Umweltdachverband: "BLACKOUT" in Kärnten

Offener Brief an Landeshauptmann Dr. Jörg Haider

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!

Mit dem bundesweit einheitlichen Ökostromgesetz wurde ein wichtiger Grundstein für die Förderung der erneuerbaren Energieträger in Österreich gelegt. Seit Inkrafttreten wurden Tausende zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen - speziell im ländlichen Raum. Auch das Land Kärnten hat davon profitiert.

Mit Ihrer Weigerung, der geringfügigen Erhöhung der Ökostromzuschläge zuzustimmen, gefährden Sie die Zukunft der Ökostrombranche in Österreich, und mit Ihrer Argumentation, dass die Belastungen der Industrie nicht mehr zumutbar sind, lassen Sie sich vor den Karren der Liberalisierungsgewinner spannen. Denn wie Sie sicher wissen, hat die Industrie in den letzten Jahren massiv von der Liberalisierung des Energiesektors profitiert (minus 40% bei den Energiekosten!!) und wird auch jetzt durch die Steuerreform wieder am stärksten profitieren. Als Anwalt des "kleinen Mannes" sollten aber gerade Sie wissen, dass es im gleichen Zeitraum zu keiner nennenswerten Entlastung für die Haushalte gekommen ist - auch nicht in Kärnten, wie Berichten der E-Control zu entnehmen ist.

Weiters sollten Sie darüber informiert sein, dass sich durch die von Ihnen boykottierte Verordnung, die Stromkosten für die Industrie nur um durchschnittlich 0,5% erhöhen würden. Diese Erhöhung mit den Strompreiserhöhungen in Verbindung zu bringen, ist schlichtweg falsch, da allein im letzten Jahr der Preis an den europäischen Strombörsen um mehr als 30% (!) gestiegen ist - und diese Erhöhung betrifft alle in Europa gleichermaßen.

Umso unverständlicher ist mir Ihre blockierende Haltung zur Förderung der erneuerbaren Energie in Österreich. Mit Ihrem Verhalten schaden Sie nicht nur dem österreichischen Klimaschutz, sondern auch dem Wirtschaftsstandort Österreich, indem Sie 8000 neu geschaffene Arbeitsplätze in Österreich gefährden und wichtige in Aussicht stehende Investitionen in der Höhe von bis zu 500 Mio. Euro blockieren.

Gleich schlimm ist aber, dass Sie dabei sind, sich nun endgültig auf die Seite jener zu stellen, die notwendige Klimaschutzaktivitäten in Österreich torpedieren. Denn mit Ihrer Weigerung zur Erhöhung des Ökostromzuschlages tragen Sie dazu bei, dass der Ökostromanteil in Österreich weiter abnimmt und im Gegenzug der Atomstromimport zunimmt. Sie machen sich damit zu einem Erfüllungsgehilfen der europäischen Atomlobby und untergraben zudem das Anti-Atombekenntnis Österreichs.

Ich möchte Sie deshalb bitten, Ihre Haltung in dieser so wichtigen Frage zu überdenken und für die ambitionierte Nutzung der Erneuerbaren in unserem Land einzutreten.

Abschließend ersuche ich Sie nochmals, uns die von Ihnen schon lang versprochenen Unterlagen, Verträge und Side Letters zum Deal zwischen der Kelag und dem Atomkonzern RWE zukommen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen Dr. Gerhard Heilingbrunner Präsident des Umweltdachverbandes

http://www.umweltdachverband.at

Rückfragen & Kontakt:

Umweltdachverband
1080 Wien, Alser Straße 21
Dr. Gerhard Heilingbrunner, Präsident
Tel.: 0664/3818462

Dr. Ernst Partl, Energiesprecher
Tel.: 01/40 113-23
ernst.partl@umweltdachverband.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OGN0001