Landau und Pittermann: Die Stärke liegt in der Vernetzung

Caritas und Stadt Wien stellen sich den neuen Herausforderungen

Wien (OTS) - "Das breite, effiziente Netz von Hilfsangeboten muss künftig noch enger über die Stadt gespannt werden. Verstärkte Integration statt Ausgrenzung ist unser Motto. Nicht alle Menschen schaffen es alleine, sich an die Gegebenheiten dieser schnelllebigen Zeit anzupassen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu helfen", so Elisabeth Pittermann, Gesundheits- und Sozialstadträtin.

Die Caritas der Erzdiözese Wien stellt sich gemeinsam mit der Gemeinde Wien und den anderen Trägern den Herausforderungen. "Uns geht es um die gute Zusammenarbeit zum Wohl von Menschen in Krisensituationen", so der Wiener Caritasdirektor Michael Landau. "Dazu muss bei der Wirklichkeit der Menschen angesetzt werden, nur so können neue Herausforderungen auch bewältigt und kann das soziale Profil der Stadt gesichert werden!" Für Landau steht fest: "Die Stärke liegt in der Vernetzung!"

Landau sieht hier drei Felder als besonders wichtig an, nämlich die zunehmende Zahl von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Belastungen, die Entwicklung frauenspezifischer Angebote im Bereich der Wohnungslosenhilfe und den Ausbau der Delogierungsprävention.

Immer mehr psychisch belastete Menschen

In allen Einrichtungen der Caritas werde die Zunahme von psychischen Erkrankungen und Belastungen verzeichnet, berichtet der Caritasdirektor. "Armut macht krank", so Landau. Psychisch kranke Menschen seien überproportional häufig von Armut und Obdachlosigkeit bedroht. Die Caritas habe darüber hinaus hier mit einer mobilen psychiatrischen Betreuung begonnen. Derzeit laufen auch zwei Pilotprojekte mit dem Psychosozialen Dienst (PSD) im Nachtstreetwork und im Haus Allerheiligen. "Es braucht vermehrt Angebote für psychisch kranke obdachlose Menschen", so Landau.

Wohnungslosenhilfe in Wien

Das Haus Allerheiligen ist ein SeniorInnenwohnhaus der Caritas in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien für ältere, ehemals wohnungslose Menschen, die auf Grund langjähriger Obdachlosigkeit extremer physischer und/oder psychischer Belastung ausgesetzt waren. Das Haus Allerheiligen bietet dieser Zielgruppe 51 möblierte Kleinwohnungen (Wohnschlafraum, Kochnische, Bad, WC, Vorraum) für Einzelpersonen oder in Einzelfällen auch für Paare an. Weiters gibt es Gemeinschaftseinrichtungen wie Aufenthaltsraum, Kantine, Waschküche und Behandlungsraum.

Für diese älteren Menschen, denen auf Grund ihrer Lebensgeschichte ein selbständiges Wohnen in einer eigenen Wohnung nicht mehr möglich ist, wurden von der Stadt Wien in den letzten Jahren in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Nichtsesshaftenhilfe Wien, dem Wiener Hilfswerk und der Caritas der Erzdiözese Wien insgesamt fünf SeniorInnenwohnhäuser mit 300 gut ausgestatteten Garconnieren geschaffen.

Ehemalige Bewohner des Hauses Meldemannstraße

Etwa 100 Bewohner des Hauses Meldemannstraße, die oft jahrelang in 3 m2 kleinen Kabinen lebten, konnten in den neu errichteten SeniorInnenwohnhäusern Eßlinger Hauptstraße und Salzachstraße (Haus Allerheiligen) untergebracht werden, etwa 215 Bewohner übersiedelten in das neu errichtete Haus Siemensstraße, das 232 wohnungslosen Männern eine verbesserte temporäre Wohnmöglichkeit mit erhöhter Chance auf Wiedereingliederung bietet. Dank intensiver sozialarbeiterischer Betreuung ist es auch gelungen, etwa 50 Bewohner in ein Leben abseits von Hilfssystemen in eigene Wohnungen zu übersiedeln.

