WirtschaftsBlatt-Kommentar Die Schnee-Aktie schmilzt leicht

von Franz Gansrigler

Wien (OTS) - Wer wie Österreichs Touristiker auf die Schnee-Aktie setzt oder setzen muss, der treibt sich in einem risikoreichen und möglicherweise mit hohen Stranded Costs verbundenen Bereich herum. Zur Lawine verdichtet können nicht nur Schneemassen, sondern auch gigantische Investitionen in Liftanlagen in immer höhere Skiregionen, Pistenpräpariergeräte und Schneekanonen, die der Natur ein Schnippchen schlagen sollen, Katastrophen auslösen. Da wandeln Regionen, Gemeinden, Banken, Planer, Investoren und Zulieferer auf einem schmalen Grat.

Was in Österreich vorbeugend gegen ein Ausbleiben von Frau Holles heiss ersehntem Auftritt für Beschneiungsanlagen ausgegeben wird, übersteigt jährlich mindestens 50 Millionen Euro. Und kann kaum wettmachen, was nicht selten durch den Ausfall des Naturprodukts an Einnahmen aus dem Wintertourismus fehlt. Verschobene Saisonstarts Ende November wie beispielsweise im Nobelskigebiet Lech oder in Schladming schlagen sich sofort mit Umsatzeinbussen im zweistelligen Prozentbereich zu Buche. Schüttet Frau Holle irgendwann dann doch ihr Bettzeug aus, braucht man die Schneekanonen nicht mehr.

Natürlich kommt der Wintertourismus nicht ohne Schnee aus. Aber Touristiker sollten sich doch einmal fragen, ob die Abhängigkeit nicht auch hausgemacht ist - und das erwartete Geschäft mit dem Schnee leicht dahinschmilzt. Immer mehr neue Pisten, immer höhere Regionen, immer waghalsigere Skischaukeln - wie etwa das geplante 13,5 Millionen Euro teure Projekt in Kitzbühel einer 3,7 Kilometer langen Bergbahn, die sich über ein ganzes Tal erstrecken soll -zeugen von einer eindimensionalen Sicht des Wintertourismus und verschärfen Abhängigkeiten.

Geld für Wintertourismus-Projekte scheint genügend vorhanden zu sein. Fragt sich nur, ob eine gekonnte Verknüpfung von spektakulären Outdoor- mit ebenso spannenden Indoor-Projekten nicht zielführender wäre. Ein Umwelteffekt liesse sich dadurch auch lukrieren. Eine neue UN-Studie über Auswirkungen des Klimawandels zeigt, dass Skigebieten in niedrigeren Regionen - etwa Kitzbühel - der Schnee wegzuschmelzen droht.

Ein rechtzeitiges Umdenken ist gefordert, wenn auf die Natur kein Verlass mehr ist. Wer diese Aufgaben löst, hat die Chance, wie im Märchen mit Erfolg überschüttet zu werden - und von der Pech- zur Gold-Marie zu mutieren.

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