Hoch explosives Ammonnitrat meist illegal gelagert

Linz (OTS) - Ammonnitrat ist hoch explosiv; trotzdem wird es in Österreich mehr und mehr aufgrund des scheinbar billigeren Preises als Alternative zu qualitativ hochwertigen und auflagen-geprüften Düngemittel eingesetzt. Düngemittel-Händler nahe der Grenze zu Ungarn oder Italien können Mittel und Wege finden, um auch heimische Kunden mit Ammonnitrat zu versorgen. Die Landwirte sind sich allerdings oft der Gefährlichkeit dieses Produktes nicht bewusst. Außerdem ist die Lagerung von Ammonitrat ohne Baubewilligung strafbar.

Die Kombination explosiv und billig macht Ammonnitrat zu einem geeigneten Sprengstoff, wie z.B. für die Selbstmordattentäter in Istanbul im November 2003. Die Bilanz dieser Anschläge auf das britische Konsulat und Synagogen: 61 Tote, 712 Verwundete. Auch die Bombe in Oklahoma City 1995, die 168 Menschenleben forderte, entstand aus einem Gemisch von Ammonnitrat und Heiz(Schwer-)öl.

Zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit unterliegt das hoch explosive Ammonnitrat den strengen ADR-Auflagen für Gefahrengut-Transport und den TRGS511-Auflagen zur Regelung der Lagerbedingungen und der erforderlichen Produkt-Auszeichnung und -information. Spezielle Vorkehrungen sind insbesondere bei der Zusammenlagerung mit anderen Produkten zu beachten. Im Zuge der Baubewilligung für eine Lagerhalle werden von der Behörde entsprechend dem Verwendungszweck (z.B. Ammonnitrat-Lager) diesbezügliche Vorschriften erlassen. Bei Änderung des Verwendungszwecks ist eine Änderungsanzeige einzubringen, andernfalls ist die Einlagerung von gefährlichen Gütern strafbar. Die Lagerbedingungen sind in der Bauordnung geregelt, die in der Kompetenz der Länder liegt.

Äußerst gefährlich sind nicht beeinflussbare Risikofaktoren, wie z.B. ein Blitz-Einschlag. Dieser könnte eine Verwüstung, die sich weiter über den Lagerstandort hinausstreckt, verursachen. Sollten die TRGS511-Auflagen für die Lagerung von Gefahrengut nicht vollständig erfüllt sein, dann ist damit zu rechnen, dass der entstandene Schaden durch keine Feuerversicherung gedeckt ist.

Davon abgesehen gilt Ammonnitrat zwar als Billigdünger, allerdings ist es aufgrund seiner Produkteigenschaften für eine qualitative Dünger-Ausbringung nur wenig geeignet. Die hohe Kalkzehrung verursacht Kalkbedarf und somit zusätzliche Kosten. Die geringe Streufähigkeit kann zu großen Streufehlern und in Folge zu Mindererträgen führen. Außerdem entsteht für den Anwender ein hoher Manipulationsaufwand, da Ammonnitrat - unter Beachtung aller Auflagen für Transport und Lagerung - nur gesackt in Verkehr gebracht werden darf.

Renommierte Dünger-Anbieter nehmen daher von der Ammonnitrat-Produktion Abstand. Das Risiko für Arbeitnehmer am Produktionsstandort, Kunden, Anwender und vor allem auch für Anrainer in der Nähe einer Ammonnitrat-Lagerstätte ist zu groß. Nicht zuletzt die Explosion des Düngemittelwerkes in Toulouse (F) am 21. September 2001 hat die Gefährlichkeit von Ammonnitrat nachhaltig bewiesen.

Am Ort der Detonation entstand ein Krater mit einer Größe von ca. 65m x 54m. Der nördliche Teil des Werkes wurde völlig zerstört; darüber hinaus entstanden erhebliche Schäden an benachbarten Anlagen. Ca. 11.000 Häuser und Wohnungen außerhalb des Industriegebietes wurden schwer beschädigt. 30 Menschen wurden getötet, 2.500 verletzt; Sachschäden belaufen sich geschätzt auf 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro.

Transport von Ammonnitrat

Ammonnitrat ist ein Gefahrengut und darf daher nur mit Gefahrenguttransportern befördert werden. Auf Verlangen der Behörde muss ein Gefahrenguttransport inkl. Transportroute nachgewiesen werden können. Als international gültige Regelung gelten die ADR-(Straßentransport) bzw. RID- (Schienentransport) Auflagen.

Lagerung von Ammonnitrat

Werden mehr als 5 Tonnen gelagert, dann muss das Lager behördlich bezüglich Gefahrstoff-Verordnung (GefStoffV) und TRGS511 genehmigt sein. Die Genehmigung von Gefahrengutläger wird nach dem Unfall in Toulouse 2001 noch strenger geprüft. Darüber hinaus darf es nur für ausdrücklich Befugte zugänglich sein. Gegen Witterungseinflüsse und Verunreinigungen muss es geschützt aufbewahrt werden. Spezielle Zusammenlagerungs-Bedingungen bzw. -Verbote sind unbedingt einzuhalten.

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