Offener Brief von Stadträtin Karin Landauer an Bürgermeister Dr. Michael Häupl

Bei meinem gestrigen sogenannten Praktikumstag im Geriatriezentrum am Wienerwald konnte ich miterleben, welch hervorragende Arbeit das Pflegepersonal leistet.
Damit zeigt sich für mich einmal mehr, dass die Fehler und Missstände, die durch den aktuellen Pflegeheimskandal neuerlich an die Öffentlichkeit gedrungen sind, im System liegen. Für diese Systemmängel tragen Sie als Bürgermeister die Letztverantwortung.

Wien könnte 700 Zivildiener im Pflegebereich einsetzen, in Wirklichkeit waren es bis September des Vorjahres 277. Diese Zahl wurde mittlerweile auf 300 erhöht. Ich frage Sie deshalb Herr Bürgermeister, wann werden die weiteren fehlenden 400 Zivildiener im Pflegebereich eingesetzt werden? Diese könnten dem Pflegepersonal und den Bewohnerinnen und Bewohnern eine wirkliche Hilfestellung leisten und zwar bei verschiedenen Zuwendungen, wie z.B. Bewohner vom Friseur abholen, nach einer Einschulung Pflegebedürftigen das Essen reichen, mit ihnen singen und so weiter und so weiter. Diese Aufgaben konnte ich gestern durchführen und ich hatte nicht einen Augenblick das Gefühl ein Störfaktor im täglichen Ablauf für die Bewohnerinnen und Bewohner zu sein.

Herr Bürgermeister, ich fordere Sie auf, die fehlenden Zivildiener sofort anzufordern, denn durch eine notwendige Einschulung geht ohnedies noch ein wenig Zeit verloren.

Herr Bürgermeister, wenn alle 115 politischen Mandatare des Rathauses bei einem sogenannten Praktikumstag für die Bewohnerinnen und Bewohner mitmachen würden, wäre beinnahe ein Drittel des Jahres erfasst. Wenn man diesen Gedanken noch weiter verfolgen möchte und alle 23 Bezirksvorsteher sowie die Bezirksrätinnen und Bezirksräte in diese Aktion einbinden könnte, würde in den Pflegeeinrichtungen viel an Animation und individueller Zuwendung möglich sein. Dieses Projekt „Sonnenschein“ muss aber organisiert ablaufen und darf nicht zu einer Alibiaktion verkommen.

Ich bitte Sie, Herr Bürgermeister, die von mir eingebrachten Vorschläge zu überdenken und rasch die notwendigen Schritte zu setzen. Da mich dieser gestrige Tag sehr bereichert, aber gleichzeitig auch sehr nachdenklich gemacht hat, würde ich Ihnen gerne bei der Realisierung des Projektes „Sonnenschein“ behilflich sein.

Mit freundlichen Grüßen

Karin Landauer

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