Österreicher abgeschnitten von innovativen Medikamenten

Bei neuen Arzneimitteln heißt es für tausende Patienten: Bitte warten

Wien (OTS) - "Ein Blick ins aktuelle Heilmittelverzeichnis genügt:
Den Österreichern werden entgegen allen Versprechungen innovative Medikamente vorenthalten", kritisiert Guus van der Vat, Geschäftsführer von MSD Österreich und Mitglied des FOPI, des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie. Konkret ist im neuen Heilmittelverzeichnis (Stand: Jänner 2004) nur eine einzige innovative Substanz ins Heilmittelverzeichnis, der Liste der frei verschreibbaren Präparate, aufgenommen worden, aber gleichzeitig sind 97 Präparate gestrichen worden. Die Folge: Viele Medikamente, die in anderen EU-Staaten erstattungsfähig sind, können in Österreich gar nicht oder nur über die Bewilligung durch den Chefarzt bezogen werden. Erhard P. Geisler, Geschäftsführer des Branchenverbands Pharmig, warnt: "Wir sind am besten Weg zur Zwei-Klassen-Medizin mit dramatischen Auswirkungen für die Patienten. Wenn es bei den laufenden Verhandlungen nicht gelingt, diesen Trend zu stoppen, werden nur noch jene innovative Arzneimittel bekommen, die es sich leisten können."

Ein Beispiel: Seit geraumer Zeit gibt es ein Depotpräparat für Schizophrenie-Patienten, das alle zwei Wochen injiziert werden muss. Dieses Präparat erspart den Patienten das tägliche Tablettenschlucken - umso wichtiger, als gerade Schizophrene durch ihre Krankheit bedingt große Probleme damit haben, ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen. Dieses neue Medikament ist ein riesiger Fortschritt gegenüber bisherigen Therapieformen und daher längst überall in Europa kassenfrei erhältlich - nur nicht in Österreich.

Heftige Kritik üben die Pharma-Vertreter auch am vorgeschriebenen Prozedere, das die Aufnahme ins Heilmittelverzeichnis regelt und derzeit mit beträchtlichen bürokratischen Hürden verbunden ist:
15.000 Kopien sind pro Antrag einzureichen, durchschnittlich dauert es zwei Jahre, bis ein neues Medikament im Heilmittelverzeichnis aufscheint. "Das ist viel zu lange", bemängelt Hubert Dreßler, Chef der Aventis-Pharma GmbH und Pharmig-Vorstand. "Zwei Jahre sind für viele Patienten entscheidend. Deshalb haben wir auch gehofft, dass man sich im Zuge der Gesundheitsreform auf ein neues und für die Patienten sinnvolles Verfahren einigt. Doch leider sind unsere Hoffnungen bisher nicht erfüllt worden."

Tatsächlich wird nach Inkrafttreten der 61. ASVG-Novelle alles noch komplizierter als bisher: Statt einem Verfahren wird es künftig drei geben (red box, yellow box, green box), statt dem versprochenen Bürokratieabbau kommt es zu einem Bürokratieaufbau. Nicht umsonst muss der Hauptverband zusätzliche Beamte einstellen, um das neue Gesetz überhaupt exekutieren zu können. "Auch von unserer Forderung, neue Medikamente rasch und unbürokratisch zum EU-Durchschnittspreis aufzunehmen, ist bis jetzt nicht die Rede", stellt Geisler fest. Und van der Vat ergänzt: "Wenn wir so weitermachen, sind wir in Österreich in bezug auf innovative Medikamente bald auf dem Niveau eines Entwicklungslandes. Das kann nicht im Sinne der Patienten sein."

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Sabine Völz
Leiterin Kommunikation, Mediensprecherin
Pharmig - Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen
Zieglergasse 5, A-1072 Wien
Tel.: 00 43 (1) 523 29 56/20
Fax.: 00 43 (1) 523 29 519
Mobil: 00 43(0) 664/212 20 87
sabine.voelz@pharmig.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PHA0011