ÖGJ fordert rasche Umsetzung des Lastenausgleichs in der Lehrlingsausbildung

Maderner: Gerechte Finanzierung sichert Quantität und Qualität

Wien (ÖGJ). "Die sich rasant verschlechternden Zahlen am Lehrstellenmarkt sind hinlänglich bekannt. Jetzt geht es darum, endlich aktiv zu werden und statt den laufenden Förderungen im Gießkannenprinzip, die nachweislich keine Erfolg bringen, die Lehrlingsausbildung auf eine gerechte Finanzierungsschiene zu bringen", erklärte der Bundessekretär der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) Stefan Maderner heute bei einer Pressekonferenz. "Die Österreichische Gewerkschaftsjugend kämpft seit vielen Jahren für eine faire Finanzierung der Ausbildungskosten innerhalb der Wirtschaft. Nun ist es mit der Ernennung Egon Blums zum Lehrlingsbeauftragten der Bundesregierung an der Zeit, diese auch umzusetzen."++++

Derzeit finanzieren die ausbildenden Unternehmen die Fachkräfte von morgen für die Lehrlingsverweigerer von heute. Nach dem Modell der ÖGJ sollten alle, die ausbilden könnten, in einen Ausbildungsfonds einzahlen und jene Betriebe, die ausbilden, Förderungen durch diese Umlagefinanzierung erhalten. "Vorraussetzung für den Erhalt von Förderungen muss die Einhaltung von Ausbildungsrichtlinien und Qualitätsstandards sein", so Maderner.

Das Modell der Österreichischen Gewerkschaftsjugend sieht vor, dass eine Bundesjugendstiftung sowie neun Landesstiftungen die Finanzmittel des Ausbildungsfonds verwalten und für die Durchführung verantwortlich sind. Diese Stiftungen könnten beispielsweise beim AMS angesiedelt sein, da hier bereits die Strukturen vorhanden sind. Die Mittelaufbringung soll auf Grundlage der Beschäftigtenzahl und der Gewinne der Unternehmen erfolgen. Es sind jedoch auch bereits bestehende Fonds wie z.B. der Insolvenzausgleichsfonds, der bei der Lehrlingsprämie herangezogen wird, mit zu berücksichtigen. Zusätzlich kann die Summe, die heute für die Gießkannenförderung der Lehrbetriebe verwendet wird und im Jahr 2004 einen Betrag von mehr als 121 Millionen Euro erreichen wird, in den Fonds einfließen.

Die Bundesjugendstiftung hat neben der Mittelaufbringung auch noch weitere Aufgabenfelder. Diese sind z.B. die Erarbeitung von Statistiken und Studien, eine europäische Vernetzung, eine regelmäßige Analyse des Lehrstellenmarktes, Berufsbildforschung, die Erstellung von Richtlinien zur Verwendung der Fördermittel sowie die Zuweisung dieser an die Landesstiftungen.

Die Landesjugendstiftungen verwalten und vergeben nach den Richtlinien und Vorgaben der Bundesjugendstiftung die Finanzmittel. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Beratung und Information der Wirtschaft. AusbildungsberaterInnen sollen die UnternehmerInnen animieren, eigene Lehrlinge auszubilden. Weiters soll die Landesjugendstiftung über Fördermöglichkeiten informieren und Hilfestellung bei der erstmaligen Ausbildung von Lehrlingen leisten.

Unternehmen, die bereits Lehrlinge in einem Regellehrverhältnis ausbilden, sollen verschiedene Leistungen über die jeweilige Landesjugendstiftung erhalten wie beispielsweise die Auszahlung einer Ausbildungsförderung bei erfolgreich abgelegter Lehrabschlussprüfung, die Möglichkeit zur Abrechnung anteiliger Kurskosten pro Jahr und Lehrling für Unternehmen, die das Berufsbild nicht voll erfüllen und die Lehrlinge daher auf Kurse schicken (Verbundmaßnahmen) oder Förderungen pro Lehrling und Lehrjahr für über das Berufsbild hinaus ermöglichte Weiterbildung (Qualifikationsscheck).

Jugendliche, die kein reguläres Lehrverhältnis erhalten, sollen ab 1. Oktober des Jahres in Stiftungsmaßnahmen aufgenommen werden. Diese Maßnahmen bieten den Jugendlichen vor allem Berufsorientierung, Berufsbegleitung und Berufsfindung. Weiters liegt ein Schwerpunkt darin, alternative und innovative Ausbildungsprojekte zu initiieren. Die konkrete Durchführung der Ausbildung soll bei Trägerorganisationen erfolgen.

"Für die Umsetzung all dieser Maßnahmen müssen durch den Ausbildungsfonds rund 200 Millionen Euro bereitgestellt werden. Eine weitere Mittelaufbringung über die öffentliche Hand kann die positiven Auswirkungen noch zusätzlich verstärken", ist Maderner sicher.

ÖGB, 7. Jänner 2004
Nr. 003

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