SPÖ-Neujahrskonferenz: Bildungsdiskussion zum Thema "Zukunft - Jugend - Chancen" (1)

Wien (SK) "Wir Sozialdemokraten verstehen Zukunft im Sinn
einer dynamischen Definition", betonte SPÖ-Jugendsprecherin Heinisch-Hosek anlässlich der Neujahreskonferenz der SPÖ am Donnerstag in einer von ihr moderierten Diskussionsrunde zum Thema "Zukunft - Jugend - Chancen". Es dürfe keine Rolle spielen, ob Kinder zugewandert sind oder einheimisch, ob jemand am Land lebt oder in der Stadt und ob es sich um Mädchen oder Buben handelt, zeigte sich Heinisch-Hosek überzeugt. "Wir Sozialdemokraten haben Konzepte für die Zugangsgerechtigkeit", so Heinisch-Hosek, die Diskussion darüber brauche einen breiten gesellschaftlichen Konsens und erfordere sowohl die Bereitschaft über Grenzen zu schauen als auch mit Experten und anders denkenden zu diskutieren, unterstrich die SPÖ-Jugendsprecherin. Es diskutierten außerdem Günter Haider (Leiter der Zukunftskommission des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur), Erwin Niederwieser (SPÖ-Bildungssprecher), Romana Brait (Bundesschulsprecherin, AKS) und Günter Steindl (Sekretär des Vorsitzenden der Gewerkschaft Metall und Textil). Niederwieser ortete "dringenden Reformbedarf" in der Bildungspolitik. *****

Heinisch Hosek forderte "Bündnisse und Allianzen" gegen die Jugendarbeitslosigkeit, um sich in der "bestehenden, erweiterten und gesamten globalen Welt behaupten zu können". "Die Zahlen sind bedenklich, nicht nur aus unserer, sondern aus Expertensicht - wir müssen darauf fokussieren, die Arbeitslosigkeit einzudämmen", so die SPÖ-Jugendsprecherin. 42.000 junge Menschen besuchen weder eine Schule, noch haben sie einen Arbeitsplatz, 63.000 junge Menschen sind Arbeitsuchende, davon suchen 58.000 eine Arbeit, 4.500 eine Lehrstelle, so Heinisch-Hosek. "Die Zahlen zeigen, dass hier weggeschaut wurde, wir müssen aber hinschauen", sagte Heinisch-Hosek. Dass der Bundeskanzler die Arbeitslosigkeit als "Schönheitsfehler" bezeichnet habe, sei ein Skandal. Diese breite Diskussion über das Thema "Zukunft - Jugend - Chancen" wird Chancen auf Umsetzung haben und auch diverse Minister anregen, nicht parteipolitisch zu handeln", zeigte sich die SPÖ-Jugendsprecherin überzeugt.

Niederwieser sieht "dringenden Reformbedarf" in der Bildungspolitik

"Dringenden Reformbedarf" in der Bildungspolitik sieht auch SPÖ-Bildungssprecher Niederwieser gegeben. "Es darf keine Oppositionspolitik auf dem Rücken unserer Kinder stattfinden, das einzig entscheidende sind die Kinder und Jugendlichen, wenn es ihnen nützt, unterstützen wir sinnvolle Maßnahmen", so Niederwieser. Bei Bildungsfragen habe die SPÖ im Vergleich zu anderen Parteien einen "schönen Vorsprung", so der SPÖ-Bildungssprecher. "Jede Form der Verbesserung von Nachmittagseinrichtungen ist eine Verbesserung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagte Niederwieser. In der Ganztagsschule können Kinder "Schule als Haus des Lernens" erleben und sich gleichzeitig wohlfühlen. "Ganzstagsschulen und der Ausbau von ganztägiger Betreuung sind ein pädagogischer und sozialer Auftrag für eine bessere Schulqualität und mehr Chancengleichheit. Ein erster Schritt sind 100.000 zusätzliche Ganztagsplätze in den nächsten zehn Jahren", unterstrich Niederwieser. Die PISA Studie hat ergeben, dass wir beinahe 15 Prozent Analphabeten (rund 14.000) eines Altersjahrgangs haben, "Früherkennung von Leseschwächen und Förderung der Lesefreude sind entscheidende Aufgaben für Schule und Eltern", so Niederwieser.

