"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mythos eines Namens soll ÖVP den Landeshauptmann retten" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 08.01.2004

Graz (OTS) - Den Start ins Neue Jahr hatte sich die ÖVP wahrlich anders vorgestellt. Da hätten zuerst die ÖVP-Minister ihr Arbeitsprogramm vorstellen sollen, dann wäre man gemeinsam mit dem Koalitionspartner nach Salzburg gereist und hätte dort die Steuerreform mit vorgezogenen weiteren Vergünstigungen für die Familien verkündet.

Von wegen Salzburg: Der Ort war mit Vorbedacht gewählt. Eine große Regierungsinszenierung an der Salzach war als Schützenhilfe für den angeschlagenen Landeshauptmann gedacht.

Aber Franz Schausberger hat das vereitelt. Jetzt wird der Ausflug nach Salzburg zu einer einzigen Peinlichkeit, denn der Landeshauptmann ist selbstverständlich als Teilnehmer an der Klausur eingeplant. Vielleicht wird er nun im Doppelpack mit seinem alter ego auftreten.

In der Bundes-Partei herrschen Wut und Bestürzung. Da die ÖVP seit dem Aufstieg von Andreas Khol keinen Quasi-Parteiobmann mehr hat, der für die Partei spricht, musste Generalsekretär Reinhold Lopatka die Aufgabe übernehmen, die Sache zu beschönigen.

Aber selbst er konnte sich der Ironie nicht enthalten, wenn er meinte, nun müsse Gabi Burgstaller, die SPÖ-Spitzenkandidatin in Salzburg, gleichsam gegen zwei ÖVP-Landeshauptmänner kämpfen.

Schausberger ist schon länger als Problemfall bekannt. Nach der letzten Wahl hat er den Fehler begangen und seiner Stellvertreterin Burgstaller das Gemeinderessort überlassen, das ihr Gelegenheit gab, effektvoll auch in ÖVP-Gemeinden hineinzuwirken.

Schausberger scheint bemerkt zu haben, dass ihm die Bodenhaftung abhanden gekommen ist und nahm Zuflucht zu einem - wie er wohl meint - immer probaten Mittel eines ÖVP-Landeshauptmanns, nämlich der Bundespolitik seiner Partei die Schuld am eigenen Ungemach zu geben.

Ähnlich verhielt sich übrigens Josef Pühringer in Linz, dessen Schicksal Schausberger vollends in Schrecken versetzt haben dürfte. Aber die Methode, sich an der Bundespartei abzuputzen, nützt nur wirklich starken Landeshauptmännern wie Erwin Pröll oder seinerzeit Josef Krainer.

In seiner Panik präsentiert Schausberger nun Wilfried Haslauer. Der Mythos eines großen Namens soll der Salzburger ÖVP nocheinmal den Landeshauptmann retten. Aber wie soll das gehen? Die Flucht nach vorne, nämlich Haslauer sofort zum LH-Kandidaten zu machen, ist verbaut, weil dieser ein Quereinsteiger ohne Erfahrung in der Politik ist. ****

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