"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Neue Freunde" (Von Kurt Horwitz)

Wien (OTS) - Das hätte sich der libysche Diktator Moammar Gaddhafi wohl nicht träumen lassen: Der amerikanische Präsident und der britische Premierminister treten gleichzeitig vor die Fernsehkameras und zollen ihm Anerkennung für die Rückkehr in die Weltgemeinschaft. Vergeben und vergessen ist auf einmal, dass Libyen 1988 ein amerikanisches Verkehrsflugzeug über Lockerbie sprengen ließ und dadurch Hunderte Menschen ums Leben kamen. Es genügt, dass der Diktator Besserung gelobt, und schon hören wir kein Wort mehr über das Blut, das an seinen Händen klebt.

Bush und Blair sehen in der Friedensbotschaft aus Libyen wohl vor allem und nicht ganz zu Unrecht eine Folge der Besetzung des Irak und der Gefangennahme von Saddam Hussein. Die Drohungen aus Washington haben da wohl mehr bewirkt als die UN-Sanktionen.
Ein wenig sicherer ist die Welt geworden, seit Libyen den Massenvernichtungswaffen abgeschworen hat, und das ist immerhin erfreulich. Der Kampf gegen den weltweiten Terror ist aber noch lange nicht gewonnen.

Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass neben den Großmächten auch Nordkorea nach eigenen Angaben Atomwaffen besitzt. Und auch Israel ist eine Atommacht, spricht allerdings nicht darüber. Hier vermissen wir ähnlich starke Sprüche der Amerikaner. Der Jubel über die neuen Freunde in Tripolis wird dadurch leider einigermaßen getrübt.

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