Niemand könne seriös über die Bildungslaufbahn zehnjähriger Kinder entscheiden und dennoch geschehe es, kritisierte der SPÖ-Bildungssprecher und forderte die kooperative Mittelschule als reguläre Schulform. Außerdem müssen Schulqualität und LehrerInnenaus- und Weiterbildung untrennbar miteinander verbunden sein, so Niederwieser. Auch die Weiterentwicklung der Bildungskarenz, die Einführung einer Bildungsprämie und eine deutlich höhere Dotierung der Erwachsenenbildung seien unerlässlich für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Ein weiterer Punkt ist die Schaffung von demokratischen Strukturen mit Mitbestimmungsrechten der Studierenden und Lehrenden, die Finanzierung des weiteren Ausbaus, eine Verbreiterung der vielfach sehr berufsspezifischen Ausbildungsgänge, sowie die Verbreiterung der Zugangsschiene für FacharbeiterInnen. Für die Universitäten müsse gelten, dass es keine finanziellen Barrieren für den Zugang zum Studium geben dürfe. "Die Bundesregierung sagt, es fehlt uns an Forschern und Forscherinnen zur Erfüllung der Forscherquote - die Regierung soll die Mittel endlich zur Verfügung stellen", forderte Niederwieser. "Unsere Aufgabe ist es, Bildungsthemen anzusprechen, die SPÖ ist die Bildungspartei", schloss Niederwieser.

Steindl: 12.500 bleibt Zugang zur Lehre verwehrt

"Wir haben ein Problem am Lehrstellenmarkt, wir wissen es, nur eine Gruppe weiß es nicht, die Regierung", so Günter Steindl. Dass Österreich hinter den Niederlanden in diesem Bereich die zweitbeste Position einnehme, nütze den Lehrstellensuchenden nichts, "rund 12.500 bleibt der Zugang zur Lehre verwehrt", kritisierte Steindl. Was geschieht, skizzierte Steindl wie folgt: Es gibt eine radikale Reduktion an Ausbildungsplätzen in den Ministerien, einen unglaublichen Rückgang um 19,8 Prozent an Lehrstellen der Wirtschaft, eine Verlängerung des Jugendausbildungssicherungsgesetz (JASG) erfolgte erst nach massivem Druck, es muss Dauerrecht werden. "Was wir brauchen ist ein Bekenntnis zu einer qualitätsorientierten Ausbildung und eine faire Finanzierung, keine Gießkannenförderung", so Steindl. "Die Kapazitäten in den Lehrwerkstätten müssen genutzt werden, 1.000 jungen Menschen wird die Tür vor der Nase verschlossen", monierte Steindl. Die Mehrheit der jungen Menschen bekomme nicht den Beruf, den sie sich wünschen, deswegen müssen folgende Ansprüche an die Erstausbildung gelten: Die Fähigkeiten der Menschen müssen berücksichtigt werden und neue Berufsfelder erkannt werden. Die Ausbildung und Weiterbildung der AusbildnerInnen müsse gewährleistet werden; die Ausbildung dürfe nur im Rahmen von Lehrberufen stattfinden, die volle Beruflichkeit/Berufsfähigkeit ist sicherzustellen (modulare Ausbildung). Es dürfe im weiteren keine ausschließliche Beschränkung auf unmittelbar produktive Verwertbarkeit geben und keine Schmalspurlehrberufe (Regalbetreuer,...). "Erstausbildung muss so breit wie möglich und so spezifisch wie notwendig sein, Flexibilität muss durch Qualifikation gegeben sein", betonte Steindl und forderte ein faire Finanzierung. Den Gesamtbedarf sieht er bei 168 Millionen Euro. Wenn alle einzahlen sei eine Umsetzung möglich, die kurzfristig mehr Ausbildungsplätze für Jugendliche schaffen werde und mittel- und langfristig Qualität gewährleisten wird, zeigte sich Steindl überzeugt. (Forts.) sk

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