OeNB - Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom Jänner 2004

Aufschwung festigt sich zu Jahresbeginn

Wien (OTS) -

  • Die österreichische Wirtschaft hat sich in den ersten drei Quartalen 2003 besser als die des Euroraums entwickelt. Getragen wurde das Wachstum dabei in erster Linie von der Inlandsnachfrage. Das internationale Umfeld hat sich zuletzt deutlich verbessert. Das starke Wachstum in den USA und das Durchschreiten der Talsohle im Euroraum wirken sich positiv auf die heimischen Konjunkturaussichten aus. Das internationale Wirtschaftsklima verbesserte sich in den letzten Monaten spürbar. Dies spiegelt sich in den im Verlauf des Jahres 2003 stark gestiegenen Aktienkursindizes wider. Positiv auf die österreichische Konjunktur wirken sich weiters die niedrigen Zinsen, die geringe Inflation und die konjunkturstützenden Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung aus. Als Risiko kann vor allem eine weitere Abwertung des Dollars zum Euro genannt werden.
  • Der OeNB-Konjunkturindikator prognostiziert für das vierte Quartal 2003 und das erste Quartal 2004 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts in Österreich von jeweils 0,4% (saisonbereinigt, im Vergleich zum Vorquartal). Damit festigt sich der Aufschwung, wenngleich das Wachstum im Vergleich zu früheren Aufschwungphasen moderat ausfällt. Für das Gesamtjahr 2003 ergibt sich damit ein Wachstum von 0,8%.
  • Mit dieser Prognose bestätigt die OeNB ihre vorsichtig optimistische Konjunktureinschätzung, die bereits in der Herbstprognose 2003 zum Ausdruck kam.

Der Konjunkturindikator der Oesterreichischen Nationalbank lässt ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts von jeweils 0,4% im vierten Quartal 2004 und im ersten Quartal 2004 (saisonbereinigt, jeweils im Vergleich zum Vorquartal) erwarten. Gegenüber den entsprechenden Vorjahresquartalen beträgt das Wachstum damit 1,2 bzw. 1,5%. Insgesamt wird das BIP-Wachstum im Jahr 2003 gemäß den vorliegenden Schätzungen 0,8% betragen. Die geringe Abweichung gegenüber der OeNB-Makroprognose vom Herbst 2003 (0,9%) ist allerdings durch Revisionen von historischen Daten für das Jahr 2002 bedingt, die die Jahreswachstumsrate für das Jahr 2003 beeinflussen, bedingt.

Die vorläufigen VGR-Daten für die ersten drei Quartale 2003 weisen ein Wachstum von 0,1, 0,3 und 0,3% aus. Allerdings sind die aktuellen VGR-Daten mit hohen Unsicherheiten behaftet, da die Ergebnisse aus der Konjunkturerhebung von Statistik Austria nur bis Juli vorliegen

Kurzfristprognose für das reale Bruttoinlandsprodukt für Österreich für das 4. Quartal 2003 und das erste Quartal 2004 (saisonbereinigt) 2002 2003 2004 1.Qu. 2.Qu. 3.Qu. 4.Qu. 1.Qu. 2.Qu. 3.Qu. 4.Qu. 1.Qu. --------------------------------------------------------------- Veränderung zum Vorjahresquartal in % 0,5 2,0 1,4 1,4 0,8 0,3 0,8 1,2 1,5 Veränderung zum Vorquartal in % 0,7 0,9 -0,2 0,0 0,1 0,3 0,3 0,4 0,4 Veränderung zum Vorjahr in % -18 (1,4*) 0,8

* Wert laut letzter Revision der jährlichen VGR von Statistik Austria.
Quelle: OeNB, WIFO, Statistik Austria.

