Raffling: Hohe Arbeitslosenzahlen im Tourismus eine Illusion

"Wo nehmen wir in Zukunft die Arbeitskräfte her?" - Bisher umfassendste Strukturanalyse des Tourismus-Arbeitsmarktes bei ÖHV-Kongress im Bad Gastein präsentiert

Bad Gastein (PWK039) - Die von der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKÖ in Auftrag gegebene Langzeituntersuchung des touristischen Arbeitsmarktes (1996 - 2002) weist erstmals objektiv nach, dass der immer wieder gerne zitierte hohe Arbeitslosenbestand im Tourismus in der Praxis eine Illusion ist.

"Denn zieht man jene Personen ab, die über Einstellungszusagen verfügen oder aus anderen Gründen nicht vermittelbar sind (ältere Arbeitslose, Unqualifizierte), so bestätigt sich die von der Branche stets behauptete Arbeitskräfteknappheit", erklärte Spartengeschäftsführer Michael Raffling Dienstag Nachmittag vor der diesjährigen Wintertagung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Bad Gastein. "Dies hat Konsequenzen. Wenn ÖW und ÖHV richtigerweise ein Wachstum der Tourismusnächtigungen bis 2010 von derzeit 118,1 auf 140,2 Millionen Nächtigungen propagieren - wo nehmen wir dann die Arbeitskräfte her?"

Anhand von Berechnungsmodellen wird in der WIFO-Studie ein konkreter Blick in die Zukunft geworfen. Demnach ist bei gleich bleibenden Rahmenbedingungen eine weitere Anspannung der Situation aufgrund des anhaltenden Beschäftigungswachstums im Gastgewerbe bei gleichzeitig weiterem Rückgang des Arbeitskräfteangebotes zu erwarten.

Der Tourismus hat sich, so Raffling, immer als Beschäftigungsmotor bewährt. Innerhalb von fünf Jahren wuchs die Beschäftigung im Gastgewerbe um jährlich 1,4 Prozent bei einem gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungswachstum von 0,6 Prozent. Prognostiziert wird in der WIFO-Studie bis 2010 ein jährlicher Zuwachs im Gastgewerbe von einem Prozent oder 1.500 Beschäftigten. Der Beschäftigungsstand erreicht im Jahr 2010 somit rund 165.000 Personen. Das Arbeitskräfteangebot (Arbeitskräfte plus Arbeitslose) geht hingegen von 184.000 im Jahr 2001 auf 182.500 im Jahr 2010 zurück.

Ein Grund dafür ist der demographisch bedingte Bevölkerungsrückgang in den Altersklassen 15 bis 19 und 25 bis 39, die gerade im Tourismus stark vertreten sind. Bevölkerungszuwächse in den Altersklassen der über 39 jährigen können den Rückgang nicht kompensieren, da ältere Erwerbstätige im Tourismus unterrepräsentiert sind.

"Mit einer verstärkten Rekrutierung älterer Arbeitskräfte können wir einer Arbeitskräfteknappheit gegensteuern. Dabei müssen wir aber stärker auch auf weniger gut ausgebildetes Personal zurückgreifen. Es müssen Personen aktiviert werden, die schon länger arbeitslos sind oder außerhalb des Erwerbslebens stehen", führte Raffling aus. "Ein Problem liegt allerdings darin, dass ältere Arbeitskräfte den Mobilitätsansprüchen im Tourismus kaum mehr gerecht werden können."

Wachsende Betriebe werden ihre Belegschaft daher stärker aus den anderen Branchen und aus dem Pool zuvor nicht beschäftigter Personen rekrutieren. "Solche Unternehmen müssen stärker mit Betrieben anderer Branchen in Konkurrenz um Arbeitskräfte treten, die zuvor nicht im Tourismus beschäftigt waren. Gute Beschäftigungsbedingungen sind somit Konkurrenzvorteil und Wachstumsvoraussetzung", stellte der Spartengeschäftsführer fest.

Die WIFO-Studie enthält umfassendes Material, das von der Interessensvertretung derzeit noch im Detail ausgewertet wird. Voraussichtlich im März d.J. wird die Bundessparte in Kooperation mit dem WIFO die Studie publizieren. "Für die Bundessparte stellt diese fundierte Untersuchung eine ganz wichtige Grundlage dar, um daraus gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen für einen funktioierenden Arbeitsmarkt im Tourismus herauszuarbeiten", schloss Raffling. (hp)

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