WirtschaftsBlatt-Kommentar Grasser sind KMU nur halb so viel wert

von Daniela Friedinger

Wien (OTS) - Unter Regierungsvertretern ist das Wetteifern um Superlativen ausgebrochen. Wer die Steuerreform nicht mindestens als Mutter aller Reformen tituliert, unterliegt. Ein wenig hat dieses Sonnen im Erfolg auch seine Berechtigung: Immerhin hat die Regierung mit der Ankündigung, die Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent zu senken, sogar Steuerexperten überrascht.

Sie wagten nur, auf einen KöSt-Satz von 29 oder 28 Prozent zu hoffen. Doch wer sich von der Strahlkraft der künftigen 25 Prozent zu sehr blenden lässt, übersieht, dass die KöSt-Reduktion selbst innerhalb der Wirtschaft Gräben aufreisst.

Zwar ist richtig, dass Österreich innerhalb der alten EU aufs Stockerl rückt und nur noch vom kleinen Irland mit 12,5 Prozent KöSt von Platz Eins ferngehalten wird. Und richtig ist auch, dass der Unterschied zu den künftigen EU-Mitgliedern schrumpft.

Doch zum einen wird dies nur durch eine scheinbare KöSt-Reduktion um neun Prozentpunkte erkauft. Um das grosszügige Absenken des Steuersatzes zu finanzieren, wird schliesslich bei der Anrechenbarkeit von stillen Reserven und der Eigenkapitalverzinsung an der Steuerschraube gedreht. Das Volumen der Entlastung wird damit für Kapitalgesellschaften um 200 Millionen Euro vermindert.

Zum anderen ist nicht alles Gold, was glänzt, weil diese Massnahme Kleinbetriebe gleich doppelt trifft: Sie haben nichts von der KöSt-Senkung, verlieren aber noch dazu die steuermindernde Wirkung von stillen Reserven und Eigenkapitalverzinsung.

Über diese neue Kluft zwischen Grosskonzernen und KMU kann auch nicht hinwegtäuschen, dass für Einzel- und Personengesellschaften ab heuer der halbe Steuersatz für nicht entnommene Gewinne gilt. Denn dieses Gesetz ist mit so vielen Fallstricken behaftet, dass nur ganz wenige profitieren werden. So sind zum Beispiel Freiberufler und Einnahmen-Ausgaben-Rechner von vornherein ausgeschlossen. Bilanzierende Einzel- und Personengesellschaften, auf die sich der Begünstigtenkreis beschränkt, können nur maximal 25.000 Euro aus dieser Neuregelung lukrieren.

Wenn Regierungsvertreter die Benachteiligung der Kleinen dennoch stets bestreiten und auf die nicht entnommenen Gewinne verweisen, dann sei an ihre eigenen Berechnungen erinnert: Während Finanzminister Grasser die KöSt-Senkung mit 975 Millionen Euro budgetiert, hat er für die KMU nur 400 Millionen in die Hand genommen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001