Gratzer befürchtet Budgetprobleme

Konzept geändert: Hollmann inszeniert Musil, Ott und Muliar kommen zurück

Wien (OTS) - Hans Gratzer, seit Saisonbeginn Direktor des Theaters in der Josefstadt, befürchtet, mit dem Budget nicht auszukommen. Das erklärt Gratzer in der am 23. Dezember erscheinenden NEWS-Ausgabe. Gratzer: "Es ist de facto unmöglich, einen Direktionswechsel ohne finanzielle Einbußen zu vollziehen und auch noch die Subvention zu verringern. Hermann Beil hat sofort begriffen, dass das Geld nicht reicht, als ihm das Amt angeboten wurde. Ich wollte das mit dem Übermut des Glücklichen nicht zur Kenntnis nehmen. Jetzt könnte der Punkt kommen, wo ich die Unterstützung der Politiker und der Gesellschafter, die mich bestellt haben, brauche. Es gibt Verhandlungen für den Fall, dass es sich nicht ausgeht."

Der Grund ist ein Besucher-Minus von 14 Prozent gegenüber der letzten ("allerdings besonders erfolgreichen") Saison der Direktion Helmuth Lohner. Gratzer zeigt sich enttäuscht von der öffentlichen Aufnahme seines Herbstprogramms: "Ein Haus, ein Ensemble, eine Technik hinter sich zu bekommen und veränderte Produktionsbedingungen so plausibel zu machen, dass sie von allen mitgetragen und verteidigt werden - das ist sogar beglückend. Das einzige, was mich nicht froh macht, ist die Ungeduld der Öffentlichkeit. Dass man mir weder Atem noch Distanz noch Zeit zum Umdenken lässt. Dabei haben wir in drei Monaten neun Premieren herausgebracht. Zwei - "Aline" und "Traum ein Leben" - sind bei der Kritik durchgefallen, die anderen waren große bis mittlere Erfolge."

Als Reaktion hat Gratzer laut NEWS sein Konzept umgestellt: "Als erstes wird die spezielle Ästhetik mit Einheitsbühnenbild, Choreographie, Musik und Farben um jeden Preis aufgegeben, obwohl sie mir sehr gut gefällt."

Die nächste Saison werde, so Gratzer, "großes Literaturtheater im bürgerlichen Sinn". Es ist derzeit kein Raimund oder Nestroy vorgesehen, dafür Hofmannsthal, Horvath, Thomas Bernhard. Hans Hollmann wird laut Gratzer Musil inszenieren.

Es kommt auch zur Rückkehr abgegangenener Publikumslieblinge:
Elfriede Ott wird an die Kammerspiele zurückkehren, Fritz Muliar soll seinen 85. Geburtstag an der "Josefstadt" feiern.

Das Prinzip des ausschließlich österreichischen Spielplans bleibt, wenn nichts Faktisches dagegen spricht. So spielt Otto Schenk schon in dieser Saison statt Hofmannsthals Tanzpantomime "Der Bürger als Edelmann" Molieres "Der eingebildete Kranke".

Gerüchte, seine Krebserkrankung habe sich verschlimmert, dementiert Gratzer in NEWS: "Ich höre auch, dass es mir nicht gutgeht. Aber ich muss alle enttäuschen: Es geht mir sehr gut. Diese Krankheit ist auch eine Herausforderung an das positive Denken." Und:
"Es wird viel geredet in der Stadt - auch über eine mögliche Rückkehr Helmuth Lohners. Aber das irritiert mich nicht."

Gratzer auf die Frage, ob er in jedem Fall weitermachen werde "Ja. Wenn man mich lässt."

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