2. Wiener Kindervorlesung: Porträt von Verena Winiwarter

Wien (OTS) - Die Generalprobe in der Volksschulklasse ihres 10jährigen Sohnes vor einigen Tagen war bereits ein Erfolg: Wenn Univ.Doz. Ing. Dr. Verena Winiwarter kommenden Sonntag (18.1.) die 2. Wiener Kindervorlesung im ZOOM zum Thema "Geschichte des Abfalls" halten wird, weiß die Historikerin bereits recht gut, worüber sie die Aufmerksamkeit der 8 bis 12jährigen erlangen wird. Etwa mit der Geschichte über die Toilette, von Ephesos über das Mittelalter bis in die Gegenwart hinein. Einzig der Umgang mit historischem Zahlenwerk gibt ihr noch die eine oder die andere Nuss zum Knacken auf: Wie erklärt man einem 8jährigen, der noch ohne Geschichtsunterricht ist, die Bedeutung von Epochen? Ansonsten gibt sich Mutter zweier Kinder -neben Ehemann und dem Sohn gibt es auch noch eine 12jährige Tochter -erwartungsvoll: Anders als bei ihren Studenten auf der Universität Wien darf sie sich von den Kindern "jede Menge direkte Fragen" erwarten. Denn, so Winiwarter: "Kinder gehören zu den kritischsten Zuhörern."

Umweltgeschichte: In Europa universitär schlecht verankert

1961 in Wien geboren kam die Beschäftigung mit der Geschichte der Umwelt eher zufällig. Winiwarter, die vor ihrem Geschichtsstudium ein Kolleg für technische Chemie besuchte, kam über eine Mittelalter-Vorlesung mit der Umweltgeschichte erstmals in Kontakt. Während ihres Studiums, welches sie 1989 abschloss, war das Thema Umweltgeschichte noch "ein reines Exotenfach". Heute haben bereits 60 Studenten das 6semestrige Spezialmodul "Umweltgeschichte" auf der Uni Wien gewählt. Während in den USA das Fach seit den späten 70er Jahren universitär gut verankert ist, kämpft Winiwarter, die seit 2001 auch Präsidentin der "Europäischen Gesellschaft für Umweltgeschichte" ist, noch immer um die Etablierung dieses Faches. In den letzten Jahren geht es aber aufwärts: Die europäische Vereinigung zählt bereits knapp 400 Mitglieder, regelmäßige Kongresse - bisher in Schottland und Prag, nächstes Jahr in Florenz - helfen mit, das Fach dauerhaft im universitären Milieu zu verankern. Heute existieren bislang in Nordschweden und in Schottland zwei entsprechende Institute für Umweltgeschichte. Der Weg in das universitäre Herz Europas ist noch ein weiter.

Begeisterung für das Handfeste

Sie selbst, die seit 1989 in der freien Forschung arbeitet und heute auf der Universität für Bodenkultur wie auch am IFF beheimatet ist, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Umweltgeschichte von Agrargesellschaften, insbesondere des Bodens. "Ich habe immer einen sehr praktischen Zugang zur Geschichte gehabt", erzählt die 43jährige. So erarbeitete sie während ihres Studiums für die Tageszeitung "Der Standard" den aktuellen "Luftgütebericht" - ein purer "Studentenjob" wie sie heute meint - in den historischen Seminaren war sie seinerzeit die einzige, die historischen Jahrbüchern über das Bodendüngen eine dauerhafte Faszination abgewinnen konnte. Im Sommersemester letzten Jahres arbeitete sie als Forschungsassistentin an der Uni St. Gallen (Schweiz). Derzeit ist sie APART-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Begeisterung für das Handfeste und Praktische wird von den Kindern im ZOOM sicherlich goutiert werden.

Weitere Infos:

o Europäisch Gesellschaft für Umweltgeschichte: http://www.eseh.org/ o Publikationsliste Winiwarter: http://www.iff.ac.at/umweltgeschichte/

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