WirtschaftsBlatt-Kommentar Saure Milch

von Michaela Lexa

Wien (OTS) - Leicht hatte sich der Raiffeisen-Konzern die Suche
nach einem Partner für die Nöm vor nunmehr eineinhalb Jahren nicht gemacht. Die Verhandlungen gestalteten sich mehr als langwierig, bis endlich eine Entscheidung fiel, vergingen Monate. Da müsste man doch meinen, dass der ideale Kandidat ausgesucht wurde, nämlich einer, der finanzstark ist und der seine Investitionen auf sinnvolle, nachvollziehbare und vor allem korrekte Art und Weise durchführt.

Jetzt muss sich die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, Hauptaktionärin der Nöm, ernsthaft fragen, ob sie mit dem italienischen Milchriesen Parmalat nicht den falschen Partner an Bord der österreichischen Molkerei geholt hat. Denn Parmalat ist auf Grund dubioser Anlagegeschäfte in eine desaströse finanzielle Lage geschlittert, aus der sich das Unternehmen aller Voraussicht nach nicht so bald herauswinden kann. Im Raum steht sogar ein totaler Zusammenbruch.

Nun ist bei Raiffeisen guter Rat teuer. Denn nach anfänglicher Kalmierung seitens der Nöm und des Raiffeisen-Holding-Chefs Erwin Hameseder wurden jetzt erste Schritte unternommen: Die Rohmilchlieferungen an den 25-Prozent-Aktionär wurden eingestellt, Hameseder kündigte an, das Paket im Falle eines Scheiterns der Parmalat-Sanierung zurückkaufen zu wollen.

Vor allem hat Raiffeisen aber nun Erklärungsbedarf. Denn nicht nur die Nöm-Mitarbeiter, sondern auch eine Vielzahl von Milch-Bauern sind mehr als beunruhigt. Sie alle wollen wissen, warum ausgerechnet Parmalat geholt wurde und wie es nun weitergehen wird. Denn sie alle haben die Entscheidung von Raiffeisen nicht nur hingenommen, sondern ihr auch vertraut.

Aber mit dem Vertrauen ist das so eine Sache. Wem soll, kann und vor allem darf man trauen? Einer Wirtschaftsprüfungskanzlei vielleicht, die alle Parmalat-Bilanzen gutgeheissen hat und anscheinend viel zu spät Unregelmässigkeiten bemerkt hat? Oder einem Firmengründer und -inhaber, der sein Unternehmen in blühenden Farben darstellte und eindrucksvolle Zahlen vorwies, jetzt aber zurücktreten musste und einen Sanierer geholt hat? Das Engagement von Parmalat bei der Nöm war nicht lange von Erfolg gekrönt. Dass ein anderer Partner wahrscheinlich besser gewesen wäre, ist müssig zu behaupten. Denn im Nachhinein sind alle immer gescheiter. Nur: Das ist bestenfalls eine Ausrede, aber keine überzeugende Erklärung.

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