesetzes an vielen Universitäten Projekte gestartet, bei denen es darum geht, Forschung und Lehre mit den Instrumenten eines zeitgemäßen Wissenschaftsmanagements zu positionieren. Die Universität Wien stand hier angesichts ihrer überaus differenzierten Organisationsstruktur sicherlich vor den größten Herausforderungen. Dennoch ist es dem Rektor trotz aller zu erwartenden Schwierigkeiten gelungen, ein Modell zu entwickeln, das den geänderten Ansprüchen eines zeitgemäßen und effizienten Wissenschafts- und Forschungsbetriebs besser entsprechen dürfte. "Der Protest der Studenten richtet sich nicht gegen die von der Universität Wien autonom entwickelte Organisationsstruktur, sondern ist vielmehr eine spät gestartete und mit falschen Instrumenten vorgetragene Attacke auf die Universitätsautonomie", stellt Landertshammer abschließend fest. (Ne)

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