ÖÄK-Chef Brettenthaler: Freiberufler bei Steuerreform benachteiligt

Besonders freiberufliche Ärzte betroffen - Kritik an "eklatanter Ungleichbehandlung" gegenüber Kapitalgesellschaften -Erleichterungen für ärztliche Institute, jedoch weiter Höchststeuersatz für Ordinationen

Wien (OTS) - Auf eine "eklatante Ungleichbehandlung"
freiberuflicher Einzelunternehmer gegenüber Kapitalgesellschaften bei der Steuerreform hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, hingewiesen. Besonders die freiberuflich in Ordinationen tätigen Ärzte seien im Reformwerk "sträflich vernachlässigt worden", kritisierte der ÖÄK-Chef am Mittwoch in einer Aussendung. Für sie habe sich die Steuerlast aufgrund der schleichenden Anhebung der Progression seit Jahren sukzessive vergrößert. Mit der Steuerreform werde sich die Lage der ärztlichen Ordinationen weiter verschlechtern. Es bleibe für sie der Höchststeuersatz von 50 Prozent, während es für ärztliche Institute -kleine Krankenanstalten, die ärztliche Leistungen anbieten und die zumeist als Kapitalgesellschaften geführt werden - mit der Senkung der Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent erhebliche steuerliche Erleichterungen gebe. "Auf diese Weise werden Einzelpraxen gegenüber ärztlichen Instituten wesentlich benachteiligt", so das Fazit des ÖÄK-Chefs.

Die schleichende Anhebung der Progression seit vielen Jahren habe dazu geführt, dass die Freiberufler und besonders auch die freiberuflich tätigen Ärzte in der Vergangenheit immer mehr Steuern zahlen mussten. Offensichtlich habe man auch bei der jetzigen Reform auf die rund 100 000 für die Volkswirtschaft so wichtigen Freiberufler vergessen, führte Brettenthaler aus. Vor diesem Hintergrund müsse dringend eine Nachbesserung der Reform ins Auge gefasst werden - etwa in Form einer Beseitigung der aufgezeigten Ungleichbehandlung, durch eine Senkung des Spitzensteuersatzes und eine Anpassung von Abschreibungsmöglichkeiten.

Konkret forderte der Ärztekammerchef neben der Beseitigung der Ungleichbehandlung von Ordinationen gegenüber Instituten allem voran eine Anhebung der seit 1989 unveränderten Angemessenheitsgrenze zur Abschreibung für Kraftfahrzeuge und der seit 22 Jahren unveränderten Wertgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter. Diese entsprächen "schon seit Jahren nicht mehr den Anforderungen der Realität", erläuterte Brettenthaler. Weiters müssten Ärzte die Möglichkeit des halben Steuersatzes auf nicht entnommene Gewinne erhalten, die bisher "aus keinem einleuchtenden Grund" auf bilanzierende Unternehmen des Gewerbes und der Land- und Forstwirtschaft beschränkt sei; dieser Ausschluss der Freiberufler dürfte überdies verfassungswidrig sein. Als dritte Ungerechtigkeit müsse die Abschreibung für Abnutzung von Praxisräumen von zwei auf drei Prozent angehoben werden. "Es ist nicht einzusehen, warum Ärzte hier anderen Regelungen unterliegen sollten als etwa gewerbliche Betriebe, Banken oder Versicherungen", so der Ärztechef. "Ordinationsräume nutzen sich nicht langsamer ab als Bankbüros."

"Anderen Betrieben wird freie Fahrt bei der Steuer gegeben, aber die Ampel bei den freiberuflichen Ärzten steht weiter auf Rot. Sie werden von der Entlastung durch das neue Steuerpaket kaum profitieren. Das ist ein schlechtes Signal für einen so stark wachsenden Wirtschaftszweig wie das Gesundheitswesen", so Brettenthalers Kritik. "Auch der Finanzminister sollte nicht vergessen, dass Ärzte zu einem erheblichen Anteil an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes beitragen und ein maßgeblicher Beschäftigungsfaktor sind." (Schluss)

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