WirtschaftsBlatt-Kommentar Rampls Männer an die Macht

von Christian Höller

Wien (OTS) - Erst vor einem Monat hat HypoVereinsbank-General
Dieter Rampl den Chef der Hamburger Tochter Vereins- und Westbank gefeuert, weil dieser die Münchner Konzernvorgaben in Frage gestellt hat. Jetzt geht es BA-CA-Chef Karl Samstag an den Kragen.

Der in der Vorwoche ausgebrochene Konflikt um die Schoellerbank, wo Samstag hinter dem Rücken von Rampl den Verkauf ausverhandelt hat, brachte das Fass zum Überlaufen. Die Deutschen finden immer weniger Gefallen am selbstbewussten Auftreten der Wiener und nehmen die BA-CA an die Kandare. Im Auftrag von Rampl muss BA-CA-Aufsichtsratspräsident Gerhard Randa einen neuen Generaldirektor für die Österreich-Tochter suchen, der die Münchner Konzernlinie ohne Widerrede umsetzt.

Bemerkenswert ist, dass mit Samstag ausgerechnet Randas Ziehsohn in Ungnade gefallen ist. Samstag wurde erst vor einem Jahr als Chef eingesetzt und galt als Randas rechte Hand. In Branchenkreisen ist zu hören, dass Samstag bei der Umsetzung der HVB-Vorgaben zu wenig hart gewesen sein soll. Natürlich ist es das gute Recht der Münchner, in Wien auf die Durchsetzung ihrer Interessen zu pochen. Doch die "hire and fire"-Politik macht betroffen.

Dazu gehört auch, dass wichtige Mitteilungen über die Medien ausgetauscht werden. Vergangenen Oktober haben die 11.400 BA-CA-Mitarbeiter aus der Zeitung erfahren, dass jeder zehnte Mitarbeiter seinen Job verlieren wird. Der Betriebsrat war darüber nicht informiert. Bis heute ist unklar, in welchen Bereichen Einsparungen geplant sind.

Auch von Samstags Absetzung wurde zunächst eine befreundete Zeitung und erst danach das BA-CA-Personal informiert. Sollte der neue BA-CA-General tatsächlich Erich Hampel heissen, wäre die Optik katastrophal. Denn Hampel gilt als Randas Mann, der Befehle kompromisslos umsetzt.

Unmittelbar nach dem Kauf der Creditanstalt wurde Hampel als neuer CA-Generaldirektor eingesetzt. Seine einzige Aufgabe bestand darin, die Creditanstalt in die Bank Austria hineinzufusionieren. Zunächst verlor die CA das Wertpapiergeschäft, dann musste sie die Geschäftskunden abgeben - schliesslich verlor sie komplett ihre Eigenständigkeit. Auch die HVB hat der BA-CA vor vier Jahren im "Bank der Regionen"-Vertrag die Eigenständigkeit zugesichert. Doch dieser Vertrag dürfte nur als Beruhigungspille für die Belegschaft gedient haben und kaum noch das Papier wert sein, auf dem er steht.

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