Csörgits: Statt Sozialdienst-Pflicht für Frauen Aufwertung der Pflegeberufe nötig

Absage an Forderung des Roten Kreuzes; Frauen leisten Großteil der unbezahlten Arbeit

Wien (ÖGB). "Ein verpflichtender Sozialdienst für Frauen und Männer ist keine Lösung für den Pflegenotstand", stellt ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits zu den Äußerungen von Wolfgang Kopetzky klar. Der Generalsekretär des Roten Kreuzes hat im gestrigen Mittagsjournal die Einführung eines verpflichtenden Sozialdienstes für alle gefordert, sollte es zu einer Abschaffung des Wehr- und Zivildienstes kommen. Csörgits dazu:
"Frauen leisten den Großteil der unbezahlten Pflege- und Betreuungsarbeit. Der Wiedereinstieg nach der Babypause oder nach der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger ist schon jetzt denkbar schwierig. Ein verpflichtender Sozialdienst wäre ein zusätzlicher Stolperstein". Die ÖGB-Frauen fordern stattdessen bessere Rahmenbedingungen für die Beschäftigten im Pflegebereich.++++

Nach fünfjährigen Vorarbeiten ist es den Gewerkschaften Anfang November gelungen, mit der Arbeitgeberseite einen Kollektivvertrag für die Beschäftigten in den Sozial- und Pflegeberufen abzuschließen. Er tritt mit 1. Juli 2004 in Kraft und wird unter anderem für HeimhelferInnen, BehindertenbetreuerInnen sowie Tagesmütter und -väter gelten. Weitere wichtige Voraussetzungen zur Verbesserung der Lage des Pflegepersonals fehlen aber. So gibt es noch immer keine bundeseinheitliche Ausbildung für HeimhelferInnen. Die unterschiedlichen Qualifizierungsstandards haben zur Folge, dass die Ausbildung in einem anderen Bundesland oft nicht zählt.

Zur Überwindung des Pflegenotstands und zur Sicherung der Qualität der Betreuung müsse alles unternommen werden, um ausgebildete Pflegekräfte länger im Beruf zu halten. "Das wird nur gehen, wenn mehr Personal angestellt wird, und zwar zu angemessenen Bedingungen. Ansonsten werden die Beschäftigten auch weiterhin nach nur wenigen Jahren ausgelaugt den Beruf verlassen", sagt Csörgits.

Verbesserungen verlangen die ÖGB-Frauen auch bei der Familienhospizkarenz. Die Regierung hat zwar für Familienangehörige die Möglichkeit geschaffen, sich zur Betreuung schwerstkranker Angehöriger von ihrem Dienstverhältnis karenzieren zu lassen. Eine finanzielle Absicherung für die Betreuenden fehlt aber. "Damit sich die Angehörigen die Freistellung auch leisten können, muss ein Karenzgeld geschaffen werden", so Csörgits abschließend. (mfr)

ÖGB, 21. Dezember 2003
Nr. 1049

Rückfragen & Kontakt:

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Martina Fassler-Ristic
Tel.: 01/534 44-480
Fax: 01/533 52 93
www.oegb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0001