Neue Einrichtungen

Geplant sind weiters der Ausbau des zielgruppenorientierten Angebotes (6. SeniorInnenwohnhaus), die Schließung des Hauses Kastanienallee für obdachlose Familien (2006) - stattdessen Schaffung eines betreuten Wohnungspools in Zusammenarbeit mit Wiener Wohnen zur Unterbringung und Betreuung delogierter Familien.

P7 - "Wiener Service für Wohnungslose"

Im Jahr 2003 wurde diese zentrale Erstanlaufstelle für akut obdachlose Erwachsene, mit der Möglichkeit zur sofortigen Vermittlung geschaffen.

Alle städtischen Häuser für Obdachlose bieten über P7 (2., Pazmanitengasse 7) Übernachtungsmöglichkeiten an, deren Benützung bis zur Erlangung eines Fixplatzes kostenlos ist. Das Haus Hernals (17., Wurlitzergasse 89) bietet außerdem eine Nachtaufnahme an.
Die Stadt Wien bietet in Zusammenarbeit mit acht privaten VertragspartnerInnen (Caritas der Erzdiözese Wien, Heilsarmee, Wiener Hilfswerk, Neustart, Wobes, Arbeitsgemeinschaft für Nichtsesshaftenhilfe Wien, Verein Neunerhaus, Volkshilfe Wien) insgesamt etwa 2300 Plätze an.

Im Rahmen der Wiener Wohnungslosenhilfe gibt es eine breite Palette an medizinischer Versorgung: von Zusammenarbeit mit niedergelassenen ÄrztInnen über KonsiliarärztInnen bis zum medizinischen Betreuungsbus "Louise" der Caritas der Erzdiözese Wien, der regelmäßig soziale Brennpunkte aufsucht und medizinische Erst-und Notversorgung anbietet.

Mehr frauenspezifische Angebote

"Alle wissenschaftlichen Armutsstudien kommen zu dem Schluss, dass Frauen ein bedeutend höheres Armutsrisiko haben als Männer. Als Caritas können wir diesen Befund aus der täglichen Praxis nur bestätigen," skizziert Landau ein weiteres herausforderndes Themenfeld. "Daher halten wir auch im Bereich der Wohnungslosenhilfe frauenspezifische Antworten und Modelle für wichtig." Die Caritas hat mit dem ersten Tageszentrum für wohnungslose Frauen in Wien Mariahilf bereits einen ersten Schritt gesetzt. "Diesen Weg wollen und müssen wir aber gemeinsam weitergehen", so Landau.

Delogierungsprävention ausbauen

Landau plädiert auch für einen "Ausbau der Delogierungsprävention". "Es ist nicht nur menschlicher, Delogierungen zu verhindern, es ist auch wirtschaftlich sinnvoller, weil Delogierungsprävention billiger ist als die Versorgung und Reintegration von delogierten Menschen!" Gerade im Blick auf jüngere Klientinnen und Klienten wäre eine "aufsuchende und nachgehende Sozialarbeit wichtig", so der Wiener Caritasdirektor.

"Das Gesamtangebot der Wiener Wohnungslosenhilfe dient der sozialen aber auch gesundheitlichen Stabilisierung der Betroffenen und soll weitere Verelendung vermeiden", so Pittermann.

Unmittelbares Ziel jeder Unterbringung ist es, obdachlos gewordenen Menschen Unterkunft zu bieten und angepasst an die individuellen Voraussetzungen einen Betreuungsplan bzw. eine Zielvereinbarung festzulegen, um möglichst rasch die Reintegration innerhalb des regulären Wohnungsmarktes oder die Unterbringung auf einem individuell passenden Wohnplatz zu ermöglichen. (Schluss) vim

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