"Die Presse" - Kommentar: "Das Ende der Verlogenheit" von Werner Beninger

Ausgabe vom 23.12.2003

Wien (OTS) - Als die Post aus dem öffentlichen Bereich ausgegliedert wurde, wurde deren Nachfolgefirmen eine schwere Last aufgebürdet: tausende Mitarbeiter zu viel, um wirtschaftlich arbeiten zu können, der Großteil noch dazu unkündbare Beamte.
Es war dies eine logische Folge der bis dahin üblichen Praxis. Die Beamtenzahl (nicht nur bei der Post) richtete sich nicht nach wirtschaftlichen, sondern nach anderen Gesetzmäßigkeiten. Im Extremfall wurde einem alten kabarettistischen Scherz zufolge jeder Posten dreifach besetzt: Mit einem Roten, einem Schwarzen und einem, der die Arbeit macht.
Von dieser Bürde wurden die Nachfolgeunternehmen der Post nicht befreit, als sie in den freien Markt entlassen wurden. Im Gegenteil:
Noch heute beschäftigen diese Firmen rund 28.000 unkündbare Beamte. Sozialpläne, um dieses Beamtenheer zu verkleinern, konnte oder wollte man sich nicht leisten. Also erfand man die Frühpensionierungen.
Es war eine Koalition von Nutznießern: Mitarbeiter, die mit 40 sozial abgesichert spazieren oder ihren Nebengeschäften nachgehen, ein Management, das seine Bilanzen zu Lasten der Allgemeinheit schönte und sich wegen der Personalreduktionen nicht mit der Gewerkschaft anlegen wollte. Dazu willfährige Ärzte, die Atteste nach Bedarf ausstellten, und eine Politik, die so tat, als ginge sie das alles nichts an, statt für Rahmenbedingungen zu sorgen, um das Problem legal zu lösen.
Nun endet diese Koalition der Verlogenheit als Fall für die Justiz. Hätte man Klartext geredet, wäre das allen Beteiligten erspart geblieben und hätte in der Sache nichts geändert: dass der Steuerzahler für die überzähligen Beamten zur Kasse gebeten wird - in jedem Fall.

werner.beninger@diepresse.com

Die Frühpensionierungen bei Post & Co wären unnötig gewesen - hätte man Klartext gesprochen.

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