Peymann kommt für NEWS nach Wien

Im Interview: "Schlingensief ist ein langweiliger Zwerg"

Wien (OTS) - Claus Peymann, legendärer Burgtheaterdirektor, feiert sein Wien-Comeback. Am 31. Jänner wird am Akademietheater nach 116 Vorstellungen Thomas Bernhards "Ritter Dene Voss" wieder aufgenommen. Zuvor kommt Peymann auf NEWS-Einladung ins Wiener Schauspielhaus: Am 27. Jänner erörtert er im Gespräch mit Heinz Sichrovsky bedrängende künstlerische und außerkünstlerische Themen und wird dabei gewiss keine überflüssige Zurückhaltung walten lassen. Erste Proben seiner Beredsamkeit gibt er in der aktuellen NEWS-Ausgabe.

Peymann über Christoph Schlingensiefs Burgtheater-Debüt mit Elfriede Jelineks "Bambiland": "Er muss in der Emigration arbeiten, weil sich in Berlin bei ihm alle langweilen. Das hat man alles schon gesehen. Jetzt ist er reif fürs Burgtheater." Dass die Aufführung, anders als anno 1989 "Heldenplatz", kein Skandal wurde, verwundert Peymann nicht: "Ich bin nicht einmal bereit, darüber nachzudenken, was Schlingensief und Bernhard gemeinsam haben könnten! Der eine ist ein Riese, der andere ein Zwerg. Der eine ein Genie, der andere ein amüsantes Kerlchen und ein netter Entertainer, der irgendwann seine Fernseh-Show kriegt. Da gehört er auch hin."

Am Volkstheater hätte sich Peymann "sehr gut eine Frau vorstellen können. Schottenberg kenne ich zu wenig, um ihn zu beurteilen."

Deutlich wird er zu "Josefstadt"-Chef Hans Gratzer und seinen Problemen: "Er ist mit dem Job überfordert. Jeder wusste doch vorher, dass er eine Fehlbesetzung ist. Da gehört entweder ein Routinier hin, der dieses konservative Haus behutsam renoviert, oder ein Titan, der die Stunde Null ausruft und aus der "Josefstadt" wie zu Reinhardts Zeiten wieder ein richtiges Theater macht. Das war die "Josefstadt" in den letzten Jahrzehnten ja nie, eher eine Schlummerstube, trotz gelegentlicher Lohner’scher Aufwallungen. Gratzer ist kein Titan, und für einen behutsamen Reformer hat er zu wenig Ahnung. Wo soll er die auch erworben haben? In der Porzellangasse?"

Peymann abschließend zum Berufsbild des Theaterdirektors: "Es ist ganz gut, wenn man als Intendant ein bisschen gehasst wird. Wenn man von allen geliebt werden will, soll man Dramaturg, Regisseur, Schauspieler oder Kardinal werden. Wir belügen uns alle gern, und Schauspieler am liebsten. Kein Schauspieler sucht den Grund für Misserfolg und Karriereabsturz bei sich. Schuld ist immer der Intendant. Der Aufstieg von Voss war die Tragödie von Brandauer, Morak und Heltau, und der Aufstieg von Kirsten Dene war der Untergang von Erika Pluhar. Und das Resultat ist nicht etwa, dass Kirsten Dene mich liebt. Sondern dass Erika Pluhar mich hasst."

Claus Peymann im Gespräch mit Heinz Sichrovsky. Dienstag, 27. Jänner, 19.30, Schauspielhaus Wien (9., Porzellangasse 19). Eintritt frei, Spende von 10 Euro für die Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" erbeten. Karten: (01) 317 01 01.

Rückfragen & Kontakt:

Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NES0001