Gewerbe und Handwerk blicken optimistischer ins neue Wirtschaftsjahr

Bergauftendenz setzt sich fort - Bundessparte weist auf große Lehrlings-Ausbildungsleistung hin - Gegen Strafsteuer und verpflichtende Fonds für Lehrbetriebe

Wien (PWK008) - "Das neue Jahr beginnt mit guten Nachrichten: Die aktuellen Ergebnisse zeigen eine positive Entwicklung im österreichischen Gewerbe und Handwerk", betonte heute, Donnerstag, der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Geschäftsführer der Bundessparte, Helmut Heindl, und dem Leiter der KMU-Forschung Austria, Walter Bornett. Die Bergauftendenz der vorangegangenen Quartale habe sich fortgesetzt, sodass man für 2004 durchaus von einer echten Konjunkturerholung ausgehen könne. Erstmals seit 1999 habe sich das Stimmungsbarometer positiv entwickelt.

In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand im Vergleich zum viertel Quartal 2002 um sieben Prozent gestiegen. Ausschlaggebend dafür, so Bornett, war ein Anziehen der privaten Nachfrage, während von der öffentlichen Hand kaum Impulse ausgingen. Der Anteil der öffentlichen Hand stagniert auf niedrigem Niveau. Im konsumnahen Bereich hat sich die Situation ebenfalls verbessert und die Abwärtsentwicklung der letzten beiden Jahre bzw. der ersten drei Quartale 2003 wurde beendet. Für den Jahresbeginn, so der KMU-Forscher, zeige die Kurve der Auftragseingangserwartungen in den investitionsgüternahen Branchen deutlich nach oben, in den konsumnahen Branchen seien die Umsatzerwartungen verglichen mit dem Vorjahr annähernd stabil. 79 Prozent der Betriebe beabsichtigen den Beschäftigungsstand auch in den nächsten Monaten zu halten.

Die Erwartungen von Gewerbe und Handwerk an die Regierung zielten auf eine bessere Abstimmung der raschen betrieblichen Veränderungen mit den sonstigen wirtschaftlichen Gegebenheiten. So gelte es nicht nur Firmengründungen sondern auch Betriebsübergaben zu fördern. Als nicht ausreichend erachte er die EU-rechtliche Begrenzung, wonach die nationale Förderung 100.000 Euro für drei Jahre nicht überschreiten dürfe. Diese EU-Regelung sei für Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeiter "kein kraftvolles Instrument gegen Abwanderung". Er erwarte eine nationale Initiative auf EU-Ebene für eine bessere nationale Förderung, damit die Erhaltung und Innovation der Betriebe erleichtert und gefördert werden könne, so Toifl, und regt eine Verdoppelung der möglichen Fördersumme und eine Ausweitung der Verwendungsmöglichkeiten etwa für Betriebsübersiedelungen und Produktentwicklungen an.

Besonders bedeutend, so Toifl, sei angesichts der aktuellen Arbeitsmarktlage die Beschäftigungssituation in den Gewerbe- und Handwerksbetrieben: Im Durchschnitt der Monate Jänner bis November 2003 waren in den rund 63.000 Betriebe der Sparte - wie auch im Vorjahr - etwa 600.000 Menschen beschäftigt. "Diese Entwicklung wird auch 2004 anhalten. Damit ist und bleibt das Gewerbe der Beschäftigungsmotor am heimischen Arbeitsmarkt", unterstrich der Spartenobmann.

Gerade in Hinblick auf den Arbeitsmarkt sei das Thema Lehrlinge für die Bundessparte von gravierender Bedeutung. Jeder zehnter Mitarbeiter der Betriebe aus Gewerbe und Handwerk sei ein Lehrling, überhaupt sei jeder zweite der rund 125.000 Lehrlinge in Österreich in Betrieben der Sparte in Ausbildung. Zudem hat 2003 die Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge um 1,8 Prozent zugenommen. "Wir nehmen unsere Aufgabe sehr verantwortungsvoll wahr", unterstrichen Toifl und Heindl unisono.

Jene 3.000 bis 4.000 Lehrlinge, die in Österreich keinen Ausbildungsplatz finden würden, seien oftmals für einen Lehrantritt nicht ausreichend qualifiziert. So konnten bei der im vergangenen Jahr von der WKÖ gestarteten Lehrlingsaktion nur rund 30 Prozent der rund 3.000 als offen genannten Ausbildungsplätze besetzt werden. Nun gelte es deshalb rasch Maßnahmen zu treffen, um auch jene Jugendlichen lehrvertragsfähig zu machen, denen bisher die Qualifiaktionen fehlten. Die Ausarbeitung von Bildungsstandards für die schulischen Nahtstellen, die bis Sommer 2004 vorliegen sollen, sei hierfür ein erster wichtiger Schritt.

Zu der aktuell diskutierten Strafsteuer für nicht ausbildende Betriebe von Lehrlingen, merkte Toifl an, dass dies absolut nicht zielführend sei, weil damit sowohl Betriebe als auch Lehrlinge auf der Strecke bleiben würden. Ausbildungsverbünde seien auf freiwilliger Basis eine gute Möglichkeit, um Berufsbilder, die nicht von einem Unternehmen abgedeckt werden könnten, gemeinsam mit anderen Betrieben anzubieten. Eine Anregung sieht der Bundesspartenobmann auch darin, Überkapazitäten in den Berufsschulen miteinzubeziehen, um Defizite bei Berufsbildern abzudecken.

Gleichzeitig spricht sich die Bundessparte Gewerbe und Handwerk auch gegen einen generellen Lehrlingsausbildungsfonds aus. "Wir wollen keine Zwangsbeglückung. Zwangsabgaben wie diese schaffen keine zusätzlichen Lehrstellen, sondern belastet die, die nicht ausbilden können", so Toifl, der zudem auf den Fonds der AUVA verwies, der gegründet worden sei, um die Risiken aus Berufsunfällen abzudecken. Aktuell seien aber nur 30 Prozent der Unfälle aus der Wirtschaft abzudecken, 60 Prozent kämen aus anderen Bereichen - die Wirtschaft speist den Fonds aber zur Gänze.

Die aktuellen Daten der KMU Forschung Austria finden sie unter www.wko.at

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Presseabteilung
Mag. Ulrike Sporer, MAS
Tel.: (++43-1) 0590 900-4161
Fax: (++43-1) 0590 900-263
presse@wko.at
http://www.wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0004