"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Hausgemachte Sorgen" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 09.01.2004

Wien (OTS) - Nicht ein einziger Lkw ist in den letzten Jahren mangels Ökopunkten an den heimischen Grenzen zurückgewiesen worden -nicht in Hörbranz, nicht in Innerösterreich und auch nicht auf der besonders transitgeplagten Brenner-Route durch das Tiroler Wipptal. Auch die alte Ökopunkteregelung war also ein ziemlich zahnloses Instrument gegen die Transitlawine.
Sie war trotzdem wichtig: Als Signal an die Frächter, abgasarme Lkw einzusetzen; und als sanfter Anreiz, den einen oder anderen Transport auf die Schiene zu verlagern.
Ein wesentlich wirksameres Instrument zur Bekämpfung stinkender Lkw und übermüdeter Lenker sind die Verkehrskontrollen, die seit Mittwoch in ganz Österreich stattfinden. Schon am ersten Kontrolltag waren allein in Hörbranz von 62 überprüften Lkw sechs überladen und zwei Fahrer hatten die Ruhezeiten nicht eingehalten. Jeder achte war somit nicht voll verkehrssicher - und dabei war der Prüfzug noch gar nicht im Einsatz, der genaue Untersuchungen ermöglicht.
So weit, so schlecht. Wie wirksam und daher sinnvoll solche Kontrollen sind, beweist die erregte Reaktion des freiheitlichen Landesparteiobmanns Dieter Egger. Die Kontrollen müssten "mit Augenmaß und Vernunft" durchgeführt werden, wetterte er vorbeugend schon Anfang Jänner - kurz nachdem sein Parteifreund Verkehrsminister Hubert Gorbach entsprechende Maßnahmen angekündigt hatte. In Vorarlberg seien "90 Prozent des Verkehrs hausgemacht, und der Transit spielt nur eine untergeordnete Rolle".
Ein wahres Wort, das keineswegs nur für Vorarlberg gilt. In ganz Österreich - mit Ausnahme des Tiroler Inntals - ist der Verkehr weitestgehend "hausgemacht". Das darf aber noch lange kein Grund sein, auf die Einhaltung von Vorschriften zu verzichten. Schlecht gewartete Lkw stinken, ob sie nun ein österreichisches oder irgendein ausländisches Kennzeichen tragen; übermüdete Lenker sind eine Gefahr, egal, welchen Pass sie bei sich tragen.
Die Lkw-Lawine werden wir allerdings auch so nicht eindämmen können. Überflüssige Transporte sind nur durch zusätzliche Kosten auszubremsen, und die Verlagerung auf die Schiene wird nur klappen, wenn die Bahn flott und zuverlässig wird. Schnell ist sie derzeit nicht: Die Post befördert Pakete aus Zeitgründen lieber per Lkw und verlangt einen Mautzuschlag. Und was die Verlässlichkeit der ÖBB anlangt, klingen die jüngsten Streikdrohungen von ÖGB-Präsident Verzetnitsch wie eine Aufforderung an die Wirtschaft, künftig lieber noch mehr auf den Lkw zu vertrauen.
So werden wir die Verkehrslawine nicht in den Griff bekommen. Die Erregung über die EU und die neue Pseudo-Regelung darf nicht verdecken, dass wir ein weitgehend hausgemachtes Problem haben, für das wir auch hausgemachte Lösungen entwickeln müssen: Durch korrekte Kontrollen von Lkw, durch Ausbau und Verbesserung der Schienen-Infrastruktur und auch durch eine gemeinsam mit der EU zu entwickelnde Wegekostenrechnung.

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