Die Wirtschaft im Euroraum wuchs im dritten Quartal 2003 um 0,4% im Vergleich zum Vorquartal, nachdem sie sich im ersten Halbjahr leicht rückläufig entwickelte. Die Talsohle dürfte damit durchschritten worden sein. Die Erholung im dritten Quartal ist ausschließlich auf eine kräftige Belebung der Exporte zurückzuführen, während sich die Binnennachfrage noch anhaltend schwach entwickelte. Für eine Festigung des Wachstums im vierten Quartal sprechen die im Oktober wieder zunehmende Industrieproduktion und steigende Auftragseingänge. Positive Signale kommen auch von den Finanzmärkten. Die Aktienkursindizes sind im Verlauf des letzten Jahres deutlich gestiegen. Weiters zeigen wichtige Vertrauensindikatoren (IFO-Index, Economic Sentiment Indicator, Purchasing Managers' Index) eine kontinuierliche Zunahme des Vertrauens. Ein Risiko für die Euroraumkonjunktur stellt hingegen die weitere Entwicklung des Eurowechselkurses dar.

Die österreichische Wirtschaft hat sich in den ersten drei Quartalen 2003 besser als die des Euroraums entwickelt. Getragen wurde das Wachstum dabei von der Inlandsnachfrage. Die Bruttoanlageinvestitionen sind - gestützt auf einen hohen Bedarf an Ersatzinvestitionen und günstige Finanzierungsbedingungen - nach zwei Jahren mit negativen Wachstumsraten wieder gestiegen. Der öffentliche Sektor hat durch die Investitionszuwachsprämie und höhere Infrastrukturausgaben Impulse gesetzt und auch die Erholung der Bauwirtschaft begünstigt. Die Exporte, die sich in der ersten Jahreshälfte sehr verhalten entwickelten, erholen sich zusehends. Im dritten Quartal konnte ein Zuwachs der realen Exporte von Gütern und Dienstleistungen um 1,8% (saisonbereinigt, im Vergleich zum Vorquartal) erzielt werden. Die Importe sind in den ersten drei Quartalen als Folge der sich belebenden Inlandskonjunktur stärker als die Exporte gewachsen, wodurch der Wachstumsbeitrag der Nettoexporte zum BIP-Wachstum negativ war. Im Einklang mit der fortschreitenden internationalen Erholung werden die Exporte eine tragende Rolle im Aufschwung spielen.

Vom privaten Konsum sind angesichts der nach wie vor eingetrübten Arbeitsmarktlage und der nur geringen Einkommenszuwächse kurzfristig keine allzu großen Impulse zu erwarten. Der Einzelhandel, der sich im ersten Halbjahr 2003 noch verhältnismäßig gut entwickelte, kämpft seit der Jahresmitte 2003 mit Umsatzrückgängen. Allerdings verbessert sich das Vertrauen im diesem Sektor nunmehr wieder. Stabilisierend auf den Konsum wirkt die niedrige Inflation, die die Kaufkraft der privaten Haushalte stärkt. Eine Trendwende am Arbeitsmarkt ist derzeit noch nicht in Sicht. Der Anstieg der Beschäftigung ist noch zu schwach, um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Der private Konsum wird daher in den nächsten Monaten ein stabiles Wachstum auf niedrigem Niveau aufweisen.

Für eine weitere Festigung des heimischen Aufschwungs zu Jahresbeginn 2004 sprechen vor allem die sich verbessernden internationalen Konjunkturaussichten sowie die Zunahme des Vertrauens im Inland. So weisen die Vertrauensindikatoren im Verlauf der letzten Monate eine Zunahme des Optimismus für alle Bereiche der Wirtschaft aus. Als wichtigster Risikofaktor kann eine weitere Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro genannt werden, die die österreichische Exportentwicklung dämpfen könnte.

Die nächste Veröffentlichung des OeNB-Konjunkturindikators ist für April 2004 vorgesehen.

Text und erklärende Grafiken aller Presseaussendungen werden auch auf http://www.oenb.at veröffentlicht.

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums /
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB0001