Chefarztpflicht: Wirkliche Erleichterung bringt nur die Abschaffung

Ärztekammer plädiert für völlige Streichung - Nur 30 Prozent der chefarztpflichtigen Medikamente werden nicht bewilligt

Wien (OTS) - Ab dem Jahr 2005 soll die chefärztliche Genehmigung nicht mehr der Patient, sondern der Arzt von der Krankenkasse einholen. Dazu will der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger elektronische Kommunikationsschienen zwischen Ärzten und Sozialversicherung einrichten. Für die Ärztekammer stellt das keine Erleichterung, sondern eine Hürde, sowohl für Arzt als auch für Patient, dar. Ärztekammer-Vizepräsident Dr. Johannes Steinhart: "Die Einholung einer Bewilligung chefarztpflichtiger Medikamente per Fax, wie es die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) heute, in einer Aussendung, vorgeschlagen hat, ist eine Schnapsidee und in den täglichen Ordinationsalltag einfach nicht zu integrieren."****

Laut Vorschlag von SVA-Obmann Christoph Leitl soll die Antwort des Chefarztes "unverzüglich innerhalb einer halben Stunde bis Stunde" erfolgen. Steinhart dazu: "Abgesehen von der Tatsache, dass eine Stunde wohl nicht unverzüglich ist, bleibt die entscheidende Frage:
Wohin schicke ich in dieser Zeit meinen Patienten? Soll ich ihm raten, einstweilen ein paar Runden um den Häuserblock zu drehen? Und wer garantiert mir, dass die Bewilligung auch wirklich innerhalb von 30 bis 60 Minuten bearbeitet wird?"

Anhand der im neuen Gesamtvertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse vereinbarten verlängerten Öffnungszeiten der Arztordinationen wird die Einholung der Bewilligung nochmals erschwert. Steinhart: "Viele Ordinationen haben an bestimmten Tagen bis 20.00 Uhr geöffnet. Es glaubt doch wohl kein Patient, dass zu dieser Zeit noch irgendjemand in einer Sozialversicherung arbeitet."

Steinhart fragt sich weiters, wie lange es dauern wird, wenn 50 Ärzte gleichzeitig ihre Bewilligung an den Chefarzt faxen und vielleicht noch Rückfragen an diesen haben. Dann werde die Bewilligung wahrscheinlich ein bis zwei Arbeitstage dauern, und auch der Datenschutz ist nicht in jedem Fall gegeben. "Und dieses System verkauft Leitl als Erleichterung?" Eine wirkliche Erleichterung wäre einzig und allein die komplette Abschaffung der Chefarztpflicht, betonte Steinhart.

Nur 30 Prozent werden abgelehnt

Steinhart weiß, dass in der täglichen Praxis nur cirka 30 Prozent der chefarztpflichtigen Medikamente abgelehnt und 70 Prozent bewilligt werden. Steinhart: "Die Kostenersparnis durch die Ablehnung mancher Medikamente steht definitiv nicht in Relation zum Bürokratieaufwand, der durch die Chefarztpflicht entsteht. Und dann soll man uns gleich erklären, was eine chefärztliche Begutachtung bringen soll, wenn der Chefarzt den Patienten nie zu Gesicht bekommt und lediglich ein Fax in Händen hält. Für Chefärzte gibt es im Bereich der medizinischen Beratung der Sozialversicherung genug andere Aufgaben."

Für Steinhart steht definitiv fest, dass die Abschaffung der Chefarztpflicht dringend notwendig ist und der Hauptverband nun endlich die Chance nutzen sollte, diese "uneffektive Hürde für Patient und Arzt" loszuwerden. Steinhart: "Der Zugang zum Gesundheitssystem soll für Patientinnen und Patienten schließlich ohne unnötige bürokratische Schikanen erfolgen. Mit diesem System haben wir wieder mehr Bürokratie." (bb)

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