WirtschaftsBlatt-Kommentar Auf die USA ist ab 2005 kein Verlass

von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Die Wirtschaftsforscher, die einander in den letzten Jahren vor allem über den Einfluss der USA auf die europäische Konjunktur in die Haare gerieten, sind sich diesmal bemerkenswert einig: Auf die Konjunkturlokomotive USA ist diesmal nur bis zum Jahresende 2004 Verlass. Danach - präzise: nach den US-Präsidentenwahlen im nächsten November - ist jenseits des grossen Teichs Budgetkonsolidierung angesagt, und die wird (wie wir das ja in Europa in den letzten Jahren eindrucksvoll vorgezeigt haben) das Wachstum ziemlich stark dämpfen. Wie stark, wird wohl auch davon abhängen, ob George W. Bush oder sein (noch unbekannter) demokratischer Gegenspieler die Wahl gewinnt, aber das ist Spekulation.

Für die (europäische und österreichische) Wirtschaftspolitik ist das zweifellos angenehm. Natürlich ist es leichter, auf eine absehbare Entwicklung zu reagieren als auf eine, die überraschend auf uns zukommt.
Eine Herausforderung für Europa bleibt das vorhersehbar abebbende Wachstum der USA allemal - bedeutet es doch, ab diesem Zeitpunkt aus eigener Kraft die Rolle der Konjunkturlokomotive zu übernehmen.

Die Chancen sind da: In Deutschland (und auch in Österreich) sind Steuerreformen in Vorbereitung, die die Unternehmen entlasten und die Massenkaufkraft stärken werden. Die EU-Erweiterung birgt - wenn sie mit Optimismus angegangen wird - die Chance auf zusätzliche Dynamik, weit mehr als die blossen Fundamentaldaten versprechen. Die Staaten, die da zur Union stossen, haben zudem schon jetzt wesentlich höhere Wachstumsraten als die alten Unionsmitglieder. All dies sollte durchaus reichen, einen Boom auszulösen, der von Europa allein getragen wird und einige Jahre anhalten könnte.

Wenn nicht eine zaghafte, ziellose und nur kurzsichtig aufs nationale Eigenwohl bedachte Wirtschaftspolitik alles zunichte macht. Maastricht ist als Stabilitäts- und Wachstumspakt konzipiert - wenn wir den zweiten Teil dieser Vereinbarung weiterhin konsequent ignorieren, dann werden wir auch die Chancen verspielen, die uns die EU-Erweiterung bietet.

Fast noch wichtiger als die Einigung über eine europäische Verfassung ist eine gemeinsame Wachstumspolitik, die das umsetzt, was in Lissabon bloss als schöne Absichtserklärung formuliert wurde: dass Europa die dynamischste Wirtschaftsregion der Welt wird.

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